Trendtag erörtert Bewusstseinswandel in der Gesellschaft: Ewige Jugend und permanentes Glück als Normalität
zuletzt aktualisiert: 08.05.2001 - 14:25Hamburg (rpo). Retortenbabys, ewige Jugend, permanentes Glück: So sehen sie aus, die Ansprüche der Menschen zu Beginn des dritten Jahrtausends. Beim sechsten Deutschen Trendtag debattieren Trendforscher, Philosophen, Politologen und Marketingexperten an diesem Donnerstag in Hamburg über den Wertewandel in der Gesellschaft.
Unter dem Motto "Posthuman: Schicksal wird zur Ware" analysieren sie die Auswirkungen veränderten Denkens und Handelns auf den Menschen, die Konsumenten und die Industrie.
"Schicksal wird nicht mehr hingenommen, sondern aktiv gestaltet", erläuterte Prof. Peter Wippermann, Gründer des Hamburger Trendbüros, der dpa die Hauptthese. Zwar sei Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern noch eine "moralische Insel", da Menschen ihr Schicksal großteils noch als natürlich oder von Gott gegeben hinnähmen. Aber durch die Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes werde es möglich, bisherige Grenzen zu überschreiten. Beim Trendtag steht nun zur Diskussion, welcher Wertewandel aus der biologischen Revolution resultiert.
Der Wertewandel lässt nach Einschätzung von Wippermann auch neue Träume entstehen, für die sich neue Märkte entwickeln, die dann "Schicksalsangebote" offerieren: bessere Gesundheit, mehr Sicherheit, erfüllte Liebe und "ewige Jugend". Der Sinn des Lebens werde mittlerweile im "permanenten Glücklichsein" gesehen, sagt Wippermann. Auch die Einnahme von Drogen, die Menschen in diesen Zustand versetzen, wird nach seiner Einschätzung zunehmen.
Die Kosmetikindustrie hat sich mit ihren "Anti-Aging-Produkten" längst auf die Angst vorm Altern eingestellt, die Chirurgie bietet Schönheitsoperationen schon im Jugendalter. Selbstverwirklichung - "die Lust am Self-Design" - wird laut einer Studie auch in der Modeindustrie großgeschrieben: Kleidungsstücke mit integriertem Laptop oder Anzeige für den Eisprung stellen sich auf die Bedürfnisse des Einzelnen ein: "Die ökonomische Orientierung des Lebens ist längst Alltag geworden", resümiert Wippermann.
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