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Zugkatastrophe nahe Bad Aibling
Retter finden zehntes Todesopfer

Schweres Zugunglück bei Bad Aibling
Schweres Zugunglück bei Bad Aibling FOTO: dpa, kne fpt kno
Bad Aibling. In der Nähe von Bad Aibling im Kreis Rosenheim sind am Dienstagmorgen zwei Züge zusammengestoßen. Es gibt zehn Tote und mehr als 80 Verletzte. Ein Mensch wird noch vermisst. Die Ermittlungen zur Ursache laufen auf Hochtouren. Zwei Blackboxen werden derzeit ausgewertet.

Ein weiterer Mensch starb im Laufe des Tages in einem Krankenhaus, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd am Dienstagabend mitteilte. Eine weitere Person werde noch in den Zugwracks vermisst. "Wir haben wenig Hoffnung, diese lebend zu bergen", sagte ein Polizeisprecher.

Nach Angaben der Polizei wurden 18 Menschen schwer verletzt. 63 Menschen kamen mit leichten Verletzungen davon. Erst am Mittwoch soll damit begonnen werden, die Zugwracks mit schwerem Gerät zu entfernen.

Tote und Verletzte bei Zugunglück in Bayern

Frontaler Zusammenstoß

Die Züge waren frontal zusammengestoßen, dabei verkeilten sich die Triebwagen. Ein Zug entgleiste, mehrere Waggons stürzten um. Die Unfallursache ist noch unklar. An der Stelle sind 100 Stundenkilometer erlaubt.

Die Strecke ist an der Unfallstelle eingleisig. In Bad Aibling gibt es kein modernes elektronisches Stellwerk, sondern ein älteres Spurplan-Drucktastenstellwerk, wie eine Bahn-Sprecherin unserer Redaktion sagte. Das bedeutet, dass die Weichen noch über Knöpfe gestellt werden und nicht über einen Computer, der die Sicherheit zusätzlich überprüft. Trotzdem gelten ältere Stellwerke wie das in Bad Aibling immer noch als sehr sicher.

Die Bahn erklärte, dass das System erst vor einer Woche technisch überprüft worden sei. Dabei habe es keine Probleme gegeben.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einer "schweren Stunde in der Geschichte des Zugverkehrs in Deutschland". Die Unfallstelle habe ein erschreckendes Bild abgegeben, sagte der Minister.

Laut Dobrindt wurden bereits zwei der drei Blackboxen gefunden. Sie könnten Aufschluss über die Ursache des Unglücks bringen.

Hier sehen Sie die Unfallstelle auf einer Karte:

Kanzlerin und Minister bestürzt

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich bestürzt über den Unfall. "Ich vertraue darauf, dass die zuständigen Behörden alles daran setzen werden, aufzuklären, wie es zu diesem Unglück kommen konnte", erklärte Merkel in Berlin.

"Mein Mitgefühl gilt vor allem den Familien der neun Menschen, die dabei ihr Leben verloren haben", sagte Merkel. "In Gedanken bin ich auch bei den zahlreichen Verletzten, die mit den Folgen des Unglücks ringen." Sie wünsche ihnen eine schnelle und möglichst vollständige Genesung.

Auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sprach ihr Mitleid aus. "Ich bete für die Opfer und Verletzen und bin in Gedanken bei den Familien", erklärte Kraft bei Twitter. Die CSU sagte aus Respekt vor den Opfern ihre Verananstaltung zum Politischen Aschermittwoch ab. Ministerpräsident Horst Seehofer will sich am Mittwoch vor Ort selbst ein Bild von der Lage machen.

Die Aufklärung des Zugunglücks soll voraussichtlich auch Thema im Bundestag werden. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Martin Burkert, sagte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur: "Ich gehe davon aus, dass wir uns damit bereits in der nächsten Sitzungswoche beschäftigen."

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) hat im gespräch mit unserer Redaktion schnelle Konsequenzen und häufigere Sicherheitsüberprüfungen gefordert.

Angehörige können sich über die Notrufnummer 0395 43084390 informieren.

Hier finden Sie eine Übersicht der schwersten Zugunglücke in Deutschland.

(jco/dpa/afp/lukra/KNA)
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