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Isringhaus 100
Platz 2: "The Shield"

Isringhaus 100: Platz 2: "The Shield"
Korrupte Cops (v. l.) : Shane (Walter Goggins), Vic (Michael Chiklis) und Ronnie (David Rees Snell). FOTO: FX
Düsseldorf. Bis zum Ende der ersten Folge ist "The Shield" eine ambitionierte, aber nicht ungewöhnliche Polizei-Serie. Schnell geschnitten, das ja, manchmal fast dokumentarisch, im Tonfall realistisch rau. Doch dann wird alles anders.  Von Jörg Isringhaus

Erzählt wird der Alltag einiger Detectives der Mordkommission in Los Angeles, unter ihnen Vic Mackey, der auf Bandenkriminalität spezialisiert ist, aber konfiszierte Drogen einsteckt und Beweise verschwinden lässt. Ein Kollege, Terry, wird auf ihn angesetzt, soll unbemerkt ermitteln. Gemeinsam müssen sie zu einem Einsatz, stürmen eine Wohnung, die Luft ist rein. Dann schießt Vic Terry in den Kopf - und ab da ist "The Shield" alles andere als gewöhnlich.

Die Polizeiserie als antikes Drama, in der eine Herrscher-Familie zu machtgierig wird und sich daraufhin selbst zerfleischt, das ist "The Shield", eine zeitlose Geschichte in einem zeitgemäßen Gewand. Der König ist Vic, der eine kleine Truppe auf sich eingeschworen hat, und mit ihr die Straße regiert, legitimiert durch seine Polizeimarke, dem Schild (Shield), hinter dem er sich verstecken, das er aber auch als Waffe benutzen kann. Ambivalenter als Vic könnte eine Hauptfigur kaum sein - er foltert und tötet, wenn es ihm dient, er kümmert sich aber, zumindest bis zu einem gewissen Grad, auch um die, die er liebt, und er bringt Gangster zur Strecke, wenn es denn sein muss. Dieser Mann ist ein Monster, aber ein faszinierendes, und Michael Chilkis verleiht ihm den Charme einer permanent unter Volldampf stehenden Abrissbirne. Erst wenn sich am Ende auch die Vertrauten von ihm abwenden, schimmert seine Verletzlichkeit durch.

Das Tempo von "The Shield" ist hoch, alle Szenen sind extrem verdichtet und schnell getaktet. Serienerfinder Shawn Ryan ging es darum, möglichst viele Storys parallel zu erzählen, pro Episode einen abgeschlossenen Fall zu zeigen plus die folgenübergreifenden Handlungsfäden. Weil er auf dem Sender FX auch Werbeblöcke zu berücksichtigen hatte, und die stärkste Szene immer vor der Werbung platziert wird, wies Ryan seine Autoren an, jede Szene als die möglicherweise letzte vor einer Werbepause zu konzipieren. Die Folge: Als Zuschauer wird man von dem Szenen-Stakkato atemlos durch die Episoden getrieben, mit gerade so viel Informationen wie nötig, aber so wenig Beiwerk wie möglich. Aber es funktioniert. Und verleiht "The Shield" einen ganz eigenen, schnörkellosen Tonfall.

Mit prominenten Gaststars wie Glenn Close und Forest Whitaker hat die Serie zudem immer wieder für frisches Blut und damit innere Dynamik gesorgt. Am Ende läuft es dann aber auf einen internen Konflikt, den finalen "Bruder"-Kampf zwischen Vic Mackey und und seinem besten Freund und Kollegen Shane (Walton Goggins) hinaus. Wie in einem antiken Drama kann es am Ende selbstverständlich keinen Sieger geben, nur Verlierer, Verlorene und Verdammte. Gewonnen hat nur einer: der Zuschauer.

Quelle: RP
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