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Anja Reschke in den Tagesthemen
ARD-Frau prangert Hass im Internet an

Anja Reschke spricht in den Tagesthemen Klartext über Hass im Internet
Jeder müsse Haltung zeigen, kommentierte Anja Reschke in der ARD. FOTO: Screenshot ARD
Düsseldorf. Die Flüchtlingsdebatte liefert im Internet Zündstoff für fremdenfeindliche Kommentare. Das konnte Anja Reschke vom NDR offenbar nicht länger mit ansehen. In den ARD-Tagesthemen am Mittwochabend sprach sie Klartext – und bekommt dafür in den sozialen Netzwerken viel Lob, aber natürlich auch Kritik.

"Wenn ich jetzt hier öffentlich sage, Deutschland solle auch Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen, was glauben Sie, was dann passiert?" – Mit diesen Worten beginnt Anja Reschke ihren Kommentar bei den Tagesthemen. Sie sagt, es sei nur eine Meinung und man könnte sachlich darüber diskutieren, doch sie würde eine Flut von Hasskommentaren bekommen.

Man könne sagen, Idioten gebe es immer, man solle diese am besten ignorieren, so Reschke, doch es seien eben nicht nur Worte, sondern es gebe Anschläge auf Flüchtlingsheime und mehr rechtsextreme Taten. "Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun, dagegen halten, Mund aufmachen, Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen."

Klartext im tagesthemen/ Kommentar von Anja Reschke: (@tagesschau)"Wenn ich mich jetzt hier hinstelle und ö...

Posted by Panorama on  Mittwoch, 5. August 2015

Es sei mal wieder Zeit für den Aufstand der Anständigen, sagt sie am Ende noch – und dass sie sich jetzt schon auf die Kommentare freue. Und die gab es tatsächlich zu Hauf. Auf der Facebook-Seite der ARD-Sendung "Panorama", die Reschke moderiert, wurde der Beitrag bis Donnerstagmorgen mehr als 31.000 Mal geteilt, bekam über 43.000 Likes und mehr als 2000 Kommentare. 

Darunter war viel Lob für die deutlichen und klaren Worte Reschkes. "Danke an Frau Reschke. Und Danke euch von Panorama - Manchmal glaubt man es gäbe nur noch Haters. Jeder der menschlich bleibt ist ein Lichtstrahl der Hoffnung", heißt es etwa in einem Kommentar. "Wer schweigt, macht sich mitschuldig an brennenden Flüchtlingsunterkünften. Über Ängste kann man und muss reden, aber bei Menschenverachtung ist Schluss. Danke für die klaren Worte", schreibt ein anderer Facebook-Nutzer - oder auch: "Danke und meinen tiefen Respekt".

Aber Reschke bekam auch jene Kommentare zu hören, über die sie vorher in ihrem Kommentar gesprochen hatte. Von "Gutmenschen" ist da die Rede, davon, dass man ja "nichts gegen Ausländer habe", solange sich diese benehmen würden. Dass man doch nicht gleich ein Nazi oder auch Rassist sei, wenn man Bedenken äußere. "Hallo Frau Reschke, von der ARD erwartet man in keinerlei Hinsicht auch nur irgend etwas und dem werden Sie gerecht", schreibt ein Facebook-Nutzer.

Und es gibt diejenigen, die ebenfalls Hasskommentare wegen eines eigenen Kommentars erhalten haben und dies nun kundtun. So schreibt eine Facebook-Nutzerin: "Ich mache mich gerade auch eher unbeliebt dadurch, dass ich fremdenfeindliche Propaganda hier im Netz kritisch kommentiere. Leider fühle ich mich da sehr in der Minderheit."  

 

(das)
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