| 07.52 Uhr

TV-Kritik Anne Will
Das Lächeln der Beate Zschäpe

Anne Will: Beate Zschäpe und ihr Lächeln überzeugen nicht
Anne Will diskutierte am späten Abend über die Aussagen von Beate Zschäpe im NSU-Prozess. FOTO: ARD Screenshot
Düsseldorf. Der Talk mit Anne Will befasst sich nach der Aussage im NSU-Prozess mit der Glaubwürdigkeit von Beate Zschäpe. Ihr Lächeln kauft ihr nicht einer der Gäste ab. Der Talk im Schnell-Check. Von Philipp Stempel

Darum ging  es:

Am Mittwoch hat Beate Zschäpe, Hauptangeklagte im NSU-Prozess, ihr Schweigen gebrochen und eine Erklärung abgeben lassen. Mit den Morden will sie nichts zu tun gehabt haben, Angehörige der Opfer reagierten empört. Wie schätzen Kenner des Prozesses ihre Aussagen ein? Was bedeuten sie für die Aufklärung der Taten des NSU?

Die Gäste:

Unter dem Titel "Die Zschäpe-Aussage - Werden die NSU-Taten aufgeklärt?" diskutieren bei Anne Will vier Menschen, die eng mit dem NSU-Prozess verbunden sind:

  • Clemens Binninger (CDU), Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschuss
  • Mehmet Gürcan Daimagüler, Opferanwalt der Nebenklage
  • Gisela Friedrichsen, Gerichtsreporterin des Spiegel
  • Günther Beckstein (CSU), ehemaliger bayerischer Ministerpräsident und Innenminister

Frontverlauf:

In der Beurteilung der Aussagen Zschäpes sind sich die Gäste weitgehend einig. Ihr Urteil: Die Erklärung war nicht mehr als ein Versuch, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Streit gibt es erst später, als Anwalt Daimagüler der Polizei Rassismus in den Köpfen vorwirft. Das will Beckstein so nicht stehen lassen. In Bayern sei auch in rechtsextremen Kreisen ermittelt worden.

Stärkste Aussagen:

Gleich zu Beginn fällen drei Gäste ein vernichtendes Urteil über Zschäpe. Gerichtsreporterin Friedrichsen beschreibt sie als eine manipulative Person, Binninger hält die Aussage für eine Inszenierung ohne Erkenntnisgewinn. Daimagüler bezeichnet ihre Erklärung gar als schlecht aufgeschriebenes Script einer zweitklassigen Soap.

Kernargument:

Keine Authentizität, keine Menschlichkeit, keine Reue. So vor allem das Urteil von Friedrichsen und Daimagüler.

"Sie hätte von Anfang an zeigen können, dass sie menschlich ist", sagt Friedrichsen. Zum Beispiel als der Vater des getöteten Jungen Halit Yozgat sich auf den Boden geworfen habe, um zu zeigen, wie er seinen toten Sohn aufgefunden hatte. "Eine Szene, die uns allen das Herz zerrissen hat", wie sich Friedrichsen erinnert. Zschäpe aber habe geguckt, als ob sie das alles nichts angehe.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Daimagüler. Die Opfer hätten vor allem Antworten auf die Frage erhofft: Warum unser Vater? Warum mein Bruder? Von Zschäpe kein Wort dazu. "Das, was wir heute vorgesetzt bekamen, fand ich zum Teil einfach gruselig", sagt der Anwalt. "Dieses aufgesetzte, in keiner Form authentische Darstellen, total technisch, nicht der Hauch einer Anteilnahme", beschreibt er seine Eindrücke von Zschäpes Auftritt. "Noch nicht mal die Namen der Opfer hat sie genannt", wirft Friedrichsen ein.

Auffälligster Gast:

Ist zweifelsfrei Anwalt Daimagüler. Aus jedem Satz spricht großes Engagement. Nicht nur Beckstein und die Polizei attackiert er, sondern auch die Bundesanwaltschaft. Der Behörde rät er zu mehr Demut, weil noch längst nicht alles aufgeklärt worden sein.

Erkenntnis:

So beklemmend manche Beobachtungen aus dem Prozess auch sind – für einen Talk eignete sich das Thema nur bedingt. Vieles bleibt spekulativ, eine echte Auseinandersetzung mit Pro und Contra bleibt aus.

Hier der Talk in der Aufzeichnung der ARD

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