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Barbara Schöneberger
"Die Selbstironie ist mein Schutzschild"

Die Moderatorin Barbara Schöneberger ist mit einer neuen Platte unterwegs. Ein Gespräch über echte Gefühle, Liedtexte und Robbie Williams.

Mit dem Titel Ihrer neuen CD, "Bekannt aus Funk und Fernsehen", habe ich erst etwas gefremdelt . . .

Barbara Schöneberger Wirklich? Warum? Wissen Sie, wie schwer das ist, einer Platte einen Titel zu geben? So schwer, wie den Namen für ein Kind zu suchen. Man muss ja was finden, was die eigene Haltung widerspiegelt. Also ich mag den Titel. Wie sollte die Platte sonst heißen: "Vollweib" oder "Voll im Leben"? Da bekomme ich das kalte Grausen.

Sie haben mich nicht ausreden lassen. Ich wollte eigentlich sagen, dass ich erst mit dem Titel gefremdelt habe, ihn aber nachher ganz witzig fand, weil er selbstironisch ist.

schöneberger Für mich war wichtig, dass beim Betrachten des Covers klar ist, dass das selbstironisch gemeint ist. Die Leute sollen nicht denken, dass ich jetzt Schlagersängerin bin oder so. Eine gewisse Distanz ist schon wichtig, deshalb kann da kein normaler Titel draufstehen.

Sie nehmen wenig ernst, einschließlich sich selbst. Ist das Ihr Überlebenskonzept im Showbusiness?

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schöneberger Ja. Am Anfang war es das, um mich vor Enttäuschungen zu schützen. Das war so etwas wie ein unbewusster Schutzschild. Inzwischen ist es mein Markenzeichen geworden. Und es erfüllt viele Funktionen: Zum einen ist es immer noch ein Schutz, zum anderen schafft es Distanz zu sich selbst, zu der Fernsehperson Barbara Schöneberger. Es ermöglicht mir, dahinter zurückzutreten.

Wie weit reicht die Selbstironie ins Private hinein?

schöneberger Unendlich weit, muss sie ja auch. Es wird so oft über einen geurteilt, auf der Straße sprechen einen die Leute an: Sie sehen ja aus wie die aus dem Fernsehen, aber sie sind ja viel dünner – die im Fernsehen, die ist richtig dick. Das finde ich so herrlich und denke, wie schön, dass man sich von außen betrachten kann und Distanz dazu hat. Sonst dreht man ja durch.

Sie sind mittlerweile so etwas wie der Harald Schmidt der leichten Unterhaltung.

Schöneberger Das finde ich natürlich ein wahnsinnig tolles Kompliment. Harald Schmidt ist aber unübertroffen, auch wenn man nicht mehr häufig die Gelegenheit hat, sich davon zu überzeugen.

Zurück zur Platte. Sie singen fast nur über das Verhältnis von Mann und Frau. Reizen Sie nicht auch andere Themen?

schöneberger Nein, weil ich glaube, dass ich für die leichte Unterhaltung zuständig bin. Die Trauer über eine zerbrochene Beziehung oder das Kind, das leidet, weil den Eltern etwas passiert ist, das sind nicht meine Themen. Ich möchte nicht über ernste Gefühle singen. Mir geht es darum, eine lustige Platte zu machen, nicht echte Gefühle zu thematisieren.

Warum nicht?

schöneberger Weil ich meine echten Gefühle niemals mit der Öffentlichkeit teilen würde.

Für Sie wird ja gerne das Etikett Allzweckwaffe verwendet. Wie definieren Sie sich selbst?

schöneberger Ich werde oft mit Attributen aus dem Militärbereich benannt: Allzweckwaffe, Stimmungskanone, Atombusen, Showkracher, sie redet wie ein Maschinengewehr. Ich finde Allzweckwaffe nicht so verkehrt, denn es bedeutet, dass man etwas kann oder schnell etwas raushaut. Und wenn die Leute zu mir ins Konzert kommen, können sie ja auch erwarten, dass etwas passiert: ein Feuerwerk der guten Laune.

Würden Sie sich wieder eine eigene Show im Fernsehen wünschen?

Schöneberger: Ich bekomme wahnsinnig viel angeboten, sage aber meist Nein, weil es mich nicht so sehr in die erste Fernsehreihe drängt. Ich moderiere so viele Events außerhalb des Fernsehens, dass ich nicht unbedingt alles im TV machen muss. Das hat viele Vorteile, unter anderem, dass ich immer das gleiche Kleid anziehen kann.

Ist es als zweifache Mutter schwieriger geworden, alles zu organisieren?

Schöneberger Organisiert ist das alles gut. Die Maschinerie steht ja noch vom ersten Kind, da kann man das zweite dazustecken. Beim zweiten Kind ist die Frage, wer kümmert sich, wenn ich nicht da bin, viel leichter zu klären.

Zum Schluss: Es fällt auf, dass die Chemie zwischen Ihnen und Robbie Williams stimmt. Was ist da los?

schöneberger Da würde ich jetzt gerne behaupten: richtig viel. Aber um ehrlich zu sein, da ist gar nichts zwischen uns. Außer dass wir uns mittlerweile ein paar Mal getroffen haben und es sehr lustig war, und er sich mich für sein Konzert als Interviewpartnerin gewünscht hat. Er hat Humor, ist ein Profi. Aber schreiben Sie: Das mit Robbie Williams und mir, das ist noch nicht zu Ende.

J. ISRINGHAUS FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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