Deutschsprachige Uraufführung des Broadway-Hits: Europa-Premiere: „42nd Street“ ist beste Unterhaltung
zuletzt aktualisiert: 21.11.2003 - 21:24Stuttgart (cfk). Die Namen Fred Astaire und Gene Kelly sind unsterblich mit Musical- und Swing-Revuen verbunden, mit Tanz, Gesang und Comedy-Elementen. Die beiden hätten ihre helle Freude, würden sie die neue Musical-Produktion „42nd Street“ sehen, die am Freitag Abend im Stuttgarter Apollo Theater ihre deutschsprachige Europa-Premiere feierte.
Mit gigantischem Aufwand – vor allem personeller Natur – lebten da die New Yorker 30er Jahre auf, feierte der Swing in Deutschland seine Wiederauferstehung. 24 Tänzerinnen, zwölf Tänzer und zwölf Soloparts steppten, tanzten, sangen, spielten und ließen die Atmosphäre des pulsierenden New York vergangener Tage lebendig werden. Die Geschichte an sich ist einfach und schnell erzählt: Finanziell gebeutelter Erfolgsproduzent will mit einer neuen Show seine Kasse sanieren.
Der Geldgeber für die Produktionskosten will einen alterndern zickigen Star in der Hauptrolle. Doch die Diva fällt kurz vor dem ersten Vorhang verletzt aus. Ein naives Mädel vom Lande mit großem Talent springt ein und wird über Nacht zum großen Star. So weit so gut, doch ist der Inhalt das, was am wenigsten interessiert bei „42nd Street“. Denn knappe drei Stunden lang wird der Zuschauer verzaubert von spektakulären Tanzszenen mit gut 40 Tänzern gleichzeitig, die harmonisch steppen und singen.
Das alles vor einfach gehaltenen, dennoch wirkungsvollen und Weite suggerierenden Kulissen. Einfache, aber wirkungsvolle Lichteffekte und die Vielzahl an Kostümen runden die Show perfekt ab. Hinzu kommt ein einfacher, trockener Witz, der das Publikum regelmäßig zum Lachen bringt. Und gesungen wird selbstverständlich auch. Und auch da passt alles bestens zueinander.
Die für die Besetzung verantwortlichen haben hier ein perfektes Händchen bewiesen, denn es gibt – auch vom Type-Fitting – nicht einen Fehlgriff. Zunächst ist da Karin Seyfried. Die Wienerin, die zuletzt in Düsseldorf bei „Miami Nights“ zu Lateinamerikanischen sang und tanzte, ist die eigentliche Hauptdarstellerin des Stückes. Sie steppt und singt und spielt das Mädchen vom Lande „Peggy Sawyer“ sehr überzeugend und überzeichnet gerade richtig, um lustig, aber nicht albern zu wirken. Und das Karin Seyfried singen kann, darf sie hier auch reichlich beweisen.
Kevin Tarte kennt die Bühne des Apollo-Theater bestens, schließlich sorgte er hier jüngst noch als „Graf Krolock“ im „Tanz der Vampire“ für Grusel. Tarte überzeugt in der Rolle des „Regisseurs Julian Marsh“. Schade ist allerdings, dass er nur zwei Stücke singen darf, dafür aber immerhin das Finale. Isabel Dörfler überzeugt in der Rolle der zickigen Diva „Dorothy Brock“.
Auch sie ist für reichlich komische Elemente im Stück verantwortlich, hat aber definitiv kein Problem damit, sich selbst zum Clown zu machen. Im Gegenteil: „Ich habe die Erlaubnis, mal richtig einen Idioten aus mir zu machen, und da freue ich mich sehr drauf“, sagte sie vor der Premiere. Auch Sabine Maria Reiß begeistert, die als „Maggie Jones“ mit trockenem Wortwitz und frechen Sprüchen amüsiert.
Zuletzt noch in Essen bei „Elisabeth“ als eher biestige Sophie gelobt, kann sie hier bestens ihr komödiantisches Talent herausstreichen. Auch alle anderen Solisten, von Jens Jahnke bis Wolf Wrobel, spielen ihre Parts perfekt.
Selbst der Dirigent, der zu Beginn jeden Aktes seine Bewegungen bewusst überzeichnet, sorgt für amüsante Unterhaltung. Und das ist es auch, was „42nd Street“ möchte: unterhalten. Es wird keine „Message“ irgendwie verpackt, keine Kritik geübt, sondern „42nd Street“ kehrt zu den Ursprüngen des Musicals zurück: drei Stunden mit Tanz, Gesang und Witz – einfach beste Unterhaltung! Camillo Kluge
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