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Kultserie mit Scully und Mulder
Die X-Akten sind zurück – so waren die ersten beiden Folgen

Mulder und Scully feiern 20. Geburtstag von "Akte X"
Mulder und Scully feiern 20. Geburtstag von "Akte X" FOTO: ap, Evan Agostini
Los Angeles. Die ersten zwei Folgen der neuen "Akte X"-Kurzstaffel aus sechs Episoden wurden in den USA an zwei Tagen hintereinander gezeigt. Überragend ist die Neu-Auflage bislang nicht. Von Ludwig Jovanovic

Endlich geht es los. Voller Vorfreude startet die erste Folge der neuen "Akte X"-Staffel nach 14 Jahren – und dann der erste Dämpfer. Mulder rekapituliert aus dem Off, was zwischen 1993 und 2002 passiert ist. Das kann man machen. Auch für neue Zuschauer, die bislang mit der Serie nichts zu tun hatten. Es wirkt aber so, als ob der seltsame Onkel zum Bilder-Abend einlädt – und emotionslos, fast schon sediert, vorträgt, worum es auf den Fotos geht. Die erste Minute hat den Charme einer Weinverkostung. Allerdings ohne Wein. Dann aber setzt das bekannte Intro mit der Titelmelodie ein, die ich im Schlaf mitpfeifen kann. Ab nun wird es besser – oder auch nicht. Achtung: Es folgen jetzt kleinere Spoiler.

Der erste Eindruck

Fangen wir mit dem Positiven an: Natürlich spielt der angebliche UFO-Absturz bei Roswell 1947 wieder eine Rolle, um neue Zuschauer einzustimmen und alte an die großen Zeiten der Serie zu erinnern. Und so beeindruckend wie in der ersten Folge wurde das nur selten in Szene gesetzt. Erst recht nicht bei den X-Files. Danach aber bricht die erste Folge völlig auseinander. Der erste Eindruck eines sedierten Mulders zieht sich durch die ganze Episode. Auch Scully, die ohnehin nur selten Gefühle zeigt, schließt sich dem an: David Duchovny und Gillian Anderson tragen ihre Dialoge lustlos, müde und mit möglichst wenig Emotionen vor. So, als ob man sie um drei Uhr morgens nach einer wilden Party geweckt hätte, damit sie jetzt etwas vorlesen. Und weil ohnehin wenig in der Episode passiert, sondern viele Monologe gehalten werden, braucht es sehr viel Wohlwollen, um bei der Stange zu bleiben. Dafür sieht man, wie Mulder vor allem eins tut: nichts. Er steht irgendwo und redet. Dann steht er irgendwo anders und redet. Das ist so spannend, wie es klingt.

Worum es in der ersten Episode geht

Mulder hat sich nach Ende der X-Akten in sein Refugium zurückgezogen, ist unrasiert und wirkt etwas verwahrlost. Scully geht ihrem Beruf als Ärztin nach. Zusammengebracht werden sie von einem Verschwörungstheoretiker, der mit seinen Enthüllungsshows auf einer Videoplattform, die im Akte-X-Universum natürlich nicht Youtube heißt, und seinen Büchern offensichtlich sehr viel Geld verdient. Aber natürlich ist er kein verlogener Heuchler, sondern er glaubt wirklich, dass die Wahrheit irgendwo da draußen ist. Er hat auch eine heiße Spur. Damit entfacht er wieder das Feuer bei Mulder und Scully. So scheint es. Der Funke springt zum Zuschauer nicht über. Warum zudem Serienschöpfer Chris Carter die Verschwörungstheoretiker der realen Welt mit ihren hanebüchenen Ideen und Videos so dermaßen verklärt, bleibt sein Geheimnis.

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Der, nennen wir ihn Idealist, führt die Ex-Agenten zu einer neuen Theorie, die sich nicht entwickelt, sondern plötzlich da ist. Mulder scheint irgendwann einen Moment der Erkenntnis gehabt zu haben, nachdem er mit einem alten Wissenschaftler geredet hat – der im Grunde nichts sagt. Außer, Mulder sei jetzt ganz nahe dran. Plötzlich präsentiert er dann die wahre Verschwörung. Die stellt zwar alles auf den Kopf, was in den alten Staffeln gezeigt worden ist. Doch die neue Theorie ist so wirr und an den Haaren herbeigezogen, dass wir nur sagen können: "Hä?" Scully selbst meint dazu, dass es so dermaßen paranoid sei, dass man damit nicht an die Öffentlichkeit gehen könne. Später springt sie dann doch auf den Zug auf, weil es eine Verbindung zu ihrer Entführung gibt. Und zu dem Sohn, den sie gemeinsam mit Mulder hat und den die beiden vor 14 Jahren zur Adoption freigaben, um ihn zu schützen. Denn bei seiner Empfängnis war Alien-Technologie im Spiel.

Die erste Folge der Kurz-Staffel bietet einen arg konstruierten Storybogen mit Logiklöchern so groß wie ein Alien-Raumschiff, faktischen Fehlern, erzwungenen Entwicklungen, Monologen und Andeutungen, die aber niemals verfolgt werden. So scheint es, als ob Scully mit einem anderen Mann anbändelt. Wenige Minuten später ist das dann aber auch vorbei. Einfach so. Spannend oder mitreißend ist das nicht. Anscheinend für die Fans der ersten Stunde, die nun auch in den 40er und 50ern sind, hat man auch einen erzwungenen Gag eingestreut: Als Mulder bei Scully ankommt, steigt er aus einem Privatwagen, der ihn mitgenommen hat. "Uber?", fragt Scully. "Nein, ich bin getrampt." Frage: Wo ist der Witz? Es soll wohl selbstironisch sein. Oder ein Beleg dafür, dass Mulder ein Relikt aus einer anderen Zeit ist. Mit Absicht. Denn es ist offenbar ein Running Gag, der auch in der zweiten Folge genutzt wird. Er wird aber dadurch nicht witziger. Wir wünschen uns Mulders Sarkasmus zurück.

Wie endet die erste Folge?

Auf jeden Fall verschwinden typisch für die Serie alle Beweise für die Behauptungen. Aus irgendeinem Grund – wir wissen es tatsächlich nicht genau – öffnet der stellvertretende FBI-Direktor Walter Skinner (Mitch Pileggi) wieder die X-Akten, und Mulder und Scully sind wieder beim FBI. Das ging ja dann nach der langen Pause am Ende schnell. Das Highlight aber: Der Krebskandidat, der kettenrauchende Mann im Hintergrund (William B. Davis), der die Fäden zieht, ist wieder dabei und wird kurz gezeigt. Das war's dann aber auch mit Höhepunkten. Ob sie wissen, dass sie nur sechs Folgen haben?

Die zweite Folge hat einen besseren Start

Diese Frage stellt sich auch bei der zweiten Episode, die thematisch an die erste anschließen soll. Und sie beginnt gut mit dem mysteriösen Selbstmord eins Wissenschaftlers. Klar, steckt da mehr hinter. Da ist es wieder: das "Akte X"-Feeling und das Spiel mit dem Geheimnisvollen und Mysteriösen. Ein mittlerweile rasierter Mulder im Anzug hat auch seinen Sarkasmus neu entdeckt, und es gibt den einen oder anderen witzigen Moment in der düsteren Story. Nur leider trägt sie nicht bis zum Schluss, sondern wirkt am Ende wie ein recyceltes Drehbuch aus den vergangenen Staffeln. Es gibt zwar eine Verbindung zur ersten Episode, aber die zweite Folge setzt die angefangene Geschichte nur dezent fort und treibt sie kaum voran. 

Dafür reden Scully und Mulder über ihren Sohn William, den sie zur Adoption freigeben haben – und wie es ihm wohl geht. Und damit es der letzte Zuschauer kapiert, gibt es dann noch bedrohliche "Traum-Sequenzen", in denen Mulder und Scully sich vorstellen, wie es gewesen wäre, ihn großzuziehen. Wir haben verstanden. Schon als die beiden darüber geredet haben. Sie haben Zweifel, sie bedauern es und denken dennoch, dass es das Beste war. Es wird dann aber noch mehrmals breit getreten. Ob sie wirklich wissen, dass sie nur sechs Folgen haben und nicht zwölf oder 24? Und ob sie wissen, dass man an Drehbüchern auch feilen kann? "Vielleicht war ich nur ein Brutkasten", sagt Scully in einer Szene. "Für mich ist an dir nichts ein Nur", antwortet Mulder. Es gab schon bessere Dialoge in der Fernsehhistorie. Dann kommt wieder zwischendurch der Running Gag, um zu betonen, dass die beiden aus einer anderen Zeit stammen. Als Scully die Bedeutung eines indischen Wortes kennt, ist Mulder verblüfft. "Ich bin altmodisch, Mulder. Prä-Google ", sagt sie. Und wieder die Frage: Wo ist der Witz? 

Etwas Licht, viel Schatten in Episode 2

Die zweite Episode ist nicht ganz so langatmig wie die erste Folge. Es gibt sogar Licht, aber auch sehr viel Schatten. Nach zwei Folgen kann man starke Zweifel haben, dass es die X-Akten schaffen, geöffnet zu bleiben. Offensichtlich hat man sich dafür entschieden, kein neues Publikum zu gewinnen, sondern das alte an vergangene Zeiten zu erinnern. Die Entwicklung der TV-Serien seit 2002 auch dank der X-Akten wird einfach ignoriert. Man kommt aus der alten Haut nicht raus. Da hilft es auch nicht, wenn in jeder Episode Edward Snowden erwähnt oder gezeigt wird. Die X-Akten wirken altmodisch, und die Stars scheinen leider etwas lustlos. Eine Hoffnung gibt es aber zumindest für die deutschen Fans: Möglicherweise ist die Synchron-Fassung in dem Fall tatsächlich besser als das Original, wenn die deutschen Sprecher mehr Emotionen in ihre Worte legen. Davon kann man sich ab dem 8. Februar, 21.10 Uhr, auf Pro7 überzeugen.

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