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Indien
Fast 150 Tote bei Zugunglück

Zugunglück in Indien
Zugunglück in Indien FOTO: dpa, rps ms
Neu Delhi/Pukhrayan . Unfälle passieren auf den alten indischen Gleisen immer wieder, doch das Ausmaß des Unglücks vom Sonntag ist besonders dramatisch. Fast 150 Menschen überleben die Katastrophe nicht. Von Stefan Mauer

Die Zahl der Todesopfer eines der schlimmsten Zugunglücke in Indien ist auf mindestens 146 gestiegen. Nach Polizeiangaben gab es außerdem 76 Schwer- und 150 weitere Verletzte.

Rettungsdienste, Soldaten und Mitarbeiter des Katastrophenschutzes arbeiteten die ganze Nacht, um Eingeschlossene aus den Trümmern zu befreien. Sie durchtrennten verbogenes Metall mit Schneidbrennern, um an Verletzte heranzukommen. Am Montag suchten sie mit Hilfe von Kränen unter dem letzten, noch nicht geborgenen Unglückswaggon nach weiteren Leichen.

Rund 2000 Einsatzkräfte räumten rund um die Gleise auf und überprüften, wie schwer die Schäden sind. Man hoffe, dass der Verkehr an einem der wichtigsten Knotenpunkte des indischen Eisenbahnnetzes bis Montagabend (Ortszeit) wieder aufgenommen werden könne, sagte ein Bahnsprecher.

Ein Fernzug mit 14 Waggons war am frühen Sonntagmorgen auf der 27-stündigen Reise zwischen den Städten Indore und Patna nahe dem nordindischen Dorf Pukhrayan aus den Gleisen gesprungen. Mehrere Wagen verkeilten sich ineinander und stürzten um. Ein Waggon wurde über einen anderen geschoben und zerquetschte ihn.

Die Unglücksursache war noch unklar. Während lokale Medien unter Berufung auf Bahnvertreter von einer defekten Schiene berichteten, forderte die Regierung eine Ermittlung zum Auslöser der Katastrophe. Sie versprach, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Verängstigte Angehörige suchten zwischen den Verletzten und Toten in Krankenhäusern der Stadt Kanpur nach vermissten Familienmitgliedern. Am Unglücksort wühlten andere durch die Trümmer. Ein Mann trauerte um drei Angehörige, die gemeinsam zu einer Hochzeit unterwegs gewesen waren.

Unfälle passieren relativ häufig im indischen Eisenbahnverkehr. Das Unglück des Patna-Indore-Expresszuges zählt allerdings zu den schlimmsten der vergangenen Jahre. Nach Regierungsangaben aus dem Jahr 2012 sterben pro Jahr in Indien rund 15.000 Menschen bei Zugunglücken. Bei dem schlimmsten stürzte im Jahr 1981 ein Zug in Nordindien Fluss Bagmati. Dabei starben fast 800 Menschen.

Indiens Streckennetz gilt als das drittgrößte der Welt. Rund 23 Millionen Passagiere nutzen es täglich. Die Signalsystem ist allerdings in die Jahre gekommen. Für viele Unfälle werden eine schlechte Instandhaltung, veraltete Ausrüstung und menschliches Versagen verantwortlich gemacht.

Regierungschef Narendra Modi hatte vergangenes Jahr versprochen, in den kommenden fünf Jahren umgerechnet knapp 130 Milliarden Euro in die Modernisierung des Netzwerks fließen zu lassen.

(dpa)
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