Polizei schließt zweiten Täter weitgehend aus: Erfurt: Bundesaußenminister Fischer legt Blumen nieder
zuletzt aktualisiert: 28.04.2002 - 14:21Erfurt (rpo). Nach dem Amoklauf mit 17 Toten steht Erfurt weiter unter Schock. Die Bundesregierung ist aber offenbar entschlossen, die Stadt in der traurigsten Stunde ihrer jüngeren Geschichte nicht allein zu lassen. Nachdem bereits Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den Trauergottesdienst besucht hatte, legte auch Bundesaußenminister Fischer (Grüne) am Tatort Blumen nieder.
Am Samstagabend hatten sich fast 5000 Menschen zu einem bewegenden Trauergottesdienst im Erfurter Dom versammelt. Unter ihnen waren auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und seine Frau Doris, die zuvor das Gutenberg-Gymnasium besucht und sich in eines der Kondolenzbücher der Stadt eingetragen hatten. Schröder und seine Ehefrau wirkten sichtlich ergriffen.
Tausende von Erfurtern waren noch bis spät in die Nacht zum Sonntag zu der Schule geströmt, um vor dem Eingang Blumen niederzulegen und Kerzen zu entzünden. Stellenweise türmten sich auf dem Vorplatz des Schulportals Blüten und Zweige meterhoch. In der Schule hatte ein 19-Jähriger am Freitag in einer in Deutschland beispiellosen Bluttat 13 Lehrer, zwei Schüler und einen Polizisten erschossen und sich dann selbst das Leben genommen. Auch vor dem Rathaus der Stadt und vor dem Dom legten die Menschen in ihrer Trauer bis in die Nacht Blumen nieder.
Mutiger Lehrer beendete Amoklauf
Der Kunst- und Geschichtslehrer Rainer Heise hat in dem Gymnasium ein möglicherweise noch größeres Blutbad verhindert. Im "ARD- Brennpunkt" schilderte der 60-Jährige am Samstagabend, wie es ihm gelang, den Amokläufer am Freitag im Zeichensaal der Schule einzusperren. Dort erschoss sich der 19-Jährige später. Ein Polizeisprecher bestätigte die Darstellung.
Bereits am Samstagabend hatte die Polizei "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" ausgeschlossen, dass Robert Steinhäuser einen Mittäter hatte. Hinweise auf einen zweiten Amokläufer waren aus den Reihen der Schüler des Gymnasiums gekommen. Einige hatten unter anderem berichtet, dass während des Amoklaufs noch aus einer zweiten Richtung Schüsse gefallen seien.
Nach bisherigen Ermittlungen erschoss der 19-jährige, der vor rund zwei Monaten vermutlich wegen Urkundenfälschung von dem Gymnasium gewiesen worden war, seine Opfer ohne Vorwarnung aus nächster Nähe. Alles in allem gab er 40 Schüsse aus einer Pistole ab. Seine zweite Waffe, eine Pumpgun, kam nicht zum Einsatz. Als Mitglied zweier Sportvereine, darunter ein Schützenverein, war er ein ausgebildeter Schütze und besaß die Waffen legal. Die Zahl der Toten korrigierte die Polizei auf 17. Die zehn Verletzten waren am Samstag außer Lebensgefahr.
Der Opfer soll erneut am 3. Mai im Beisein von Bundespräsident Johannes Rau in einer zentralen Trauerfeier in Erfurt gedacht werden. Am Samstag versicherte Papst Johannes Paul II. den Angehörigen der Opfer und den Schülern des Gutenberg-Gymnasiums seine tief empfundene Anteilnahme. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) ordnete an, die Trauerbeflaggung an den Bundesbehörden in Thüringen bis zur zentralen Trauerfeier am kommenden Freitag zu verlängern. In den Sportarenen der Fußball-Bundesliga war Samstagnachmittag eine Schweigeminute eingelegt worden. Der Deutsche Schützenbund sagte das Bundeskönigs- Schießen des 51. Deutschen Schützentages in Suhl ab.
Begleitet von einer intensiven Suche nach dem Motiv für den Amoklauf hat eine breite Diskussion über die Folgen des Verbrechens begonnen. In einem dpa-Gespräch sagte der Psychoanalytiker Horst- Eberhard Richter (Gießen), ein Amoklauf wie in Erfurt sei nur äußerst schwer zu verhindern. Seine Tat habe der Mann sicherlich sehr sorgfältig geplant. dpa su/hr yyth gp
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