Handgranate detonierte in Hamburg St. Pauli: Disco-Anschlag: Neun Verletzte
zuletzt aktualisiert: 29.04.2000 - 21:30Hamburg (dpa). Beim einem Handgranaten-Anschlag in einer Hamburger Discothek sind in der Nacht zum Samstag neun Menschen verletzt worden. Zwei von ihnen schwebten nach Angaben der Polizei in Lebensgefahr. Ursprünglich waren acht Verletzte gemeldet worden. Zu dem weiteren Verletzten konnte die Polizei keine Angaben machen.
Die Splittergranate jugoslawischer Bauart war nach den Worten von Polizeisprecher Hans-Jürgen Petersen in der Discothek "J's, Der Klub im Bunker"" im Hamburger Stadtteil St. Pauli kurz nach 03.00 Uhr detoniert. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich in dem Lokal rund 1 500 Menschen aufgehalten.
Unter den Gästen eines Hamburger Partybetreibers waren auch der Schauspieler Heiner Lauterbach und seine Freundin Jenny Elvers. Beide hätten etwa fünf Minuten vor der Detonation das Lokal verlassen, sagte der Herstellungsleiter der Produktion "Affäre Semmeling", Karl- Heinz Knippenberg, der dpa. Der ZDF-Sechsteiler, in dem auch Lauterbach mitspielt, wird zur Zeit in Norddeutschland produziert. Wie aus dem Umfeld der Veranstalter verlautete, waren auch der Musiker und Produzent Dieter Bohlen sowie die Schauspieler Til Schweiger ("Der bewegte Mann"), Heinz Hoenig ("Der große Bellheim") und Mark Keller ("Alarm für Cobra 11") auf der Party.
Durch die Detonation wurden eine 23-jährige Frau aus Neuendorf in Schleswig-Holstein sowie ein 21 Jahre alter Hamburger lebensgefährlich verletzt. Außerdem erlitten eine 18-jährige Frau aus Hamburg sowie vier Hamburger im Alter zwischen 19 und 32 Jahren und ein 22-Jähriger aus Appel in Niedersachsen zum Teil schwere Splitterverletzungen an Armen und Beinen sowie am Kopf.
Die Splittergranate sei in einem von der Tanzfläche abgetrennten so genannten VIP-Raum explodiert, in dem sich eine Sitzecke und ein Tisch befinden, sagte Polizeisprecher Petersen. Hier habe ein Sprengmeister des Hamburger Landeskriminalamtes Reste der Granate sicher gestellt. Die teilweise zerfetzten Polster der Sitzecke deuteten darauf hin, dass der Sprengkörper zwischen den Sitzen versteckt gewesen sei. Auf welche Weise die Handgranate gezündet wurde, sei noch unklar.
Die Discothek "J's" liegt im vierten Stock eines Hochbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Heiligengeistfeld. Insgesamt waren nach Angaben von Petersen 30 Streifenwagen mit 60 Beamten und zwei Sprengstoffsuchhunde im Einsatz. Über die Hintergründe der Tat und die Täter lagen bis zum Mittag keinerlei Erkenntnisse vor.
In den vergangenen Jahren wurden vereinzelt Anschläge auf Discotheken verübt, die aber überwiegend glimpflich verliefen. Besonders folgenschwer war ein Brandanschlag auf ein überfülltes Tanzlokal im schwedischen Göteborg im Oktober 1998. Bei dem Feuer, das von einem Jugendlichen gelegt worden sein soll, starben 63 Menschen - meist jugendliche Einwanderer, 213 wurden verletzt. Erst vor zwei Wochen wurden bei einem Anschlag auf eine Discothek in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon sechs junge Afrikaner und eine spanische Touristin getötet. 34 Menschen wurden verletzt, nachdem dort die Täter Reizgas auf der Tanzfläche versprüht und eine Panik ausgelöst hatten. Als Motiv vermutet die Polizei eine Abrechnung unter kriminellen Banden.
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