| 08.15 Uhr

TV-Nachlese Anne Will
Das griechische Referendum sorgt für erhitzte Gemüter

Anne Will: Das griechische Referendum sorgt für erhitzte Gemüter
Anne Wills Talkrunde zum Thema griechisches Referendum. FOTO: Screenshot ARD
Düsseldorf. Ganz Europa spricht über das griechische Referendum. Entsprechend wollte Anne Will von ihren Gästen wissen, ob es denn nun eine Chance für Europa sei oder eine Provokation. Missverstanden jedenfalls fühlte sich in diesem Talk fast jeder. Von Dana Schülbe

"Chaos ist ein griechisches Wort, und spätestens seit dieser Woche wissen wir auch warum", leitete Anne Will ihren Talk am Mittwochabend ein angesichts des griechischen Schuldendramas, der immer neuen Vorschläge von Ministerpräsident Alexis Tsipras, die – wie Talkgast Pierre Gramegna betonte – in der EU für Verwirrung sorgten, und des für den Sonntag angekündigten Referendums. 

Aber kann das wirklich die Lösung der Krise sein? Und was bezweckt der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras eigentlich damit? Fragen, die Anne Will in ihrem Talk mit folgenden Gästen klären wollte: Unionsfraktionsvorsitzender Volker Kauder, Sahra Wagenknecht von der Linken, Giorgos Chondros von Syriza und eben Pierre Gramegna, Finanzminister von Luxemburg.

Griechische Rentner strömen zu den Banken FOTO: afp, am/JK

Diese zeigten einmal mehr, wie verhärtet die Fronten aller Lager derzeit sind. Insbesondere Volker Kauder geriet gleich mehrfach sowohl mit Sahra Wagenknecht als auch mit Giorgos Chondros aneinander. Die EU habe sich "redlich bemüht, allen zu helfen", die in Schwierigkeiten gewesen seien, sagte er. Und alle hätten diese überwunden – außer Griechenland. Ein Standpunkt, der aus den Reihen der Bundesregierung ständig wiederholt wird. Und wer den Verhandlungstisch verlässt, der könne nicht denjenigen, die am Tisch blieben, die Schuld geben – "so einfach ist das". 

Als Wagenknecht zum wiederholten Mal minutenlang darüber referierte, dass doch nur die Banken gerettet worden seien, gegen die Reichen nichts unternommen worden sei (wohlgemerkt nach ihrer Ansicht vonseiten der EU) und sie den Vorschlag der Gläubiger zudem einen "Giftcocktail" nannte, platzte Kauder die Hutschnur. Er kenne das ja aus den Diskussionen im Bundestag, dass sie immer weiter rede, aber das mache es nicht besser. "Wenn man so argumentiert, wie sie es machen, kann man verstehen, warum ein sozialistisches System nicht funktioniert", warf er der Linken-Politikerin entgegen.

Griechenland: Die wichtigsten Personen am Verhandlungstisch FOTO: dpa, soe kno

Er sprach von "falscher Propaganda", die Wagenknecht mache, warf ihrer Fraktion vor, sie habe nur gegen das zweite Rettungspaket gestimmt, weil damals in Griechenland keine kommunistische Regierung an der Macht gewesen sei (was ihm Buh-Rufe aus dem Publikum einbrachte) und stritt mit ihr über die Rolle des IWF.

Das Syriza-Mitglied Chondros wiederum versuchte erneut deutlich zu machen, wie schlecht es den Griechen geht und dass die Vorschläge der Gläubiger die Lage nur verschlimmern würden. Und zugleich wehrte er sich dagegen, dass immer wieder über falsche Sachen gesprochen würde, wie er es ausdrückte – woraufhin Kauder sich wehrte, dass es nicht ok sei, die Gläubiger ständig der Lüge zu bezichtigen. 

30 Juni: Tausende demonstrieren in Athen für Europa FOTO: afp, am/rma

Als Chondros wiederum darauf verwies, dass es doch bezüglich des Referendums auch um Demokratie gehe und dass diese nicht mit Ulitmaten funktioniere, konterte Kauder: "Wir haben auch Demokratie." Aber wenn man dann eine gewisse Entscheidung treffe, überschütteten die Griechen einen mit Vorwürfen wie Lügen. "Unsere Solidarität ist groß", hob er schließlich noch hervor.

Was das Referendum selbst angeht, schienen sich zumindest alle einig, dass dies durchaus legitim sei. Nur ob die Frage des Zeitpunktes die richtige sei, das stand auch hier zur Debatte. Für Chondros zeigt das nur, dass die griechische Regierung wirklich bis zum Schluss um eine Einigung gerungen habe.

Aber auch er kann nicht wirklich erklären, welchen Plan die Regierung in Athen mit ihrer Vorgehensweise verfolgt. Etwa, warum am Sonntag abgestimmt wird, Tsipras aber am Montag weiterverhandeln will. "So was ist irr", sagte Kauder. Und Chondros sagte zu Will: "Was verstehen sie daran nicht?", um es dann aber auch nicht näher zu erläutern.

Das Syriza-Mitglied aber ist sich sicher, dass nicht nur die Regierung in Athen wisse, was sie tue, sondern auch das griechische Volk. Dass die Frage auf dem Stimmzettel einfach gehalten ist und auf den Vorschlag der Gläubiger lediglich verweist statt ihn zu erläutern, findet er denn auch gar nicht schlimm. Schließlich sei dies ausführlich in Griechenland diskutiert worden. 

"Für die Griechen ist das sehr verständlich, weil sie haben in den letzten Jahren am eigenen Leib erlebt, was Sparpolitik ist", so Chondros. Worauf Will noch einmal betonte, es gehe bei der Frage des Referendums ja nicht um die Sparpolitik insgesamt, sondern um einen einzelnen Vorschlag der Gläubiger – der zudem gar nicht mehr gilt angesichts der abgebrochenen Verhandlungen.

Am Rande nicht unerwähnt bleiben sollte Pierre Gramegna, der sachlich den Stand der Dinge erläuterte und auch hervorhob, dass man ein drittes Hilfspaket brauchen werde, "das ist die Realität". Und an die Griechen gewandt sagte er, dass keiner sie daran hindere, die Reformen zu machen, die gut für das Land seien. Aber wie solle das gelingen, wenn man zu entsprechenden Vorschlägen immer wieder sage, man mache dies oder jenes nicht?

 

 

 

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Anne Will: Das griechische Referendum sorgt für erhitzte Gemüter


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.