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Düsseldorf
Ein Freund, ein guter Freund

Düsseldorf. Männer gehen gemeinsam angeln, Frauen reden über Gefühle. Alles nur Klischees? Aber was zeichnet eine Männerfreundschaft aus? Eine Spurensuche zum internationalen Tag der Freundschaft am Sonntag. Von Jörg Isringhaus

"Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt", sang schon Heinz Rühmann 1930 im Film "Die Drei von der Tankstelle". Ohne mindestens einen besten Kumpel, so die Botschaft, lohnt es sich nicht, durchs Leben zu gehen. Liebe vergeht, wahre Freundschaft unter Männern nie. Blödsinn, natürlich. Gerade heute, in Zeiten hunderter flüchtiger Facebook-Kontakte. Oder etwa nicht? Wie sehen Männer-Kameradschaften heutzutage aus? Und unterscheiden sie sich von Frauen-Freundschaften?

Die Kunst hat das Ideal männlicher Kumpanei stets mit Vorbildern gefüttert. Berühmtestes Beispiel sind wohl Winnetou und Old Shatterhand, die ihre Verbundenheit bekräftigen, indem sie sich zu Blutsbrüdern erklären. "Was Old Shatterhand denkt, das sei auch Winnetous Gedanke, und was Winnetou will, das sei auch der Wille Old Shatterhands", überhöhte Karl May pathetisch diese überirdische Männerfreundschaft. Alexandre Dumas hatte dafür in "Die drei Musketiere" noch einfachere, aber auch griffigere Worte gefunden: "Einer für alle und alle für einen." So weit die (literarische) Theorie. Und die Praxis?

"Beziehungen unter Männern sind oft ein in Freundschaft verwandelter Wettbewerb", sagt die Düsseldorfer Psychologin Susanne Altweger. "Das Miteinander funktioniert meist sehr gut, wenn sie sich über Sachthemen kundig austauschen können." Reden über Gefühle: eher Fehlanzeige. Männer treiben oder schauen gemeinsam Sport, fahren Motorrad, renovieren die Garage. Frauen treffen sich, um zu reden, sich auch über Intimes auszutauschen. Nur Klischee? Von wegen. Die Wissenschaft spricht bei Frauen von "face-to-face"-Freundschaften, Männer agieren im Freundeskreis eher "side by side". Dazu passt eine Umfrage des Magazins "Men's Health", nach der 54 Prozent einer Männerfreundschaft gemeinsame Aktivitäten ausmachen, gefolgt von Gesprächen über Beruf und Politik (24 Prozent).

Aber natürlich deckt dies nicht alle Freundschafts-Facetten ab. "Auch Männer haben mittlerweile gelernt, Gefühle zuzulassen und sich emotional zu öffnen", sagt Altweger. Gerade wenn es um ihre Kinder gehe, sei ihnen der Austausch mit anderen Vätern wichtig. "Da sind wir gesellschaftlich auf einem guten Weg", sagt die Psychologin. Es gebe heute eine größere Achtsamkeit, mehr Sensibilität für die eigene Verfassung. Und der Austausch mit Freunden, das verstehen immer mehr Männer, ist eben wichtig für die seelische Hygiene.

Apropos Pflege: Männer neigen in Sachen Aufrechterhalten von Freundschaften zu einer gewissen Laissez-faire-Haltung. Meist verliert sich der beste Freund aus Schultagen, wenn sich die beruflichen Wege trennen, und es werden von beiden Seiten keine großen Anstrengungen unternommen, diesen zurückzugewinnen. Aber auch später steht die Kontaktpflege bei Männern nicht an erster Stelle auf ihrer Agenda - anders als bei Frauen. "Männer müssen meistens von ihrem Partner angestoßen werden", sagt Altweger auch aus eigener Erfahrung. "Wenn ich dann sage, melde dich doch mal wieder bei dem und dem, heißt es: Ist schon wieder ein Jahr rum?"

Aber selbst, wenn Männer sich selten sehen, bleiben sie doch oft lebenslang befreundet. Während Frauen laut Altweger leichter Kontakte schließen und mehr "beste" Freundinnen haben, eine für den gemeinsamen Kinobesuch, eine, um sich den Liebesfrust von der Seele zu reden, und eine fürs Shoppen, beschränken sich Männer eher auf einige wenige Freundschaften. Altweger: "Aber die halten ewig."

Ehrlichkeit, Vertrauen und Verschwiegenheit wünschen sich Männer am meisten von ihren Freunden. Auch, weil sich die alltäglichen Widrigkeiten mit einem Freund leichter meistern lassen. Tatsächlich haben Psychologen erwiesen, dass der Stresslevel von Probanden in heiklen Situationen sinkt, wenn ein Freund dabei ist. Dann wird vom Gehirn ein Botenstoff ausgeschüttet, Oxytocin, ein sogenanntes Kuschelhormon. Mit einem Freund an der Seite, wer weiß das nicht, fühlt man sich besser. Wie heißt es in Rühmanns Lied noch: "Ein Freund bleibt immer Freund, auch wenn die ganze Welt zusammenfällt; ein Freund, ein guter Freund, das ist der größte Schatz, den's gibt."

Quelle: RP
 
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