Experten warnen vor Unwetter: Zwei Tornados wüten in NRW
zuletzt aktualisiert: 10.06.2010 - 11:13Essen (RPO). Zwei Tornados haben gestern Nachmittag in Hille (Kreis Minden-Lübbecke) und im münsterländischen Warendorf große Schäden angerichtet. Experten warnen: Auch heute Nacht drohen wieder Unwetter in NRW.
Besonders heftig traf es den ländlichen Ort Hille: Dort hinterließ der Tornado, der gegen 16.15 Uhr über die Gemeinde hinwegfegte, eine vier Kilometer lange Schneise der Verwüstung: Hausdächer wurden abgedeckt, Schornsteine umgeknickt. Zwei Gebäude sind laut Polizei nicht mehr bewohnbar. In beiden Orten gab es jedoch keine Verletzten. Der Schaden beläuft sich auf mehrere Hundertausend Euro.
Claudia Wittemeyer und ihr Mann Uwe waren Augenzeugen des Tornados: "Es ist plötzlich ganz dunkel geworden und hat angefangen zu regnen, da bin ich schnell nach Hause geradelt", erzählt die 40-Jährige, die gemeinsam mit ihrem Mann eine Tankstelle in Hille betreibt. Dann sei alles sehr schnell gegangen, ein kräftiger Wind sei aufgezogen, dann "flogen zwei Trampoline 200 Meter weit durch den Garten".
Dachpfannen seien heruntergefallen und auf dem Balkon zersprungen. "Bei unseren Nachbarn ist ein Baum aufs Auto gestürzt." Sie selbst habe es grade noch geschafft, die offene Balkontür zu schließen. "Der Luftzug war so stark, ich musste alle Kraft aufwenden."
Innerhalb von Sekunden sei alles vorbei gewesen. "Ich habe noch gesehen, wie sich der Trichter des Tornados auflöste." Die Feuerwehr begann gestern Nachmittag sofort mit den Aufräumarbeiten, zersägte umgestürzte Bäume, die auf den Straßen und Autos lagen, und räumte Dachziegel weg.
Gewitter-Serie auch in Hessen
In der Nacht zu Donnerstag hat eine Serie von heftigen Gewittern auch in Hessen teils hohe Schäden verursacht. Im Landkreis Kassel schlug in zwei Häusern der Blitz ein, in Immenhausen in ein Zweifamilienhaus und in Bad Emstal-Sand in ein Einfamilienhaus, so dass die Dachstühle anfingen zu brennen. Nach Angaben der Polizei wurde keiner der insgesamt betroffenen zwölf Bewohner verletzt. An den Häusern entstand ein Schaden von jeweils 100.000 Euro.
In Frankfurt rückte die Feuerwehr rund 90 Mal aus. Zumeist, berichtete Behördensprecher Hans-Jürgen Kohnert, mussten die Einsatzkräfte das Wasser aus vollgelaufenen Kellern und von überfluteten Straßen und aus Verkehrsunterführungen abpumpen. An manchen Orten stand das Wasser einen halben Meter hoch. Im Stadtteil Preungesheim stürzte das Wellblechdach einer Lagerhalle unter den Wassermassen ein. Betroffen vom Gewitter und Starkregen waren nach Angaben der Feuerwehr vor allem Stadtteile im Süden und Südwesten Frankfurts. Verletzt wurde auch hier niemand.
Der Deutsche Wetterdienst meldet auch für Donnerstag und die Nacht zu Freitag Unwettergefahr für NRW. Laut Wolfgang Reiff, Wetterexperte beim Deutschen Wetterdienst in Essen, seien in einigen Regionen sommerliche Gewitter mit kurzem Platzregen möglich, in anderen Gebieten können 30 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. Zudem kann es kräftig hageln. Ab Samstag soll es besser werden.
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