Geisterfahrt dauerte 750 Meter: Entgleister Zugwaggon raste in die Tiefe
zuletzt aktualisiert: 29.05.2000 - 15:03Grindelwald (AP). Glimpflich ist die Geisterfahrt eines leeren Personenwagens der Berner Oberland-Bahnen (BOB) in der Nacht zum Montag in Grindelwald ausgegangen. Der 14 Tonnen schwere Wagen entgleiste nach rund 750 Metern rasanter Talfahrt; verletzt wurde niemand, wie Polizei und Bahn mitteilten.
Der Zwischenfall ereignete sich gegen 00.15 Uhr. Aus unbekannten Gründen geriet der bei einem Güterschuppen im Bahnhof Grindelwald stehende Personenwagen in Bewegung, überfuhr eine Weiche und rollte mit stetig steigender Geschwindigkeit über eine 75 Promille steile Rampe talwärts. Das 14 Tonnen schwere Gefährt, das 60 Personen Platz bietet, kippte nach rund 750 Metern Fahrt mit hoher Geschwindigkeit in einer Linkskurve nach rechts, berührte einen Fahrleitungsmasten und kam schließlich bei einem zweiten Masten zum Stillstand.
Nach Auskunft von BOB-Sprecher Peter Wenger ereignete sich der Unfall rund zehn Minuten nach der Ankunft des letzten Personenzugs in Grindelwald. Ein derartiger Zwischenfall sei in der 100-jährigen Geschichte der BOB noch nie passiert, sagte Wenger und fügte hinzu: "Irgend einen Einfluss von außen muss es gegeben haben". Die Kantonspolizei Bern leitete eine Untersuchung ein.
Der Sachschaden wurde von den BOB auf rund 150.000 Franken (188.000 Mark/96.000 Euro) beziffert. Die Strecke Zweilütschinen - Grindelwald blieb vorläufig gesperrt. Für die Bergung des entgleisten Wagens musste schweres Gerät an die Unglücksstelle gebracht werden.
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