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Köln
"Escape Rooms" als neuer Spieletrend

Köln. Indem sie gemeinsam Aufgaben und Rätsel lösen, versuchen Spieler, sich aus einem Raum zu befreien. Das Konzept ist international erfolgreich. Auch immer mehr Firmen versuchen, spielerisch ihre Mitarbeiter zu motivieren. Von Emily Senf

Die Tür fällt ins Schloss, und die Countdown-Anzeige startet. 60 Minuten, mehr Zeit bleibt der Gruppe nicht, um wertvolle Diamanten zu finden und einem skrupellosen Bankdirektor das Handwerk zu legen. Die Spieler untersuchen jeden Winkel und jede Ecke des Raumes, blicken hinter Schränke und Bilder, die an der Wand hängen. Sie entdecken einen Hinweis nach dem anderen, jeder führt sie näher ans Ziel: gemeinsam das Rätsel zu lösen.

Dieses Spiel heißt "Live Escape Rooms", und es ist in immer mehr deutschen Städten zu finden, zum Beispiel beim "Team Escape" am Brüsseler Platz in Köln oder im "Claustrophobia" in Berlin. 2013 eröffnete in München der erste, mittlerweile soll es nach Angaben auf der Internetseite "Live Escape Room Games" über 450 Räume von verschiedenen Anbietern geben. Manchmal geht es für die Spieler, die meist in Gruppen von bis zu sechs Personen agieren, darum, einen Mord aufzuklären, dann wieder müssen sie als Geisterjäger Gespenster vertreiben oder die Welt vor einem bösen Professor retten - alles durch das Lösen von Rätseln und Aufgaben. Das Geschäft boomt, berichtet Lisa Muntjewerf von "Team Escape" aus Köln. Seit drei Jahren gibt es das Unternehmen, inzwischen an 14 Standorten in Deutschland sowie weiteren in Norwegen, Jordanien, Ägypten und bald Kuwait. Alleine im vergangenen Monat verzeichnete "Team Escape" nach eigenen Angaben fast 13.000 Spieler.

Den Reiz des Konzepts sieht Muntjewerf darin, dass die Kunden für eine Stunde selbst zu einer Spielfigur werden. "Außerdem dürfen keine Handys verwendet werden, deswegen ist man aus der digitalen Welt raus", sagt die Sprecherin. "Das ist ganz erfrischend." Hinzu komme, dass Spieler jeden Alters mitmachen können, da sie sich nicht körperlich anstrengen müssen. "Und jeder hat zu Beginn des Spiels den gleichen Wissensstand", sagt Muntjewerf. "Darum kann der Opa gemeinsam mit dem Enkel und der Praktikant mit dem Chef spielen." Am Ende wartet derselbe Lohn auf alle: selbst auf die Lösung gekommen zu sein. Alleingänge helfen in der Regel nicht. "Man kann die Rätsel nur lösen, wenn man zusammen arbeitet", sagt die Sprecherin. Darum seien die Räume bei Firmen auch für Betriebsausflüge beliebt.

Dass es beim Spielen letztlich immer ums Glücksgefühl geht, weiß auch René Wittek. Der Psychologe ist selbst erfahrener Live-Escape-Room-Spieler. "Es ist wirklich toll", sagt er. "Man wechselt die Rolle und achtet nicht mehr auf die Zeit." Der Experte sieht in dem Konzept Aspekte, die unter einen Begriff fallen, der auch in Unternehmen immer stärker Einzug hält: Gamification, vom englischen Wort "Game" für "Spiel". Dabei geht es darum, die Mitarbeiter mit spielerischen Elementen, die in Arbeitsprozesse eingebaut werden, zu motivieren.

Bei der Burgerkette "Hans im Glück" etwa können Kellner über eine Plattform an Missionen teilnehmen: Wer braucht länger, um 100 Liter Bier an den Mann zu bringen? Bei dem Softwarehersteller SAP mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf wird daran gearbeitet, dass Mitarbeiter für die Bearbeitung von Aufgaben Punkte erhalten und sich damit eine Expertise anderen Mitarbeitern gegenüber erarbeiten. "Das hat das Potenzial, anhand der Punkte zu sehen, wer für welches Gebiet Experte und damit der richtige Ansprechpartner ist", sagt Michael Ameling, verantwortlich für Gamification bei SAP.

In anderen Bereichen wird Gamification bereits intensiv angewendet. Bei Online-Trainings etwa geht es darum, die Abbrecherquote zu reduzieren. In denen von SAP können die Teilnehmer auf einer Landkarte Gebiete erobern. "Der Erfolg ist phänomenal", sagt Ameling. "Es gibt fast keinen, der das Training nicht beendet." Auch für seine Kunden hat sich das Unternehmen etwas einfallen lassen, um neue Software kennenzulernen. "Niemand liest sich eine seitenlange Anleitung durch", sagt Ameling. Mit der Einführung von Gamification lässt sich Software auch spielend erkunden. Der Vorteil: "Man weiß zu jedem Zeitpunkt, wo man steht, und hat immer ein Ziel vor Augen." Psychologe Wittek glaubt, dass Gamification in Firmen zunehmen wird. "Er ist noch nicht an seinem Höhepunkt angekommen." Weil es den Trend erst seit wenigen Jahren gebe, fehle es noch an Forschung und die Antwort auf die Frage: Welches System passt zu welcher Firma?

Quelle: RP
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