| 09.18 Uhr

Neuss
Ein Krefelder ist der raffinierteste Koch

Neuss. Es war eine gewagte Kombination, mit der Karl-Heinz Bovenschen ins Rennen ging. Aber der 70-jährige Krefelder setzte sich im Finale mit einem Zander-Blutwurst-Strudel beim Hobbykoch-Wettbewerb unserer Zeitung durch.

Mit dem Kochen begann Karl-Heinz Bovenschen in seiner Bundeswehrzeit. "Wenn ich freitags nach Hause kam, fragte meine Mutter, ob ich Hunger hätte", erzählte der Krefelder. Er hatte natürlich immer Hunger, aber seine Mutter antwortete einfach: "Du weißt ja, wo alles steht." Also musste der junge Mann selbst an den Herd. "Ich wurde ein Weltmeister in Bratkartoffeln", sagte der 70-Jährige, der sich anschließend stetig kulinarisch weiterbildete und sich sich seit dem Wochenende "Raffiniertester Koch im Rheinland" nennen darf.

Im Finale setzte er sich in der Showküche bei Möbel Höffner in Neuss gegen zwei Kontrahentinnen durch. Sein Erfolgsrezept: Zander-Blutwurst-Strudel mit "Himmel un Ääd". "Die Kombination Zander mit Blutwurst wirkt auf den ersten Blick gewagt, aber bislang war jeder, der es gegessen hat, auch begeistert", sagte Bovenschen. Beide Zutaten wickelte er in Filoteig, den Apfelkompott aromatisierte er mit Tonkabohne, und das Kartoffelpüree ergänzte er noch mit einem Meerrettich-Milchschaum. Dafür ließ er den Meerrettich in Milch aufkochen und ziehen, goss sie mehrmals durch ein Sieb und gab sie dann in einen Aufschäumer. Das Ergebnis: luftig, leicht scharf und lecker.

Unsere Zeitung hatte zu dem Wettbewerb aufgerufen. Die Finalisten kochten in einem Halbfinale rheinische Klassiker. Im Finale durften sie die Rezepte kochen, mit denen sie sich beworben hatten. Die Zutaten wurden vom Metro Großmarkt Düsseldorf zur Verfügung gestellt. Und zumindest Ulrike Torscheits Finalrezept stellte Geschäftsleiter Michael Widmer vor eine Aufgabe. Denn die Neusserin wandelte Kohlrouladen ab, füllte sie mit Feta und Chili und servierte sie mit Süßkartoffelpüree. Der Clou: Sie verwendete die Blätter von Kohlrabi für ihre Wickel, und so suchten Widmers Mitarbeiter nicht die schönsten Kohlrabi aus, sondern die Kohlrabi mit den schönsten Blättern.

Claudia Boudnik aus Neuss ging mit einem "Düsselburger" ins Finale: Die Kombination aus gebackener Blutwurst, knusprigen Kartoffelstäbchen, Zuckerrübensirup, Speck und Zwiebeln hatte sie sich selbst ausgedacht. "Ich experimentiere viel und werde das auch auf jeden Fall weiter machen", sagte die 52-Jährige. Ulrike Torscheit nimmt nun sogar andere Wettbewerbe in den Blick. "Es war eine schöne Sache, bei der ich über mich gelernt habe, wie gelassen ich bleiben kann."

Sternekoch und Chefjuror Daniel Dal-Ben ("Tafelspitz 1876" in Düsseldorf) war angetan davon, wie kreativ und mit wie viel Herzblut die Finalisten an die Sache herangegangen waren. "Die Idee mit dieser Meerrettich-Milch im Aufschäumer war zum Beispiel richtig clever", lobte er. Das Siegergericht sei am meisten in der Region verankert und im Ganzen stimmiger gewesen. Karl-Heinz Bovenschen hat schon an der ZDF-"Küchenschlacht" teilgenommen, in der zweiten Runde war jedoch damals Endstation. "Für dieses Finale hier habe ich schon noch ein wenig an der Präsentation gearbeitet", gab er zu. Seit mehr als 20 Jahren macht er zudem in einem Männer-Kochclub mit, dessen Mitglieder sich in aller Bescheidenheit "Die Meisterköche" nennen. Bovenschen hat gezeigt, dass zumindest er nicht übertrieben hat.

Quelle: RP
 
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