Mittwoch kommt der neue "Asterix": Die Römer spinnen wieder
zuletzt aktualisiert: 09.03.2001 - 06:59Paris (rpo). Lange Zeit haben Asterix-Fans ihre alten Uderzo-Bände immer wieder und wieder lesen müssen; jetzt ist die Zeit des Darbens nach einem neuen gallischen Abenteuer vorbei: Am Mittwoch kommt der 31. Asterix-Band in den Handel: "Asterix und Latraviata".
Der Verlag hütet den Inhalt mit Konventionalstrafen für die Buchhändler, lässt aber wissen, dass die Mütter von Asterix und Obelix versuchen werden, die eingefleischten Junggesellen aus dem unbeugsamen Dorf unter die Haube zu bringen.Und Pompejus hat es auf ein Geburtstagsgeschenk des Helden abgesehen - "Die spinnen, die Römer!"
Seit dem frühen Tod des genialen Texters Rene Goscinny 1977 führt der Zeichner Albert Uderzo die Comicserie allein weiter, wobei er nach Meinung vieler Fans die Qualität nicht halten konnte. "Goscinny hatte einen brillanten zeitlosen Humor", sagt Sibylle Schneider vom Berliner Ehapa-Verlag. "Über seine Witze kann man auch beim 20. Mal noch lachen, die nutzen sich nie ab." Der neue Band ist dagegen voll von aktuellen Anspielungen auf Politiker - in der deutschen Ausgabe etwa auf Kanzler Gerhard Schröder - und Werbesprüche, die in zehn Jahren vielleicht niemand mehr versteht.
Dabei überwacht Uderzo die nicht französischsprachigen Ausgaben ganz besonders. Eine Agentur in Paris übersetzt die Texte ins Französische zurück und erstellt ein Gutachten über den Sprachwitz. Erst dann gibt der 73-Jährige sein OK. Vielleicht hat Uderzo dabei an die schwierigen Anfänge seines Galliers in Deutschland gedacht. Asterix und Obelix mutierten in den 60er Jahren in der Comic-Zeitung "Lupo" zu Westgermanen und klopften unter den Pseudonymen "Siggi und Babarras" reaktionäre Sprüche. Goscinny und Uderzo machten dem Treiben nach nur vier Geschichten ein Ende. Auch der Ehapa-Verlag lag in seinen ersten Übersetzungen noch etwas daneben: "Uije! Die Römer sind doof", hieß der legendäre Obelix-Spruch "Ils sont fous ces Romains" im Wochenmagazin "MV" zunächst.
"Sentimental und frauenfeindlich"
Seitdem ist Asterix Legende geworden. 300 Millionen weltweite Auflage, mehr als 85 Millionen Mal wurden die Bände in deutscher Hochsprache und zahlreichen Dialekten verkauft. Deutschland ist nach Frankreich der zweitwichtigste Markt im Asterix-Imperium, das einen Freizeitpark bei Paris und ungezählte Merchandising-Artikel von Käse über Korkenzieher bis Kinderfahrräder umfasst. Sieben Mal bevölkerten die Bewohner des wohlbekannten Dorfes aus dem Jahr 50 vor Christus als Zeichentrickfiguren die Kinos, und Gerard Depardieu mühte sich als leibhaftiger Obelix auf der Leinwand.
Das Geheimnis des Erfolgs haben viele zu ergründen versucht. Besonders vergnüglich fiel die Charakterisierung von Majestix, Troubadix und der anderen Dorfbewohner durch den französischen Politologen Alain Duhamel aus: "Streitsüchtig, sprunghaft, mutig, ironisch, nörgelig, großzügig aber chauvinistisch, aktiv aber argwöhnisch, intelligent aber streng, individuell, aufgeschlossen gegenüber Heldentaten und Ruhm, skeptisch gegenüber den Mächtigen, allergisch gegen Konformismus, seinem Dorf extrem verbunden und überzeugt, das ihm nichts gleichkommt, furchtlos und abergläubisch, enthusiastisch und dann wieder mutlos, sentimental und frauenfeindlich - das Abbild der ganzen französischen Politik."
Nach 40 Jahren Kampf gegen die Römer rückt der endgültige Abschied des gewitzten Galliers jetzt näher. Fünf Jahre hat sich der 73-Jährige Uderzo nach dem 30. Band "Obelix auf Kreuzfahrt" Zeit gelassen. Und er verfügte: "Die Figur 'Asterix' wird nach mir keine weiteren Abenteuer erleben."
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