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Erfolgsbilanz einer Kultsendung
"Aktenzeichen XY... ungelöst" wird 50

Aktenzeichen XY ... ungelöst wird im Oktober 2017 50 - Erfolgsbilanz einer Kultsendung
Rudi Cerne, Moderator von "Aktenzeichen XY ...ungelöst" (Archivfoto). FOTO: dpa
München. Am Freitag feiert die ZDF-Fernsehreihe "Aktenzeichen XY... ungelöst" ihr 50-jähriges Bestehen. Mehr als 600 Mordfälle konnten in den vergangenen Jahrzehnten mithilfe der Sendung aufgeklärt werden. Ein Rückblick. 

Fast drei Monate fahndet die Polizei 1968 erfolglos nach dem Mörder des Solinger Verlegers Bernhard Boll - dann geben die Ermittler den Fall an Eduard Zimmermann: Nur zwölf Stunden, nachdem "Ganoven-Ede" in "Aktenzeichen XY ... ungelöst" die Geschichte präsentiert, wird ein Landstreicher wegen Raubmords festgenommen. Der Fall war der erste aufgeklärte Mord in der nun seit 50 Jahren laufenden Fernsehreihe.

Mittlerweile konnten laut ZDF-Statistik 623 Morde mit Hilfe von "Aktenzeichen XY" aufgeklärt werden, dazu kommen 95 versuchte Morde, 401 Raubüberfälle und 352 Betrugsfälle. Auch 48 Vermisstenfälle löste die Sendung mit Hilfe der Fernsehzuschauer - wobei die Aufklärungsrate hier mit 33,6 Prozent unter der Gesamtquote liegt. Laut ZDF konnten 40,4 Prozent aller im Lauf der Jahrzehnte vorgestellten 4586 Fälle aufgeklärt werden.

"Einfache wie brillante Idee"

Dass zum 50-jährigen Jubiläum der Erstausstrahlung am 20. Oktober Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) "die einfache wie brillante Idee" als Revolution der Strafverfolgung lobt oder der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, eine "bahnbrechende Pionierarbeit" sieht, war 1967 allerdings noch nicht abzusehen. In der aufkommenden antiautoritären Studentenbewegung fürchteten viele einen Nährboden für Denunziantentum durch die ZDF-Sendung.

Der Schriftsteller Heinrich Böll nannte die Sendung ein "muffiges Grusical für Spießer". Die spätere RAF-Terroristin Ulrike Meinhof verlangte: "Dem Fernsehsheriff muss das Handwerk gelegt werden." Zimmermann landete bald danach sogar auf einer der Todeslisten der RAF. Der 1997 als Moderator ausgestiegene und 2009 verstorbene Zimmermann thematisierte dennoch immer wieder die Taten der RAF und bat um Mithilfe - genau wie es auch der jetzige Moderator Rudi Cerne macht.

Zu den spektakulärsten aufgeklärten Fällen zählt der Mord an vier Bundeswehrsoldaten im Saarland 1969. Die Wahrsagerin Madame Buchela konnte den Fall aufklären, weil sie die Mörder nach einem Hinweis in dem Fernsehbeitrag als ihre Kunden identifizieren konnte. Madame Buchela zählte zu den Stammzuschauerinnen. In den Hochphasen schalteten etwa 30 Millionen Menschen bei "Aktenzeichen XY" ein, inzwischen sind es immerhin noch fünf Millionen.

Reiz der Realität

Als entscheidendes Erfolgsrezept gilt der Gruselfaktor, dass hier über reale Taten berichtet wird - und dies mit Ausnahme von Moderator Cerne und zum Nachspielen von Fällen eingesetzter Schauspieler auch mit echten Ermittlern. Polizisten oder Staatsanwälte sind real - die manchmal ungelenke, bürokratische Art der Ermittler, die Zusammenhänge zu formulieren, gehört zur Authentizität.

In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" berichtete der schon seit 1986 an der Sendung mitwirkende Beamte des bayerischen Landeskriminalamts, Alfred Hettmer, dass eigentlich nur die schwierigen Fälle in die Sendung kommen. Erst wenn die Polizei mit ihren sonstigen Mitteln "das Ende der Fahnenstange erreicht hat", werde auf "Aktenzeichen XY" zugegriffen.

Und dies auch international: 220 Fälle aus der Schweiz und 193 aus Österreich wurden schon gelöst. Nur die belgischen Kriminellen scheinen zu raffiniert für die deutschen Fernsehfander zu sein: Insgesamt fünf Fälle aus Belgien kamen in der Sendung vor, kein einziger konnte aufgeklärt werden.

"Bleiben Sie sicher", sagt der seit 2002 moderierende Cerne zum Ende jeder Sendung seinem Publikum. Und die Zuschauer wissen doch, dass es weiter die Verbrechen geben wird, bei denen die Täter unerkannt durch die Lande streifen - bis sie vielleicht mit Hilfe von "Aktenzeichen XY" und dem entscheidenden Tipp eines Zuschauers doch gefasst werden.

(mro/AFP)
 
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