Wegen der Ausbreitung der Schweinegrippe hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Pandemie-Alarm auf die höchste Stufe 6 heraufgesetzt. Damit gilt die Infektionskrankheit als weltweite Seuche. Für Deutschland hat dies zunächst keine unmittelbaren Folgen - trotzdem sind wir vorbereitet.
Lesen Sie folgend die wichtigsten Fragen und Antworten!
Welche Bedingungen müssen für die Warnstufe 6 erfüllt sein?
Die höchste Stufe sechs setzt die WHO in Kraft, wenn das Virus in mindestens eine Region außerhalb der Ursprungsregion gewandert ist und regelmäßig von Mensch zu Mensch übertragen wird. Damit wird eine Pandemiephase offiziell festgestellt. Laut WHO sind bisher mindestens 141 Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Mehr als 27.700 Menschen in 74 Ländern sind erkrankt.
Was bedeutet die höchste Warnstufe für die einzelnen Länder?
Zwar gilt weltweit nun die Warnstufe 6, weil die Bedingungen dafür erfüllt sind. Ausschlaggebend war vor allem die Infektionsentwicklung in den USA, Mexiko und Australien. Die einzelnen Staaten und damit auch Deutschland entscheiden aber in eigener Regie und abhängig vom Infektionsgeschehen im eigenen Land, ob die für die Warnstufe 6 vorgesehenen Maßnahmen, die hierzulande im Nationalen Pandemieplan geregelt sind, auch umgesetzt werden. Auch in den einzelnen Bundesländern gibt es entsprechende Pandemiepläne. In Deutschland wurden bisher 95 Schweinegrippe-Fälle bestätigt, doch im Vergleich zu anderen Ländern halten sich die Infektionen in Grenzen.
Gibt es konkrete Auswirkungen für Deutschland?
Die Erhöhung der weltweiten Warnstufe sehen Experten in Deutschland eher als Formsache. Faktisch dürfte sich nach derzeitiger Lage hierzulande nichts ändern, wie eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums betont. Zwar sieht der Pandemieplan für Stufe 6 unter anderem vor, dass zusätzliches medizinisches Personal für die ambulante Krankenversorgung alarmiert und die Ausgabe antiviraler Medikamente vorbereitet wird, die die Symptome einer Influenza deutlich abmildern und für etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausreichen sollen. Diese Maßnahmen sind aber nur eine Option.
Welche Maßnahmen wurden bereits ergriffen?
Bereits seit Phase 4 gibt es im Bundesgesundheitsministerium (BMG) einen internen Krisenstab, der in Schichten arbeitet und auch an Feiertagen und Wochenenden besetzt ist. Er koordiniert unter anderem Abstimmungen mit den Ländern und der Pharmaindustrie. Ein weiteres Lagezentrum gibt es im Robert-Koch-Institut (RKI), das auch international gut vernetzt ist. In zahlreichen Ländern wurden außerdem Hotlines geschaltet. Der Krisenstab von BMG und Bundesinnenministerium wurde bisher nicht einberufen. Dieser würde erst aktiv, wenn zum Beispiel öffentliche Großveranstaltungen untersagt werden müssten. Dafür gab es aber bisher keinen Anlass.
Was ist ein Pandemieplan?Deutschland hatte auf Anraten der WHO 2005 einen Nationalen Pandemieplan veröffentlicht, der das Vorgehen der Gesundheitsbehörden von Bund und Ländern im Fall einer Grippe-Pandemie aufführt. Er sieht entsprechend der WHO sechs Stufen vor. Sobald die Pandemie aus Sicht der Behörden Deutschland erreicht hat, können Medikamente und Impfstoffe verteilt werden. Ein Impfstoff gegen die Neue Influenza wird allerdings nach Einschätzung von Experten erst im Herbst zur Verfügung stehen. Antivirale Medikamente haben die Länder hingegen in großen Mengen eingelagert.
Sind wir vorbereitet?
Aus Sicht des Robert-Koch-Instituts sind in der Bundesrepublik bereits alle notwendigen Vorbereitungen für den Ausbruch einer Pandemie getroffen. "Alle erforderlichen Strukturen funktionieren bereits jetzt", erklärte RKI-Präsident Jörg Hacker diese Woche. Und bisher lautet die Einschätzung des Gesundheitsministeriums: "In Deutschland herrscht derzeit keine Pandemie."