| 13.16 Uhr

Katastrophe in Bad Aibling
Video aus Unglückszug löst Kontroverse aus

Zugunglück in Bad Aibling: Video zeigt Momente nach dem Unfall
Polizisten am Morgen nach dem Unfall an der Unglücksstelle. FOTO: dpa, fpt
Bad Aibling. Ein Fahrgast aus einem der Unglückszüge von Bad Aibling hat die Momente nach der Kollision auf Video festgehalten. An der Veröffentlichung der Bilder in Medien gibt es Kritik, auch der Presserat prüft die Berichterstattung. Von Ludwig Krause

Zunächst habe er einfach nur gedacht, jemand habe die Notbremse des Zuges betätigt, sagt Joe Abediran, der am Dienstagmorgen mit einem der beiden Unglückszüge von Bad Aibling zur Arbeit unterwegs war. "Ich wusste gar nicht, was passiert ist, weil ich hinten im Zug war." Abediran hielt die Momente nach der Kollision, bei der zehn Menschen starben, auf Video fest.

BBC und "Tagesschau" zeigten Szenen aus dem Zug

Mit der BBC sprach er über das Chaos an Bord. "Das Licht war ausgefallen", sagt er. Also habe er das Licht der Kamera seines Handys aktiviert. "Überall war Blut." Das britische Fernsehen und die "Tagesschau" zeigten Szenen aus dem Video, das auch bei YouTube zu sehen ist und dort von einem anderen Nutzer hochgeladen wurde.

Mehrere Minuten dauert der Film, der auch unserer Redaktion vorliegt. Abediran hält sein Handy drauf, während er durch den Zug läuft. Dabei filmt er blutende Menschen in den Gängen und herausgerissene Zugteile, die den Weg blockieren. Zu hören sind Schreie – aber auch, wie sich Passagiere gegenseitig zu beruhigen versuchen. "Keine Panik, alles wird gut", sagt eine Frau.

"Ich glaube, das ist der Gegenzug"

Das Video dokumentiert ebenfalls, wie die Fahrgäste begreifen, was passiert ist. Auf seinem Weg durch den Zug trifft der Kameramann einen Passagier. "Ich glaube, das ist der Gegenzug", sagt er. "Der Gegenzug?", fragt Abediran. "Ja, normalerweise wartet der doch immer so lange." - "Die Polizei ist auf dem Weg, keine Angst", sagt eine Frau. "Wir bleiben alle drinnen." Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist bislang noch unklar.

An der Veröffentlichung der Bilder in den Medien regt sich inzwischen Kritik. Sie dienten, so die Anschuldigungen, nur der Sensationsgier und hätten keinen Informationsgehalt.

Im Pressekodex heißt es zu Unglücksfällen und Katastrophen: "Die Berichterstattung über Unglücksfälle und Katastrophen findet ihre Grenze im Respekt vor dem Leid von Opfern und den Gefühlen von Angehörigen. Die vom Unglück Betroffenen dürfen grundsätzlich durch die Darstellung nicht ein zweites Mal zu Opfern werden."

"Tagesschau" äußert sich zu Bildmaterial

Mittlerweile hat sich Kai Gniffke, Chefredakteur von "ARD-aktuell" und damit auch der "Tagesschau", zur Veröffentlichung der Bilder geäußert. Das Video sei ein authentischer Blick auf das Unglücksgeschehen, sagte er. "Deshalb komme ich zu dem Ergebnis, dass dieses Bildmaterial unsere Berichterstattung ergänzt und dass wir darauf zurückgreifen sollten. Aber wir tun es so verantwortungsbewusst wie wir können. Wir zeigen nur eine Sequenz ohne Bilder von Verletzten und ohne Ton."

Die Debatte wird jedoch auf zwei Seiten geführt: Im Internet erntet Gniffke für die Entscheidung nicht nur Kritik, sondern auch Zustimmung.

Presserat prüft Beschwerden

Der Presserat hat bislang sechs Beschwerden zur Berichterstattung über das Zugunglück erhalten, wie Sprecherin Edda Eick unserer Redaktion sagte. Diese würden sich gegen verschiedene Medien richten. "Gegenstand ist auch die redaktionelle Einbettung des Augenzeugen-Videos aus dem verunglückten Zug." Die Veröffentlichungen würden mit Blick auf den Schutz der Persönlichkeit sowie im Hinblick auf die Kriterien der Sensationsberichterstattung  bewertet.

(lukra)
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