München: Zwei Fehler lösten Flughafen-Panne aus
zuletzt aktualisiert: 21.01.2010 - 17:35München (RPO). Zwei schwere Fehler bei der Sicherheitskontrolle haben offenbar zu der Panne auf dem Münchner Flughafen geführt. Eine erfahrene Kontrolleurin habe einen Mann in den Abflugbereich gehen lassen, obwohl ein Sprengstofftest noch gelaufen sei, erklärte die Bezirksregierung Oberbayern auf einer Pressekonferenz. Außerdem hätten die Gepäckkontrolleure die Bundespolizei zu spät informiert.
Solch ein Fehler "darf nie passieren", sagte Regierungspräsident Christoph Hillenbrand. Die betreffende Mitarbeiterin sei vom Kontrolldienst suspendiert worden. Ob der spurlos verschwundene Passagier Sprengstoff mitführte, sei ungeklärt. Es handele sich um einen etwa 50 Jahre alten, nicht Deutsch sprechenden Mann, der sich kurz vorher noch nach einem Flugsteig erkundigt habe.
Nach der Personenkontrolle habe er Sakko und Mantel wieder angezogen, habe seinen Laptop vom Laufband genommen und sei um 14.38 Uhr "in aller Gemütsruhe davonspaziert", sagte Hillenbrand. Ob der Passagier nur seinen Flieger nicht verpassen wollte oder "eine gefährliche, ernste Situation" vorlag, sei wohl nicht mehr zu klären.
Mitarbeiterin verstieß gegen Dienstanweisung
Noch während ein Mitarbeiter eine Wischprobe von dem Laptop des Mannes untersuchte, habe die zuständige Mitarbeiterin den Passagier und den Laptop aus den Augen gelassen und sich statt dessen schon einem anderen Fluggast zugewandt. Das sei ein klarer Verstoß gegen die Dienstanweisung, der sich nie wiederholen dürfe, sagte Hillenbrand. Sie hätte ihn "nicht aus den Augen lassen dürfen, nachdem sie die Überprüfung auf Sprengstoff selbst angeordnet hatte", sagte der Regierungspräsident.
Als die Mitarbeiterin eine Minute später versucht habe, dem Passagier nachzueilen, sei der schon in der Menge verschwunden gewesen. Der Sicherungsbeamte der Bundespolizei sei erst Minuten später von anderen Kontrolleuren informiert worden. In einer solchen "Alarmsituation" hätte die Bundespolizei sofort alarmiert werden müssen, sagte Hillenbrand. Um 15.10 Uhr habe die Bundespolizei die Sperrung und Räumung des gesamten betroffenen Abflugbereichs angeordnet. Erst um 18.42 Uhr wurde der Alarm wieder aufgehoben.
Mehr als 30 Abflüge wurden gestrichen, mehr als 100 Flugzeuge starteten verspätet. Mehrere Tausend Passagiere waren von der Evakuierung betroffen, wie Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger sagte.
Ein Sprengstoff-Testgerät habe angezeigt, dass der Laptop Stoffe enthielt, die in Sprengstoff, aber auch in Parfüm oder Öl enthalten sei, sagte Hillenbrand. An jeder Schleuse werde etwa acht bis zehn Mal täglich ein positives Testergebnis angezeigt, ohne dass Sprengstoff zu finden sei. "Das ist Kontrollroutine."
"Alle Sicherheitsmaßnahmen müssen auf den Prüfstand"
Die seit 20 Jahren beschäftigte Mitarbeiterin sei eine von 1.100 Beschäftigten der staatlichen SGM GmbH, die die Gepäckkontrollen am Flughafen München durchführe. Die Kontrolleure würden nach Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes bezahlt und seien keine Billigarbeitskräfte, sagte Hillenbrand.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger forderte nach dem Zwischenfall in der "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe) eine "lückenlose Aufklärung des Vorfalls". Das sei notwendig, "um das Gesamtkonzept der Sicherheit für alle deutschen Flughäfen zu verbessern", sagte die FDP-Politikerin. Zugleich forderte sie mehr Personal.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, forderte eine personelle Aufstockung der Bundespolizei sowie eine bessere Ausbildung und Bezahlung des privaten Sicherheitspersonals. Dem "Hamburger Abendblatt" sagte er: "Alle Sicherheitsmaßnahmen müssen auf den Prüfstand gestellt werden. Es müssen auch die Möglichkeiten eines Profilings, also einer gezielten Überprüfung möglicher Verdächtiger nach bestimmten Kriterien, aufgebaut werden."
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