| 21.07 Uhr

"Tatort"-Jubiläum
1000 Mal ist viel passiert

Der "Tatort" in Zahlen
Der "Tatort" in Zahlen FOTO: Ferl
Düsseldorf. Am Sonntag läuft der 1000. "Tatort", eine Verbeugung vor dem Premieren-Fall. Der Krimi ist Kult – aber wie finden echte Mordermittler ihre TV-Kollegen? Von Gabi Peters

Es passiert regelmäßig: Wenn Ingo Thiel sich bei seinen Ermittlungen mit "Guten Tag, Thiel vom Kriminalkommissariat 11" vorstellt, hört er Folgendes: "Ach, der aus dem Krimi?" Aber er ist nicht Frank Thiel aus dem Münster-"Tatort", er ist Ingo Thiel, ein echter Kommissar. Doch auch für einen solchen steht fest: "Der ,Tatort' gehört in Deutschland zum Sonntagabend dazu." Auch Ingo Thiel schaltet regelmäßig ein. "Das heißt aber nicht, dass ich alle Folgen gesehen habe. Manchmal schlafe ich auch ein", sagt der Mann, der noch nie gezählt hat, wie viele Morde er aufgeklärt hat. Es waren viele, sehr viele. Der berühmteste: der Mord an dem zehnjährigen Jungen Mirco. Ingo Thiel hat darüber sogar ein Buch geschrieben. Insofern ist er doch der Thiel aus dem Krimi.

Auch die Kollegen im Mönchengladbacher Kriminalkommissariat 11 sind "Tatort"-Gucker. Montags werde im Büro über die aktuelle Folge gesprochen. Da falle dann auch schon mal der Satz: "Das konntest du diesmal in die Tonne hauen." In der Regel fühlen sie sich aber gut unterhalten, auch wenn vieles im Fernsehen ganz anders ist als in der Realität. "Dass immer zwei Personen zusammen ermitteln, die nie etwas schreiben müssen, gibt es nicht", sagt Thiel.

Und auch das sei in der Wirklichkeit undenkbar: "Ermittler, die in Straßenklamotten zwischen fünf in weißen Overalls vermummten Mitarbeitern der Kriminaltechnischen Untersuchung und der Rechtsmedizin am Tatort ungeachtet aller Spuren kreuz und quer herumlaufen."

Echte Polizisten gucken Krimis anders. Thiel auch: "Mir fällt auf, dass immer wieder das Logo der Gewerkschaft der Polizei auftaucht. Dabei geht es doch um die Kriminal-Abteilung." Dafür sei der Bund der Kriminalbeamten zuständig, deren erster Vorsitzender er in Mönchengladbach ist. "Ich glaube, ich muss mal dafür sorgen, dass auch unser Logo dort platziert wird", sagt er.

Ingo Thiels Lieblingsteam ist das aus Köln mit Ballauf und Schenk. Und "Furtwängler", die findet er auch gut. Sie kämen der realen Ermittlungsarbeit schon nahe. Die Schauspieler Klaus Behrendt und Dietmar Bär hat der Ermittler sogar persönlich kennengelernt. Das war bei einer Verleihung einer Ehrennadel vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Von dem Aufeinandertreffen gibt es sogar ein Foto. "Die beiden sind sehr sympathisch", sagt Ingo Thiel. Um die Autos, mit denen Freddy Schenk zu den Tatorten fährt, beneidet ihn Thiel, "obwohl unser Fahrzeugpark auch schon besser geworden ist".

Den Tatort aus Münster empfindet Ingo Thiel eher als Slapstick. "Da wird ein Mordfall vorgestellt, um eine lustige Geschichte zu erzählen." Das heißt aber nicht, dass der Mönchengladbacher Ermittler seinen Namensvetter Frank Thiel nicht leiden kann. "Ein Mordermittler mit einem kiffenden Vater und einem durchgeknallten Rechtsmediziner als Freund – das hat schon was."

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