| 13.05 Uhr

"Anne Will" diskutiert Obergrenze
Das geliebte Bargeld und Deutschland als "Hort von Kriminellen"

Anne Will in der ARD im Talk: Deutschland als "Hort von Kriminellen"
Anne Will mit ihren Gästen Christian Lindner und Michael Meister. FOTO: Screenshot ARD
Düsseldorf. Die Bundesregierung erwägt eine Bargeld-Obergrenze – für Anne Will ein Grund, das Für und Wider zu diskutieren. Während einige Gäste dies als Eingriff in die Freiheit kritisieren, sehen die anderen dies als wirksames Mittel im Kampf gegen Kriminalität. Der Talk im Schnellcheck. Von Dana Schülbe

Darum ging's

"Erst begrenzen, später gar abschaffen – nimmt uns der Staat das Bargeld weg?", lautete das Thema der Sendung. Es mag an anderen Tagen erfrischend wirken, mal keine Talkshow zum Thema Flüchtlinge zu sehen. An dem Wochenende aber, an dem ganz Deutschland über die Geschehnisse in Clausnitz diskutiert, wirkt das Thema bei Anne Will doch arg deplatziert. 

Die Runde

Eingeladen waren Michael Meister (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, FDP-Chef Christian Lindner, der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU), Nancy Schneider, Geschäftsführerin eines Leipziger Autohauses, und Peter Fissenewert, Rechtsanwalt und Mitglied von Transparency International.

Frontverlauf

Die Mehrheit der Deutschen ist laut Umfragen gegen eine Obergrenze beim Bargeld, bei Anne Will sind es Christian Lindner, Nancy Schneider und in gewissen Teilen auch Theo Waigel. Lindner und Schneider sehen einen Einschnitt in ihre Freiheit, der FDP-Mann glaubt zudem, "dass es sich hier um einen Einstieg handelt" – einen Einstieg in den Ausstieg quasi, fordert, erstmal die bestehenden Gesetze konsequent umzusetzen und fragt: "Warum muss man überhaupt begründen, dass man bar zahlen will?". Waigel ist nicht generell für eine Begrenzung, denkt aber, dass sie nicht bei 5000 Euro, sondern eher ab Größenordnungen von 10.000 Euro gelten sollte. Anwalt Fissenewert und Meister aufgrund seiner Position sind dagegen für eine Obergrenze beim Bargeld, denn "Deutschland liegt in der Mitte Europas und ist super attraktiv für Geldwäsche und Kriminalität", wie Fissenewert sagt. Meister geht sogar so weit zu sagen, dass Deutschland ein "Hort von Kriminellen" sei, was sogar Anne Will ein "Ho!" entlockt. Für Schneider dürfte das ein weiterer Beleg dafür sein, dass "alle über einen Kamm geschoren" werden.

Kuriosester Moment

Christian Lindner, dessen Partei gerade wieder Auftrieb bekommt, war an diesem Abend voll und ganz in seinem Element. Immer wieder schimpfte er und hielt eine Lobesrede nach der anderen auf das Bargeld und warf so manches Horrorszenario an die Wand. "Wenn Sie die Nadel im Heuhaufen schon jetzt nicht finden, dann macht es keinen Sinn, mehr Heu zu fordern", sondern zunächst die bestehenden Gesetze umsetzen, giftete er etwa in Richtung Meister. Und nachdem er mal wieder einen langen Monolog gehalten hat, in der er das Bild skizzierte, ohne Bargeld seien die Menschen schutzlos dem Gebührenwucher der Banken ausgeliefert, griff Anne Will ein. Fast wie zur Beruhigung legt die Moderation dem FDP-Chef die Hand auf den Arm und fragt: "Sie sind schon noch in der FDP, ne? Sie sind nicht in der Linkspartei jetzt". Lindner daraufhin: "Ja, aber sicher bin ich in der FDP. Wir sind eine Partei der Freiheit und nicht der Banken, das ist ein großer Unterschied."

Bemerkenswertester Gast

Als Ex-Finanzminister konnte sich Theo Waigel quasi entspannt zurücklehnen und den einen oder anderen Rat in Richtung Regierung geben. Ihr empfahl er, nicht gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung zu handeln. Und Waigel war es auch, der das Thema anschaulich machte, in dem er immer wieder Beispiele aus dem Alltag brachte. So wie dieses:

Er nannte Bargeld "etwas ganz Wichtiges", das "muss sinnlich erfahrbar sein". So manch einer wolle doch etwa in der Kirche nicht wie in Schweden mit Karte die Kollekte bezahlen. Und überhaupt: "Lassen Sie der älteren Generation auch die Freude am Bargeld!"

Satz des Abends

Auch der kam von Theo Waigel: "Wenn meine Enkel jetzt Zeugnisse bekommen, und ich gebe ihnen einen Schein, dann ist das doch wesentlich sympathischer als wenn ich sage, bitte gib mir deine Kontonummer."

Erkenntnis

Die Beweggründe hinter den Standpunkten aller Gäste waren in gewisser Weise für jeden nachvollziehbar. Ganze 60 Minuten Talk hätte es dafür aber nicht gebraucht, denn letztlich machten alle ihre Sichtweisen schon zu Beginn an klar. Da hätte man sich dann doch lieber einen Talk zu den aktuellen Ereignissen in Sachsen gewünscht.

Die Sendung können Sie sich in der ARD-Mediathek anschauen.

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