| 17.50 Uhr

Isringhaus 100
Platz 5: "True Detective"

Szenenbilder: So sieht "True Detective" aus
Szenenbilder: So sieht "True Detective" aus FOTO: Warner Home Video
Düsseldorf. Die erste Staffel der US-Serie bietet große Filmkunst mit zwei überragenden Darstellern. Von Jörg Isringhaus

Zwei Polizisten und eine Frau, ein Serienkiller, die Sumpflandschaften von Louisiana, das sind die wesentlichen Zutaten der Mini-Serie "True Detective". Hört sich erstmal irgendwie vertraut an. Doch was Drehbuchautor Nic Pizzolatto und Regisseur Cary Fukunaga aus dieser eher klischeehaften Konstellation in der ersten Staffel gezaubert haben, ist große Filmkunst, ein bildschirmsprengendes Meisterwerk, das auch im Kino funktionieren würde - als Thriller mit Überlänge.

Mit "True Detective" hat Pizzolatto bewiesen, das die Gesetze für einen Serienerfolg auch unterlaufen werden dürfen. Statt ein Autorenkollektiv, einen sogenannten Writer's Room zu beschäftigen, hat er selbst die komplette Geschichte geschrieben; statt verschiedene Regisseure für die Episoden zu engagieren, entschied er, auf einen einzigen zu setzen. So trägt die Serie eine erkennbare visuelle Handschrift und besitzt, auch dank der auf acht Folgen begrenzten Länge, einen dramaturgisch ausgefeilten Spannungsbogen. Zwei Staffeln existieren, jede ist ein Kosmos für sich, mit unterschiedlichen Darstellern - überragend ist aber nur die erste.

Darin geht es um zwei eigenwillige Polizisten, Rust Cohle und Marty Hart, die den Mord an einem Mädchen aufklären, sich aber zerstreiten. Die Serie setzt 17 Jahre danach ein, Cohle ist in den Alkohol abgedriftet, Hart selbstgefällig geworden. Als wieder eine Tote gefunden wird, und die Tatumstände auf den Mörder von damals hindeuten, werden Cohle und Hart dazu befragt. Plötzlich finden sich die ehemaligen Partner in einem neuen Fall wieder, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmilzt.

"Glaubst du, ein Mann kann zwei Frauen lieben?", fragt Hart Cohle. Der antwortet: "Ich glaube nicht, dass Menschen überhaupt lieben können." Die Stimmung in "True Detective" ist so düster wie seine (Anti-)Helden, die Dialoge so literarisch ausgefeilt wie bedeutungsschwanger. Dass die Serie trotzdem funktioniert, liegt an den grandiosen Hauptdarstellern Woody Harrelson und Matthew McConaughey; vor allem letzterer liefert als genial verschrobener Cohle eine Gala-Vorstellung, die alleine das Anschauen lohnt. "True Detective" ist so viel mehr als nur ein Thriller, sondern ein Diskurs über die finstersten Abgründe des Menschen und zugleich ein Psychogramm zweier Gescheiterter, denen gegen alle Wahrscheinlichkeit ein Lichtstreif am Horizont vergönnt ist.

Info Seit 2014, 16 Folgen

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Quelle: RP
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