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Kultserie "Akte X"
"Homeland" trifft auf die X-Files

Mulder und Scully feiern 20. Geburtstag von "Akte X"
Mulder und Scully feiern 20. Geburtstag von "Akte X" FOTO: ap, Evan Agostini
Los Angeles. Die fünfte Folge des Akte-X-Reboots ist kurzweilig und unterhaltsam, wenn man beide Augen zudrückt – und die Widersprüche akzeptiert. Von Ludwig Jovanovic

Ist das wirklich Akte X? Oder habe ich mich vertan? In den ersten Minuten der fünften Folge glaubt man, aus Versehen bei Homeland gelandet zu sein. Achtung Spoiler-Alarm! Arabische Extremisten bereiten sich auf einen Selbstmord-Anschlag in Texas vor und führen ihn auch aus. Allerdings überlebt einer von ihnen und liegt nach der Explosion im Koma.

Mehr tot als lebendig möchten dennoch zwei junge FBI-Agenten unbedingt herausfinden, ob es noch mehr Terroristen gibt: die rothaarige, schnippische, ungeduldige, rationale Ärztin Einstein (Lauren Ambrose), die entfernt mit dem großen Physiker verwandt ist, und der vom Unerklärlichen faszinierte Miller (Robbie Amell). Haben wir da gerade die Zukunft der X-Files gesehen? Zwei Nachfolger für unser Agenten-Duo Scully und Mulder? Auf jeden Fall laufen sie bei den altgedienten Ermittlern auf, weil sie nach unorthodoxen Wegen suchen, um mit dem Koma-Patienten Kontakt aufzunehmen.

Nachfolger für unser Agenten-Duo?

Eigentlich ist es nur Miller, der die Hilfe sucht – während Einstein das Ganze mit überaus bösen und sarkastischen Bemerkungen kommentiert. Der Schlagabtausch der Charaktere ist überaus unterhaltsam. Allerdings wirkt es dann etwas erzwungen, wie Scully und Miller kooperieren, um auf wissenschaftliche Art und Weise über Hirnwellenmuster Antworten auf ihre Fragen zu finden – während Mulder die skeptische Einstein von einem exzentrischeren Weg überzeugt. Er will mit Hilfe von Drogen Kontakt zum Bewusstsein des im Koma liegenden Terroristen aufnehmen.

Das ist wenig überzeugend, aber das Ergebnis ist so absurd komisch, dass man es einfach akzeptiert. Man kann einen Mulder genießen, der erst auf- und dann abdreht. Und es ist überraschend, wie sehr der Agent auf Country-Music abfährt und zum König der Tanzfläche wird. In seinem Rausch treten dann auch noch die "Einsamen Schützen" auf: jenes Trio von Verschwörungstheoretikern, die den Agenten in der Vergangenheit geholfen haben. Bis zu ihrem Tod in der 15. Episode der neunten Staffel. In Mulders Drogen-Fantasie zeigen sie sich noch einmal – ebenso wie der "Kettenraucher", der wortwörtlich die Peitsche schwingt.

Und natürlich beherbergt Mulders Trip auch den Schlüssel, um die Terrorzelle am Ende auffliegen zu lassen. Dass Einstein später gesteht, ihm gar keine Drogen gegeben zu haben, sondern nur ein Placebo, macht das Ganze dann aber sehr erzwungen unerklärlich. Wenn man beide Augen zudrückt, kann man dennoch damit leben. Dafür ist es zu unterhaltsam.

Widersprüche sind das Hauptthema der Episode

Die Folge ist zugegeben sehr kurzweilig, aber sie steckt voller Widersprüche. Aber eben das scheint das Hauptthema der Episode zu sein. Das ernste Thema des Terrorismus wird verbunden mit dem lächerlich absurden Trip von Mulder. Der Versuch der Homeland-Security, die Terrorgefahr unter den Teppich zu kehren, steht im Widerspruch zur Krankenschwester mit ihren wirren Verschwörungstheorien. Die rationale Einstein arbeitet mit dem buchstäblich irrationalen Mulder zusammen, während die vernünftige Scully mit dem für unorthodoxe Methoden offenen Miller kooperiert. Im Fernsehen hört man immer wieder, wie Experten über die widersprüchlichen Grenzen der Meinungsfreiheit streiten – ohne ein Ergebnis. Und am Ende treffen sich Scully und Mulder, gehen wie ein altes Liebespaar spazieren und philosophieren über den Widerspruch von bedingungsloser Mutterliebe, die Kinder erfahren und alles zerstörenden Hass, der sie als Erwachsene zu Gräueltaten antreibt.

Eine Lösung gibt es nicht, nur die Feststellung, dass die Widersprüche überwunden werden müssen. So wie Agentin Einsteins strikte Ablehnung des Übernatürlichen aufgeweicht wird. Die Folge hinterlässt den Zuschauer durchaus nachdenklich – und das macht sie zu einer der stärkeren Episoden des Reboots. Wir stellen uns aber eine große Frage: Sind die Agenten Einstein und Miller die designierten Nachfolger von Scully und Mulder, wenn sie endgültig ihren TV-Dienst quittieren?

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