Flugtickets schon gebucht: Elian kann nach Kuba zurückkehren
zuletzt aktualisiert: 28.06.2000 - 21:34Washington (dpa). Der siebenmonatige amerikanisch-kubanische Sorgerechtsstreit um den Flüchtlingsjungen Elian Gonzalez ist beendet. Das Oberste Gericht der USA lehnte es am Mittwoch ab, sich mit dem Fall zu befassen und gab damit den Weg frei für die sofortige Heimkehr des Jungen nach Kuba. Im US-Fernsehen waren bereits Bilder zu sehen, auf denen die Familie Gonzalez die Fahrt zum Flughafen antrat. Präsident Bill Clinton begrüßte die Entscheidung.
Die exil-kubanische Gemeinde im Bundesstaat Florida reagierte auf die Entscheidung des Obersten Gerichts geschockt. Ein Sprecher des Justizministeriums begrüßte dagegen die Haltung der Richter.
Elian und sein Vater Juan Miguel Gonzalez durften damit am Mittwoch von 22.00 Uhr MESZ an ausreisen. Von diesem Zeitpunkt an sind alle Reisebeschränkungen aufgehoben, die von den in Miami in Florida lebenden Verwandten angestrengt worden waren. Nach Medienberichten wollte der Vater direkt nach Ablauf der Frist abreisen. Eine Chartermaschine stand demnach auf dem Internationalen Flughafen von Washington bereit. In Kuba ging man von einer Ankunft um 02.00 Uhr MESZ (Donnerstag) aus.
In Miami, wo Elian mehrere Monate bei seinem Großonkel Lazaro Gonzalez gelebt hatten, versammelten sich nach der Entscheidung Dutzende Exil-Kubaner. Sie warfen der Regierung von Präsident Bill Clinton vor, Elian an den kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro auszuliefern.
Die in Miami lebenden Angehörigen des Jungen hatten mit ihrem Gang vor das höchste Gericht ein letztes Mal versucht, die Rückkehr Elians nach Kuba zu verhindern. Die Verwandten waren in den vergangenen Wochen vor jedem Gericht unterlegen. Zuletzt hatte ein Berufungsgericht in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia am Freitag alle Reisebeschränkungen für Elian und seinen Vater Juan Miguel von Wirkung von Mittwoch Nachmittag (Ortszeit) aufgehoben und ein Asylverfahren verweigert.
Elians Mutter war Ende November vergangenen Jahres auf der Flucht mit dem Kind ertrunken. Elian konnte gerettet werden und lebte zunächst bei dem Großonkel in Miami. Am 22. April wurde er auf Anweisung des Justizministeriums gewaltsam aus dem Haus der Angehörigen geholt und zu seinem Vater gebracht, der inzwischen in die USA gekommen war.
In dem monatelangen Streit hatten Präsident Clinton und Justizministerin Janet Reno stets darauf hingewiesen, dass Elian bei seinem kubanischen Vater leben müsse. Die Verwandten in Miami hätten kein Recht, Elian gegen den Willen seines Vaters in Miami zu behalten.
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