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Sprengstoffanschlag in Discothek: Fahndung nach Einzeltäter

zuletzt aktualisiert: 01.05.2000 - 17:05

Hamburg (dpa). Zwei Tage nach dem schweren Sprengstoffanschlag auf eine Hamburger Discothek, bei der neun Menschen verletzt wurden, fahndet die Polizei nach einem Einzeltäter. Nach den Zeugenvernehmungen und weiteren Ermittlungen handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen südländisch aussehenden Mann, der kurz vor der Explosion die Discothek verlassen hatte, teilte Polizeisprecher Hans-Jürgen Petersen am Montag mit.

Das Motiv liegt weiter im Dunkeln, ein Anschlag auf anwesende prominente Schauspieler und Musiker wurde von der Polizei jedoch ausgeschlossen.

Die Splittergranate jugoslawischer Bauart war in der Nacht zum Samstag in der Disco «J's, Der Klub im Bunker» im Stadtteil St. Pauli kurz nach 3.00 Uhr detoniert. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich etwa 1 500 Menschen in dem Club. Neun Gäste wurden bei dem Anschlag verletzt; ein Mann schwebte auch am Montag noch in Lebensgefahr. Außerdem befanden sich zahlreiche Prominente in dem Lokal, darunter der Schauspieler Heiner Lauterbach und seine Freundin Jenny Elvers. Wie aus dem Umfeld der Veranstalter verlautete, waren auch der Musiker und Produzent Dieter Bohlen sowie die Schauspieler Til Schweiger («Der bewegte Mann»), Heinz Hoenig («Der große Bellheim») und Mark Keller («Alarm für Cobra 11») auf der Party.

Der Polizeisprecher wies jedoch Spekulationen zurück, der Anschlag habe möglicherweise den prominenten Künstlern gegolten. Keiner der Sänger und Schauspieler habe sich in dem Bereich aufgehalten, in dem die Granate detoniert sei. Zu diesem Zeitpunkt hatten zudem alle die Discothek längst verlassen, wie Petersen sagte. «Ein versuchter Anschlag auf diesen Personenkreis scheidet damit als Motiv aus.»

Nach den bisherigen Ermittlungen hat der etwa 30 Jahre alte Tatverdächtige die Handgranate in einem von der Tanzfläche abgetrennten hinteren Raum zwischen den Polstern einer Sitzecke versteckt und unmittelbar danach gezündet. Zeugenaussagen zufolge soll sich der gut gekleidete Mann bereits eine halbe Stunde vor der Tat dort aufgehalten haben. Der Ablauf, so weit er bisher rekonstruiert werden konnte, spreche dafür, dass es der Mann nicht gezielt auf die späteren Opfer abgesehen hatte, hieß es.

Untersuchungen hätten ergeben, dass es sich bei der Handgranate um eine jugoslawische Waffe vom Typ M 75 handelte, sagte Petersen. Sie bestehe aus einem Kunststoffmantel, aus dem bei der Zündung explosionsartig 2 500 Bleikugeln herausgeschleudert werden. Nach den bisherigen Erkenntnissen hat der Täter die Granate nicht programmiert. «Seine eilige Flucht deutet vielmehr darauf hin, dass er lediglich die Sicherung zog und sich danach so schnell wie möglich absetzte», sagte der Polizeisprecher. Nach wie sei unklar, wer genau hinter der Tat steckt.

In den vergangenen Jahren wurden vereinzelt Anschläge auf Discotheken verübt, die aber überwiegend glimpflich verliefen. Besonders folgenschwer war der Brandanschlag auf ein überfülltes Tanzlokal im schwedischen Göteborg im Oktober 1998. Bei dem Feuer, das von einem Jugendlichen gelegt worden sein soll, starben 63 Menschen - meist jugendliche Einwanderer, 213 wurden verletzt. Erst vor zwei Wochen waren bei einem Anschlag auf eine Discothek in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon sechs junge Afrikaner und eine spanische Touristin getötet worden. 34 Menschen wurden verletzt, nachdem die Täter dort Reizgas auf der Tanzfläche versprüht und eine Panik ausgelöst hatten. Als Motiv vermutet die Polizei eine Abrechnung unter kriminellen Banden.

Quelle: RPO Archiv

 
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