| 09.14 Uhr

München
Als Ersatz-Oma ins Paradies

München. Die Komödie "Das Kindermädchen: Mission Mauritius" zeigt, wie man mit einer guten Idee nach Mauritius kommt. Von Barbara Just

Gerade noch hat sich Henriette Höffner (Saskia Vester), genannt Henni, am Geldautomaten vorgedrängelt. "Notfall", erklärt sie dem Mann neben ihr entschuldigend und steckt ihre Karte in den Schlitz. Die bleibt auch gleich eingezogen, denn "Keine Auszahlung möglich", heißt es auf dem Bildschirm. Die Münchnerin ist pleite. Ein neuer Job muss her. Doch mit 58 Jahren und ohne Ausbildung kein leichtes Vorhaben. Alle möglichen Aushilfstätigkeiten hat Henni im Laufe ihres Lebens schon gemacht, so dass der freundliche Herr beim Jobcenter (Jürgen Tonkel) nicht mehr weiß, wohin er sie noch vermitteln soll.

Da klingelt ihr Handy. Enkel Toby (Anton Petzold) ist dran und berichtet niedergeschlagen von einer "5" in Mathe. Aber das sei doch keine Katastrophe im Gegensatz zu Tsunamis oder Erdbeben, beruhigt ihn die Oma. Er solle einfach zu ihr nach Hause kommen und sich mit einer Nussschokolade trösten. "Mit Kindern können Sie", findet der Berater. Das wäre was. Aber ohne diesbezügliche Ausbildung und pädagogische Erfahrung? "Heutzutage ist ja auch der US-Präsident sowas wie ein Einsteiger", entgegnet die Lebenskünstlerin.

Von Martin Rauhaus stammt das Drehbuch für den Freitagabendfilm "Das Kindermädchen: Mission Maurtius", der heute im Ersten zu sehen ist. Gleich beim ersten Lesen, erzählt Vester, habe sie das Gefühl gehabt, die Rolle sei ihr auf den Leib geschrieben. "Das muss ich machen", war die Schauspielerin überzeugt. Natürlich habe diese Henni eine ganz andere Biografie. "Aber sie ist halt auch so ein Bauchmensch und kein Kopfmensch und hasst Ungerechtigkeiten." Dazu komme Temperament und Ehrlichkeit. "Das ist schon viel, was mich auch ausmacht", meint Vester.

Doch während die Schauspielerin in einer nach eigenen Worten privilegierten Lage ist und selbst in der Lebensmitte viel zum Drehen und Spielen bekommt, muss die Hauptfigur im Film erfindungsreich sein. Ihr Enkel hilft ihr, eine Website zur Vermittlung von angeblichen Premium-Kindermädchen zu entwerfen. Und als einzige zu habende exklusive Kinderbetreuerin führt sie die erste Aufgabe nach Mauritius samt Flug in der Business-Klasse mit allen Annehmlichkeiten.

Peter Gersina hatte die Regie bei den Dreharbeiten in München und auf der Insel. So ein wenig Urlaub nebenbei zwischen Palmen, Sand und Meer sei für sie bei einer strammen Sechs-Tage-Woche nicht drin gewesen, sagt Vester. Henni dagegen sieht das anders. Gelandet ist sie bei dem deutschen Hotelmanager Dieter Waldner (Stephan Grossmann), der nach dem Tod seiner Frau in das Leben seiner beiden Töchter wieder Struktur bringen möchte.

Teenie Marie (Pia Soppa) und die jüngere Schwester Stella (Ella Gertz) schließen das unkonventionelle Kindermädchen bald ins Herz. Dabei definiert Henni "Hausaufgaben-Betreuung" mehr als "Hausaufgaben-Beobachtung" aus dem Liegestuhl, und ihre ausgewogene Küche besteht aus bayerischen Spezialitäten. Als sie den Kindern einen Tag schulfrei gibt und mit ihnen einen Ausflug macht, hat sie diese endgültig auf ihrer Seite, aber zugleich das Missfallen des Vaters.

Kindern auf Augenhöhe begegnen, das ist etwas, was auch Vester in ihrer eigenen Familie immer gepflegt hat. Nur die Menschenkenntnis von Henni, die letztlich den Vater auch davor bewahrt, sich nicht für die falsche Frau zu entscheiden, die fehle ihr, so die Schauspielerin. Berührend kommt im Film jene Szene rüber, als Stella mit Henni in einer Mariengrotte eine Kerze für die Mutter anzündet und ihr dankt, dass diese den Mädchen einen "Engel" geschickt habe.

Fasziniert hat Vester bei ihrem Aufenthalt auf Mauritius, dass hier alle Religionen von Christen über Buddhisten, Hinduisten, Juden und Muslimen friedlich und tolerant nebeneinander lebten. "Das finde ich ein schönes Vorbild für die Welt." Deutlich werde so, man könne den anderen Glauben eines Menschen respektieren.

"Das Kindermädchen: Mission Mauritius", Das Erste, 20.15 Uhr

(kna)
 
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