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Ausmaß der Katastrophe wird sichtbar: Entspannung in den Flutgebieten

zuletzt aktualisiert: 28.08.2002 - 17:02

Dresden (rpo). In den Hochwassergebieten stehen die Zeichen weiter auf Enspannung. Trotzdem dürfen 24.000 Menschen in Sachsen-Anhalt noch immer nicht in ihre Wohnungen zurückkehren. Krisengebiet ist und bleibt der Raum Bitterfeld.

Die Pegel sanken am Mittwoch weiter; dafür litten die Bewohner in einigen Gegenden unter einer Mückenplage als Folge der Feuchtigkeit. Überall wird das öffentliche Leben nach und nach wieder aufgenommen: die meisten Schulen öffneten, Busse und Bahnen fahren - soweit möglich - wieder. Jetzt soll die Auswirkung der Flut auf die Nordsee untersucht werden.

"Die Bundeswehrkräfte und die auswärtigen Feuerwehrbereitschaften sind gestern komplett abgezogen", sagte die Sprecherin des Landkreises Lüchow-Dannenberg, Petra Steckelberg. Das Krankenhaus und die Heime, deren Patienten evakuiert worden seien, hätten den Betrieb wieder aufgenommen. Nach der Flut kämpften die Bürger aber jetzt mit einer sehr extremen Mückenplage. Ohne Fliegenklatsche und Fliegennetzen vor den Fenstern komme man nicht aus; für die Einsatzkräfte vor Ort benötige man pro Schicht und Mann eine Flasche Mückenschutzmittel.

Der Pegel der Elbe bei Hitzacker sank nach Angaben der Sprecherin von 6,95 Meter am Dienstagmorgen auf 6,36 Meter am Mittwochmorgen. Im mecklenburgischen Abschnitt des Flusses fielen die Pegel auf Werte um fünfeinhalb Meter, wie der Krisenstab des Landkreises Ludwigslust mitteilte. An fast allen Schulen des Kreises wurde wieder normal unterrichtet. Auch öffentliche Verkehrsmittel fahren weitgehend ohne Einschränkungen. Die Geschäfte im Hochwassergebiet haben wieder geöffnet; sie müssen sich derzeit nicht an die gesetzlichen Ladenöffnungszeiten halten, um die Bevölkerung versorgen und eigene Umsatzverluste möglichst ausgleichen zu können.

Noch Katastrophenalarm in Teilen Sachsen-Anhalts

Katastrophenalarm bestand am Mittwoch noch in den südlichen Landkreisen Anhalt-Zerbst, Bitterfeld und der Stadt Dessau sowie im nördlichen Landkreis Stendal. Im Kreis Wittenberg stand die Aufhebung der Höchstwarnstufe 4 bevor, wie ein Sprecher des Krisenstabs mitteilte. Am Vortag war es endlich gelungen, den gebrochenen Deich bei Seegrehna zu schließen. Durch das Loch war fast zwei Wochen lang Wasser aus der Elbe in den Wörlitzer Winkel geflossen und hatte das zum UNESCO-Welterbe zählende Dessau-Wörlitzer Gartenreich und eine Brücke der Bundesautobahn 9 bedroht.

Allein in Brandenburg verursachte die Flut nach ersten Schätzungen Schäden in Höhe von mindestens 240 Millionen Euro, wie Landesinnenminister Jörg Schönbohm erklärte. Allein für die Erneuerung der Deiche müssten rund 140 Millionen Euro aufgebracht werden. Schäden an Straßen schlügen mit rund 30 Millionen Euro zu Buche. In der Prignitz räumen nach Angaben der Kreisverwaltung unterdessen Soldaten der Bundeswehr und Freiwillige die aufgeschichteten Sandsäcke wieder beiseite. Trotz der sinkenden Pegel würden die Elbedeiche weiter auf Sickerstellen kontrolliert.

Der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel prangerte menschliches Versagen und Raubbau an der Natur als eigentliche Ursache des Hochwassers an. "Wir haben versagt, weil wir Flussläufe begradigt und als Rennbahnen für abfliessendes Wasser gestaltet haben", sagte der SPD-Politiker in einer Regierungserklärung.

Quelle: RPO Archiv

 
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