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Prognose
Zu Ostern kaum Spargel aus NRW

Prognose: Zu Ostern kaum Spargel aus NRW
Mit 22.000 Hektar gar Spargel unter allen Gemüsesorten in Deutschland die größte Anbaufläche. FOTO: tmn
(RP). Der lange Winter und der frühe Festtagstermin machen den niederrheinischen Spargelbauern einen Strich durch die Rechnung. Vor dem 10. April, so die Prognose, wird es kaum Freiland-Spargel aus hiesigem Anbau geben. Von Jürgen Stock

Johannes van Bracht (46) hat Stress. Eigentlich ist dem niederrheinischen Spargel-Bauern aus Lüllingen diese Gemütsbefindlichkeit eher wesensfremd, aber in Anbetracht heranziehender Regenwolken am Horizont ist auf den Walbecker Spargel-Feldern Eile geboten: "Wir müssen Erde anhäufeln und Wärmefolie ausbringen", sagt der 45-Jährige. Regnet es erst einmal, kann van Bracht tagelang mit seinem Schlepper nicht mehr aufs Feld. Dabei drängt die Zeit. "Der Spargel ist durch den langen Winter etwa zwei Wochen in der Entwicklung zurück", sagt van Bracht. "Deshalb wird es in diesem Jahr wohl nichts mit Spargel zu Ostern. Und dabei habe ich schon eine extra frühe Sorte gepflanzt."

Von wenigen Ausnahmen abgesehen werden die Stangen, die vor den Feiertagen auf den Markt kommen, aus Treibhäusern oder aus dem Ausland stammen. Zudem wird das Angebot wesentlich knapper sein als in den vergangenen Jahren in der Vor-Osterwoche: "Länder wie Griechenland und Spanien haben durch Schnee, Regen und niedrige Temperaturen große Einbußen bei der Ernte", sagt Ralf Große-Dankbar, Spargelanbau-Berater bei der Landwirtschaftskammer NRW in Münster.

Der Kammer-Experte sieht auch für die anderen Anbaugebiete in NRW keine Chance, dass es bis zum Ostersamstag mit dem weißen Gemüse noch etwas wird: "Im Wurzelbereich des Spargels betragen die Temperaturen jetzt um die acht Grad. Da erwacht er aus der Winterruhe, aber er wächst noch nicht."

Über Jahrhunderte gab es Spargel zu Ostern fast ausschließlich als Importware aus Mittelmeerländern. Doch mit der Weiterentwicklung von Tunnel- und Folientechniken, die die Wärme im Boden halten, haben Verbraucher sich daran gewöhnt, dass zu den Feiertagen das erste Edel-Gemüse aus deutschem Anbau auf den Tisch kommt. Das hat sogar im vergangenen Jahr geklappt, obwohl der Winter ebenfalls bis lange in den März hinein dauerte. Allerdings fiel der Ostersonntag auf den 12. April – gerade rechtzeitig für die ersten Stangen. Dieses Jahr war der Winter noch ein Stück länger – und Ostern liegt eine Woche früher.

Wie van Bracht schaut Spargelbauer Robert Bossmann (41) ebenfalls derzeit jeden Tag nach seinen Feldern in Langenfeld, Baumberg und Monheim. "Ostern werden wir nicht schaffen, das ist wirklich schade", sagt er. Zudem befürchten viele Anbauer, dass zumindest die Erntemengen der frühen Sorten deutlich hinter dem Ergebnis der Vorjahrs zurückbleiben werden. Van Bracht: "Ich rechne da mit Einbußen von 50 Prozent."

Das mickrige Angebot spiegelt sich in den Preisen wider. Laut Agrarmarkt-Informationsgesellschaft liegen die Großhandelspreise für deutschen Spargel derzeit zwischen elf und 16 Euro. Sie würden auch zu Ostern auf ähnlichem Niveau verbleiben. Importspargel dürfte um die acht Euro kosten. "Aber nach den Oster-Feiertagen fallen die Preise erfahrungsgemäß wieder", sagt van Bracht. Dann sollte auch der erste deutsche Spargel aus den Mini-Tunneln auf den Markt kommen. Erst ab Mitte April drängt der erste Folien-Spargel in Richtung Erdoberfläche. Bis dahin hat das Gemüse aber noch mindestens 30 Zentimeter Wegstrecke zurückzulegen.

Derzeit sind noch nicht einmal die osteuropäischen Erntehelfer am Niederrhein eingetroffen. Sechs Polen und fünf Rumänen werden van Bracht dabei helfen, schätzungsweise 48 Tonnen Spargel zu stechen. Eine Woche vor Beginn der Ernte muss der Landwirt die Helfer anfordern. Doch so weit ist es derzeit noch lange nicht.

Dagegen hat auf dem Spargelhof Goetzens in St. Hubert die Saison schon begonnen. In seinen Feldern hat Karl Goetzens Abwärmerohre dreier Blockkraftwerke liegen. Für die kommende Woche wird er am Niederrhein nicht viel Konkurrenz zu fürchten haben.

Quelle: RP
 
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