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Cirque du Soleil
Ein Hauch von Shakespeare

Düsseldorf. Frauenpower im Cirque du Soleil: In der neuen Produktion "Amaluna" sind 70 Prozent der Artisten weiblich. Ab Ende November gastiert die Show erstmals in Düsseldorf. Von Leslie Brook

Man sitzt da und denkt, was für ein Wunder es doch ist, dass die Bühne nicht einfach zusammenbricht. Knapp drei Tonnen wiegt allein die mit 1900 Litern Wasser gefüllte Schale in der Mitte - sie ist nach Angaben des Cirque du Soleil das größte mobile Wasserbecken der Welt und kommt erstmals bei einer Show zum Einsatz. Wie ein riesiger hellblauer Kristall schimmert die Kugel. Aber das Bemerkenswerteste ist, was mit diesem Wassertank angestellt wird. Leichtfüßig turnt Miranda darauf, dann führt sie einen Handbalanceakt vor, springt kopfüber hinein, taucht unter und schlängelt sich durch das Wasser. Das Becken hat einen Durchmesser von 2,21 Meter - jeder andere würde sich bei einem solchen Sprung mindestens den Kopf anstoßen.

Rund um diesen Tank entspinnt sich das magische Geschehen auf der Bühne. Bei Miranda - der ein oder andere Kenner der englischen Literatur wird es bestätigen - denkt man sofort an Shakespeare. Und tatsächlich bedient sich die neue Show "Amaluna" des Cirque du Soleil an Motiven aus "Der Sturm" und vermischt diese mit Elementen aus Mozarts "Die Zauberflöte". Aber in dieser Inszenierung geht es sehr viel weiblicher zu: Aus Prospero, Mirandas Vater, wird Prospera, die Königin einer geheimnisvollen Insel. Nach einem von ihr heraufbeschworenen Sturm strandet eine Gruppe junger Männer auf der Insel. Einer von ihnen, Romeo, beginnt, sich für Miranda zu interessieren. Als er sieht, wie das Mädchen in der Wasserschale spielt und seine Körperlichkeit und Weiblichkeit entdeckt, ist es um ihn geschehen.

So ähnlich geht es auch den Zuschauern der Show, was die artistischen Einlagen angeht. Die Anstrengungen, die von den Darstellern unternommen werden, sollen möglichst leicht aussehen, "wie ein Spaziergang im Park", sagt die künstlerische Direktorin Rachel Lancaster aus England, die für das Team von 48 Artisten zuständig ist. 70 Prozent der Darsteller sind in dieser Show weiblich; die Band, die sich ebenfalls auf dem Wassertank mit ihren Instrumenten austobt, besteht sogar komplett aus Frauen. Geprobt wird jeden Tag, teils sogar noch kurz vor den Aufführungen. Extrem beeindruckend sind die Artisten auf dem Schleuderbrett, Romeo an der Chinesischen Schlange und die Feuer-Jonglage von Cali, der halb Eidechse, halb Mensch ist.

Selten war eine Show des Cirque du Soleil so theatralisch - inszeniert wurde das Stück von der New Yorker Theaterdirektorin Diane Paulus. Geschichte und Musik stehen dieses Mal stärker im Mittelpunkt als bei vergangenen Shows, doch gelingt es, die Produktion nicht zum Musical verkommen zu lassen.

Die Welt-Premiere von "Amaluna" fand im April 2012 in Montreal statt, seitdem tourte die Show durch Kanada und die USA. Es dauert meist rund vier Jahre, bis ein neues Programm Europa beziehungsweise Deutschland erreicht.

Jeder Artist besitzt zwei Kostüme, die alle per Schiff aus Kanada kommen. Sie müssen verschiedenen Anforderungen standhalten. Zum Beispiel war es bei Mirandas artistischer Schwimmeinlage im weißen Bikini ungemein wichtig, dass der Stoff blickdicht ist, berichtet der australische Kostümchef Larry Edwards. Der "Spagat zwischen Physischem und Ästhetischem" müsse gelingen. Die Kostüme würden extrem beansprucht, trotz guter Pflege, - alles, was mit der Haut in Berührung kommt, wird jeden Abend gewaschen - "halten sie im Schnitt nur eine Stadt lang", sagt Edwards.

Quelle: RP
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