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Schwarzwaldklinik
Die Ärzte, denen die Nation vertraute

Der Kosmos der "Schwarzwaldklinik"
Der Kosmos der "Schwarzwaldklinik" FOTO: Schwarzwaldklinik
Glottertal. Heute vor 30 Jahren lief die erste Folge der "Schwarzwaldklinik". Sie bereitete den Weg für viele andere Krankenhausserien. Die Fälle waren damals weniger spektakulär - doch eine heile Welt gab es im Glottertal nicht.  Von Martina Stöcker

Samstags wurde um 19.30 Uhr nicht bei Oma angerufen - sie wäre ohnehin nicht rangegangen. Eigentlich wollte man eh nicht wissen, wie es ihr geht, sondern Schwester Christa, Dr. Udo und dem vorlauten Krankenpfleger Mischa. Um halb acht suchte die Nation in den 1980er Jahren geschlossen die "Schwarzwaldklinik" auf. Bis zu 28 Millionen Menschen saßen pro Folge vor den TV-Geräten. Selbst für viele junge Leute war die Krankenhausserie ein Muss: Erst ging's ins Glottertal, dann in die Disco.

Heute vor 30 Jahren lief die erste Folge der "Schwarzwaldklinik". Sie ist nach Angaben des ZDF die bis heute populärste und erfolgreichste deutsche Fernsehunterhaltungsserie. Für den Produzenten Wolfgang Rademann, der auch das "Traumschiff" erfunden hat, waren "Das Krankenhaus am Rande der Stadt" (Tschechien) oder "General Hospital" (USA) Vorbilder. Selbst heute noch funktionieren Arztserien wie "In aller Freundschaft" (ARD) und sogar das amerikanische Erfolgsformat "Grey's Anatomy" nach demselben Prinzip, auch wenn zumindest dessen Hauptdarsteller Patrick Dempsey attraktiver ist als alle Männer der "Schwarzwaldklinik" zusammen - und das inklusive Sascha Hehn.

Denn damals wie heute dreht sich die Handlung um das (Liebes-)Leben des Krankenhaus-Personals. Die wechselnden Patienten bringen in jeder Episode ihre Geschichten mit und so Abwechslung - auch in den 80er Jahren wurde man nach einer Operation schnell wieder entlassen.

In die Schwarzwaldklinik kommt neues Leben FOTO: dpa, wro bwe lof

Die Ärzte dürfen ihr Wissen anwenden und heldenhaft heilen. Das verlief in der "Schwarzwaldklinik" relativ unspektakulär: Wenn es für Prof. Klaus Brinkmann (Klausjürgen Wussow) im OP richtig knifflig wurde, dann piepste das EKG schneller und auf der Stirn des Arztes standen Schweißperlen, aber es flogen weder Patienten bei einer Reanimation fast einen Meter hoch vom OP-Tisch, noch brauchte ständig jemand eine Thorax-Aufnahme, wie es heute im modernen TV-Klinik-Alltag üblich ist. Den Erfolg solcher Serien hat die "Schwarzwaldklinik" sicher erst ermöglicht. Allein in Deutschland wurden nach dem Ende des Erfolgsformats, das in 43 Ländern ausgestrahlt wurde, mehr als 25 Ärzteserien ins Fernsehen gebracht.

Keine heile Welt

Viele meinen, die Serie stehe für die heile Welt. Das Leben in und um den Klinikbetrieb mag kitischig und konservativ gewesen sein, heil war es aber nicht: Es gab Lug und Betrug sowie harte Schicksalsschläge im romantischen Schwarzwald. Und so lagen die Kritiker durchaus richtig, die damals von einer "Kitschromanze" sprachen - einem Mix aus Arztroman, Heimatfilm und klassischer Familienserie, der dem Publikum gefiel.

Die Serie bediente konservative Familienbilder und Stereotype - es waren halt die 80er und das ZDF - wie mit dem gütigen Chefarzt, der die Krankenschwester heiratet und mit seinem Draufgänger-Sohn häufig im Clinch liegt, griff aber mitunter sogar gesellschaftlich brisante Themen auf. Eine Folge, in der eine Vergewaltigung gezeigt, beziehungsweise angedeutet wurde, löste zum Beispiel große Empörung aus und wurde jahrelang vom ZDF unter Verschluss gehalten.

Fotos: "Schwarzwaldklinik" - Was wurde aus den Stars? FOTO: ZDF/Thomas Waldheim

Der riesige Erfolg der Serie war auch ein Fluch - zumindest für die Schauspieler: Klausjürgen Wussow, der zuvor viele Jahre am renommierten Burgtheater in Wien gespielt hatte, wurde den Professorentitel und weißen Kittel nicht mehr los. Anstatt seine anderen Rollen zu würdigen, baten ihn die Menschen bei Begegnungen um Autogramme und Rat bei ihren medizinischen Problemen. Auch die andere Hauptdarstellerin Gaby Dohm war auf lange Zeit immer nur Schwester Christa.

Nach 70 Folgen wurde die Sendung 1989 eingestellt. Zwei Fortsetzungsfilme, die 2005 gezeigt wurden und in deren Mittelpunkt des Professors jüngerer Sohn Benjamin und seine medizinische Karriere standen, sahen insgesamt 22 Millionen Zuschauer. Eine Wiederaufnahme der Serie schließt das ZDF dennoch aus. Alte Folgen werden bei "Youtube" aufgerufen oder laufen im Nischensender "ZDF Kultur". Die "Schwarzwaldklinik" ist Kult, Kindheit, ein Stück Fernsehgeschichte - und damit vergangen.

Quelle: RP
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