Juan Miguel Gonzalez will trotzdem nach Kuba zurückkehren: Elian: Verwandte bieten Vater zwei Millionen Dollar
zuletzt aktualisiert: 14.04.2000 - 20:39Washington (dpa). Die US-Verwandten des kubanischen Flüchtlingsjungen Elian Gonzalez haben seinem Vater angeblich ein Millionenangebot unterbreitet, damit er mit seinem Sohn nicht nach Kuba zurückkehrt. Das erklärte der ehemalige demokratische Senator Dennis DeConcini nach einem Treffen mit Juan Miguel Gonzalez. Der Vater habe ihm versichert, Elians in Miami lebender Großonkel habe ihm das Angebot unterbreitet.
Neben zwei Millionen Dollar erhalte er ein Haus, ein Auto und einen Job. Auf die Frage, warum er das Angebot nicht angenommen habe, erklärte der Vater: "Ich habe nur einen Wunsch, und das ist mein Sohn. Mein Sohn ist nicht zu bezahlen." Außerdem habe er keinen Grund, Kuba zu verlassen. Er liebe das Land, habe dort seine Familie und seine Arbeit.
Elians Schicksal war unterdessen ungewiss. Die Verwandten hatten kurz nach dem Ablauf eines Ultimatums des Justizministeriums am Donnerstag vor einem Berufungsgericht in Miami (Florida) eine einstweilige Verfügung gegen die geplante Übergabe Elians an seinen Vater erwirkt. Das US-Justizministerium will dagegen bis zum Freitag 15.30 Uhr MESZ Einspruch erheben.
Der US-Anwalt des Vaters forderte die Regierung in einer sofortigen Reaktion zum Handeln auf. "Elian Gonzalez wird in Miami unrechtmäßig gegen den Willen seines Vaters festgehalten", sagte Anwalt Gregory Craig. Elians Großonkel Lazaro Gonzalez habe das Gesetz gebrochen. Sowohl Gerichte des Bundes als auch des Staates Florida hätten gegen die Verwandten entschieden, sagte er. Eine Familienrichterin in Florida hatte sich am Donnerstag für unzuständig erklärt. Das war ein Rückschlag für die US-Verwandten in dem immer unübersichtlicher werdenden juristischen Kleinkrieg.
Wenige Stunden vor dem undramatischen Verstreichen des Ultimatums hatte US-Präsident Bill Clinton betont, dass es bei dem Sorgerechtsstreit um "Recht und Gesetz" gehe. "Wir haben ein Rechtssystem, und wir folgen ihm."
Unterdessen bot der Vatikan seine Vermittlung an. "Auf Anfrage der beiden betroffenen Parteien hat der Heilige Stuhl seine Nuntiatur in Washington für die Übergabe des Kindes an seinen Vater zur Verfügung gestellt", sagte Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls am Donnerstag in Rom.
Sängerin Gloria Estefan vermittelt
US-Justizministerin Janet Reno hatte den Verwandten eine Frist bis 20.00 Uhr MESZ gesetzt, um den Jungen zu übergeben. Anderenfalls wollte sie die Anordnung durchsetzen lassen, drohte Reno. Allerdings schränkte sie später ein, sie werde den Jungen nicht mit Gewalt aus dem Haus des Großonkels holen lassen, vor dem seit Tagen hunderte Exil-Kubaner für einen Verbleib Elians in den USA demonstrieren. Am Tag des Ultimatums schwoll die Menge der Demonstranten an.
Als die Frist ablief, appellierte die Sängerin Gloria Estefan vor der Presse an den Vater Elians, zu seinem Sohn nach Miami zu kommen. Er habe nichts zu befürchten, versicherte sie. Juan Miguel Gonzalez hatte mehrfach betont, dass er in Florida um seine Sicherheit fürchte. Estefan warf den Behörden vor, Elian dem Vater "auf dem Silberteller" zurückgeben zu wollen. "Wir wollen wissen, warum. Wir wollen Klarheit."
"Papa, ich will nicht nach Kuba"
In einem weiteren Versuch, die Regierung zu einem Sinneswandel zu bewegen, hatten die Verwandten ein Video mit einem Appell des Sechsjährigen veröffentlicht. In den vom spanischsprachigen Fernsehsender Univision ausgestrahlten Aufnahmen ruft Elian in die Kamera: "Papa, ich will nicht nach Kuba... Ich möchte hier bleiben!" Elian sitzt bei der Amateuraufnahme auf einem Bett. Unklar blieb, welche Verwandten im Hintergrund standen. Psychologen erklärten im Fernsehsender CNN, der Junge sei bei der Aufnahme sicher angeleitet worden, das zu sagen.
Elians Mutter war Ende November auf der Flucht aus Kuba ertrunken, ihr Sohn wurde gerettet; er wird seither von den Verwandten in Florida betreut. Elians Vater war kürzlich aus Kuba in die USA gereist, um seinen Sohn abzuholen. Juan Miguel Gonzalez hält sich mit seiner zweiten Frau und ihrem gemeinsamen sechs Monate alten Sohn in Washington auf.
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