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Paramilitärs unter Verdacht: Dreist 31,5 Millionen Euro bei Raub erbeutet

zuletzt aktualisiert: 22.12.2004 - 19:57

Belfast/Sydney (rpo). 31,5 Millionen Euro erbeuteten am Mittwoch Bankräuber bei einem ungewöhnlichen Bankraub in Nordirland. Die Vorgehensweise der Täter lässt die irische Polizei vermuten, dass es sich bei den Gangstern um Paramilitärs handelt. Dies bestätigte der frühere Leiter einer Anti-Terror-Einheit Bill Lowry.

In Belfast schlugen die Täter am Mittwoch zu.  Foto: RPO
In Belfast schlugen die Täter am Mittwoch zu. Foto: RPO

Zuvor hatte die Muttergesellschaft der Belfaster Northern Bank, die National Australia Bank, die Beutesumme mit 20 Millionen Pfund (rund 29 Millionen Euro) angegeben. Die ursprünglich genannte Beutesumme von 30 Millionen Pfund sei zu hoch angesetzt gewesen. Die Bank sei gegen den Diebstahl versichert und werde diesen deshalb verkraften können, teilte die National Australia Bank weiter mit. Der in der vergangenen Woche vereinbarte Verkauf der Northern Bank an die dänische Gruppe Danske werde durch den Raub nicht beeinflusst.

Zurzeit würden im Zuge der Fahndung stundenlange Aufnahmen von Überwachungskameras untersucht, sagte der nordirische Polizeibeamte. Außerdem werde nach einem "sehr auffälligen" weißen Transporter gesucht. Der Raubüberfall sei eine geplante Operation von Profis gewesen, die offensichtlich ihre Hausaufgaben gemacht hätten, sagte er weiter. Er wollte nicht ausschließen, dass paramilitärische Gruppen hinter der Tat stecken.

Täter gaben sich als Polizisten aus

Nach Aussage von Nachbarn gaben sich die Täter als Polizisten aus und teilten dem Bankangestellten mit, dass ein Verwandter in einen Autounfall verwickelt sei. Im Haus hätten sie dann ihre Waffen gezogen.

Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, besetzten die Täter die Wohnhäuser von zwei leitenden Angestellten der Belfaster Northern Bank und nahmen die Familienangehörigen als Geiseln. Dann zwangen sie die Manager, ihnen nach Geschäftsschluss am Montag den zentralen Tresor aufzuschließen.

Mindestens vier Geiselnehmer hätten jeweils eine Gruppe der Geiseln bewacht, sagte Kommissar Andy Sproule. Die Gangster hätten sehr darauf geachtet, keine Spuren zu hinterlassen, die Aktion sei sorgfältig geplant und das Werk von Profis, ergänzte Sproule. Dutzende Polizisten befragten am Mittwoch die Familien und Mitarbeiter der Northern Bank, die um 22 Millionen Pfund (31,5 Millionen Euro) erleichtert wurde. Zuvor war nur von 20 Millionen Pfund die Rede gewesen.

Nach dem Kassenschluss am Montagabend wurde dann mit der erzwungenen Hilfe der Angestellten der Tresorraum ausgeräumt, der wegen der Bargeldanlieferungen aus dem Weihnachtsgeschäft ungewöhnlich gut gefüllt war. Laut Presseberichten nutzten die Täter für den Abtransport des Geldes einen Müllwagen. Behördenangaben zufolge wurde niemand verletzt.

Gut organisierter Raub

Ex-Terrorfahnder Lowry hatte zuvor gesagt, als Täter kämen die professionell agierenden paramilitärischen Gruppen in Frage. Der Raub sei eine "gut organisierte, mit militärischer Präzision ausgeführte Operation" gewesen, an der vermutlich mindestens 20 Täter teilgenommen hätten. Lowry nannte namentlich die Gruppe "Provisional Irish Republican Army" (PIRA), die größte katholische paramilitärische Gruppe in Nordirland.

Die Geldwäsche der enormen Summe dürfte für die Bankräuber zum Problem werden: In Nordirland produzieren einige Banken das Geld selbst, im aktuellen Fall waren es vier Kreditinstitute. Obwohl die Banknoten britische Pfund sind, sind sie als nordirisch zu erkennen, das Geld wird daher in vielen Teilen Großbritanniens oder im Ausland nicht akzeptiert. Somit muss es in Nordirland selbst wieder in Umlauf gebracht werden.

Quelle: afp

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