Ein neuer Dioxin-Skandal erschüttert Deutschland. Das Gift ist im Futtermittel an zahlreiche Geflügel- und Schweinezuchtbetreibe geliefert worden.
Weltweit bekannt wurde Dioxin, als im Juli 1976 bei einem Chemieunfall in Seveso - 20 Kilometer nördlich von Mailand - das hochgiftige TCDD-Dioxin freigesetzt.
Die Anzahl der Todesopfer ist unbekannt. Untersuchungen dokumentieren aber einen Anstieg von verschiedenen Krebsarten in der betroffenen Region. Insgesamt erkrankten 200 Menschen an schwerer Chlorakne.
Seither werden Verbraucher hellhörig, wenn vor dioxinbelasteten Lebensmitteln gewarnt wird.
Wir nennen die Dioxin-Skandale des vergangenen Jahrzehnts.
Februar 2003 Rund 230 Tonnen Backabfälle aus Thüringen weisen eine Dioxin-Belastung auf, die bis zu 18 Mal höher als der zulässige Grenzwert liegt. Das Unternehmen hatte bei der Trocknung entgegen den Vorschriften nasses Holz verfeuert und den Brennprozess mehrfach wieder in Gang gesetzt, als das Feuer wegen der Nässe erstickte.
Juli 2004 Im Pflanzenöl eines hessischen Futtermittelherstellers wird Dioxin gefunden. Drei von acht Einzelrohstoffen aus den Niederlanden und aus Spanien hatten Dioxin-Gehalte, die weit über dem zulässigen Grenzwert von 0,75 Nanogramm pro Kilogramm Öl lagen. Grund war angeblich eine fehlerhafte Trocknung der Rohstoffe.
November 2004 Auslöser eines Tierfutter-Skandals in Deutschland, Belgien und den Niederlanden ist ein dioxinhaltiges Tonmineral aus einer Tongrube in Rheinland-Pfalz. Es wurde in kartoffelverarbeitenden Betrieben als Trennmittel eingesetzt.
Dezember 2004 Der ukrainische Oppositionspolitiker Viktor Juschtschenko ist seinen österreichischen Ärzten zufolge mit Dioxin vergiftet worden. In Blut und Gewebe des Politikers wurden Dioxinwerte festgestellt, die rund das Tausendfache des Normalwerts betrugen. Drei Monate zuvor war bei dem Politiker eine mysteriöse Krankheit ausgebrochen, die sein Gesicht schwer entstellt hatte.
Januar 2005 Der seit dem Jahreswechsel geltende EU-weite Grenzwert für die Belastung von Hühnereiern mit Dioxin wurde bei Eiern aus Freilandhaltung in mehreren Bundesländern überschritten. Auch bei Käfighühnern wurden zu hohe Gehalte festgestellt.
Januar 2006 Nach Belgien und den Niederlanden wird auch in Deutschland Dioxin im Tierfutter entdeckt. Geschlossen werden Schweinezucht- und Mastanlagen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Außerdem werden Hühnerfarmen vorübergehend dicht gemacht.
August 2007 Ein auch nach Deutschland gelangtes Verdickungsmittel aus Indien ist mit dem verbotenen Pilzbekämpfungsmittel Pentachlorphenol (PCP) und Dioxinen belastet. Bei dem verunreinigten Stoff handelt es sich um pflanzliches Guarkernmehl, das unter anderem in Milchprodukten, Cremespeisen, Salatsaucen, Ketchup und Mayonnaise verwendet wird.
Dezember 2008 Das Verbraucherministerium fordert deutsche Lebensmittelhändler auf, Fleisch aus Irland wegen Belastung mit Dioxin vorsorglich vom Markt zu nehmen. Irland warnte vor dem Verzehr von Schweinefleisch aus eigener Produktion. Grund sind Dioxinwerte in Schweinefleisch und Schweinefuttermitteln, die die zulässige Sicherheitsgrenze um das 80- bis 200fache übersteigen.
Mai 2010 Wegen Dioxin-Verdachts sperrt das Landesamt für Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen knapp ein Dutzend Bio-Geflügelhöfe vorübergehend. Grund für die Futterverschmutzung war dioxinbelasteter Mais aus der Ukraine. Er wurde von einem Futtermittelhersteller am Niederrhein zu Mischfutter für Nutztiere verarbeitet und an landwirtschaftliche Betriebe in mehreren Bundesländern geliefert.
Januar 2011 Mischfutterhersteller in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hamburg belieferten Landwirtschaftsbetriebe mit Futtermittel mit dioxinbelasteten Fetten. Zunächst wurden 14 Legehennen-Betriebe in Nordrhein-Westfalen und 20 in Niedersachsen gesperrt.