Mädchen entging offenbar nur knapp sexuellem Missbrauch: Entführte Sophia wieder aufgetaucht
zuletzt aktualisiert: 08.01.2001 - 16:14Berlin (dpa). Die am Montag wieder aufgetauchte neunjährige Sophia Wendt aus Berlin ist als Entführungsopfer offenbar nur knapp einem sexuellen Missbrauch entkommen. Ein Unbekannter hielt das Mädchen vier Tage in einer Wohnung gefangen, sagte Berlins Polizeipräsident Hagen Saberschinsky am Montag und stützte sich dabei auf erste Aussagen des Kindes. Als Hintergrund für die Entführung vermutet die Polizei sexuelle Motive. Der Täter war flüchtig.
Nach ersten Ermittlungen wandte der Täter keine direkte körperliche Gewalt gegen das Mädchen an. Der Mann habe die Neunjährige am Montagmorgen mit einem Wagen nahe einer Polizeiwache im Stadtteil Marzahn abgesetzt, sagte Saberschinsky. Den Beamten sagte die Kleine sinngemäß: "Ich bin die, nach der sie suchen." Sophia war am Donnerstag auf dem Heimweg vom Schulhort spurlos verschwunden.
Nach Aussage von Saberschinsky berichtete Sonja, dass sie von einem Mann mit einem Messer bedroht und in ein Auto gezerrt worden sei. Nach einer "kurzen" Fahrt seien sie in ein Gebiet mit Plattenbau-Wohnungen gekommen, wo der Unbekannte das Mädchen in einer Wohnung festgehalten haben soll. Nach den ersten Erkenntnissen der Polizei wurde Sophia weder gefesselt noch geschlagen. Im Fernsehen sah sie offenbar auch ihre verzweifelten Eltern.
Der Polizeipräsident forderte den Täter auf, sich der Polizei zu stellen. Vermutlich habe der Mann das Kind laufen lassen, weil der Fahndungsdruck immer größer wurde.
Weiterhin ungelöst bleibt das Schicksal der zwölfjährigen Sandra Wißmann: Am 28. November verließ sie das Haus ihrer Eltern im Berliner Stadtteil Kreuzberg, um kurz einkaufen zu gehen. Seitdem fehlt von ihr jede Spur. Die Polizei geht auch hier von einem Verbrechen aus. Wie Saberschinsky sagte, achten die Ermittler weiterhin auf mögliche Gemeinsamkeiten der beiden Fälle.
Sophia mache einen "relativ stabilen und gefestigten" Eindruck, sagte Saberschinsky. Sie habe keine offensichtlichen Verletzungen. Der Polizeipräsident betonte, dass er derzeit keinen Grund sehe, an den Aussagen des Mädchens zu zweifeln. Eine intensivere Befragung sowie eine körperliche Untersuchung sollen folgen.
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