WWF: Sammler bringen Schmetterlinge und Käfer in Gefahr: Es mangelt am Bewusstsein für Artenschutz
zuletzt aktualisiert: 16.08.2000 - 08:27Frankfurt/Main (dpa). Unkontrollierte Sammelleidenschaft kann zum Aussterben von Schmetterlingen und Käfern beitragen. Im internationalen Handel mit diesen Tierarten spielt Deutschland nach Erkenntnissen des World Wide Fund for Nature (WWF) eine zentrale Rolle. Dies sind Ergebnisse einer Studie, die TRAFFIC, das gemeinsame Artenschutzprogramm von WWF und der Weltnaturschutzunion IUCN, am Mittwoch in Frankfurt vorstellte.
Das Bewusstsein für Artenschutz fehle bei Sammlern und Händlern von Schmetterlingen fast völlig, heißt es in der Studie "Flügel hinter Glas - Der Insektenhandel in Deutschland" von Peter Schütz, der die Angebote auf zwölf Insektenbörsen von Ende 1996 bis Ende 1997 und in Anzeigen untersuchte. "Gehandelt wurde, was gefällt."
Heimische Arten seien ebenso betroffen wie Exoten aus tropischen Ländern. Schütz fand 250 Schmetterlingsarten im Angebot, die durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt sind und nicht gehandelt werden dürfen. Illegal angeboten wurden auch 21 Arten, die das Washingtoner Artenschutzübereinkommen als gefährdet einstuft.
Schmetterlinge seien eine der größten Tiergruppen der Welt, sagte WWF-Artenschutzexperte Roland Melisch. Bei weitem nicht alle seien bedroht, aber längst nicht alle bedrohten Arten seien geschützt. Deshalb könnten viele gefährdete Arten völlig legal gehandelt werden, darunter die vom Aussterben bedrohte Rose von Ceylon, eine Schwalbenschwanzart aus Sri Lanka. Hinzu komme, dass nur sporadisch kontrolliert werde.
Auf den großen Insektenbörsen in Deutschland und in den Nachbarländern werden nach dem Bericht von Schütz jeweils bis zu 80.000 meist bereits präparierte Tiere angeboten. Die Preise reichen von 20 Pfennigen für gefaltete und in Tüten verpackte Tiere bis zu 7000 Mark für ein Paar eines seltenen Vogelflügelfalters aus Papua- Neuguinea. Die Käufer kommen aus Deutschland, Europa und sogar aus Japan, wo ein seltener Hirschkäfer auch schon mal für mehr als 150.000 Mark den Besitzer wechselt.
Deutschland ist der Studie zufolge einer der wichtigsten Handelsplätze für Insekten. Vor allem Sammler kaufen die präparierten Tiere. Dekorative Artikel mit in Kunstharz eingegossenen Schmetterlingen oder Käfern sind in Deutschland dagegen kaum gefragt.
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