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Talk bei Anne Will
"Das ist keine Flüchtlingskrise, das ist eine Verwaltungskrise"

Anne Will - Talk zu Flüchtlingen: "Das ist eine Verwaltungskrise"
Anne Will mit einem Teil ihrer Gäste. FOTO: Screenshot ARD
Düsseldorf. Bei Anne Will wurde über die Flüchtlingsproblematik diskutiert und darüber, wie ernst der Protest der Bürger genommen wird – und zwar ganz sachlich und unaufgeregt. Nur ein Gast war auf Krawall gebürstet, stieß damit aber auf wenig Gegenliebe der anderen Talkrunden-Teilnehmer. Die Sendung im Schnellcheck. Von Dana Schülbe

Die Runde

Anne Will hatte sich Gäste aus den verschiedensten Bereichen eingeladen, die mit der Flüchtlingsproblematik konfrontiert sind. Da war Jan Greve von der Hamburger Bürgerinitiative Neugraben-Fischbek, der dafür plädiert, höchstens 1500 Flüchtlinge in dem Stadtteil aufzunehmen. Da war Diana Henniges von der Initiative "Moabit hilft", die seit Jahren mit Flüchtlingen arbeitet und die Behörden angreift. Ulf Küch, Kripo-Chef von Braunschweig, zeigte die Herausforderungen für die Polizei auf. Und aus der Politik waren Jan Stöß, SPD-Vorsitzender in Berlin, und Armin Paul Hampel, AfD-Vorsitzender von Niedersachsen, eingeladen.

Darum ging's

"Bürgerproteste gegen die Flüchtlingspolitik – werden sie ernst genug genommen" lautete der Titel der Sendung. Man hätte erwarten können, dass es eine streitbare Runde wird, doch letztlich zeigte sich aufgrund einer sehr sachlichen Diskussion, dass es vor allem um eines geht: um Überforderung und die Ängste, dass die Integration der Flüchtlinge misslingen kann.

Zu dieser ausgeglichen Diskussion trugen vor allem Jan Greve und Kripo-Chef Ulf Küch bei. Greve etwa betonte immer wieder, dass auch er für die Aufnahme von Flüchtlingen ist und nichts mit AfD und "Pegida" zu tun haben will – "weil das verbrannter Boden ist". Und Küch versuchte, mit Vorurteilen aufzuräumen. Henniges stimmte beiden zu, einerseits kann sie die Ängste von Greve verstehen und stemmt sich gegen eine – wie sie es nennt – Ghettoisierung durch Unterbringung in großen Lagern. Denn da herrsche eine große Unzufriedenheit. Und sie sagte auch: "In jedem Bierzelt werde ich mehr angemacht als in einem Flüchtlingsheim."

Nervigster Gast

Das war AfD-Mann Hampel, denn er versuchte Stimmung zu machen, ging auf Wills Fragen aber nicht wirklich ein. Mehrfach hatte ihn die Moderatorin gefragt, ob er es denn als seinen Auftrag begreifen würde, den Menschen die Ängste zu nehmen. Er wollte das nicht wirklich mit Ja oder Nein beantworten, sprach dann davon, man müsse diese Probleme erst mal ernst nehmen. Dann verlor er sich in AfD-Vorwürfen wie die Regierung betreibe Verfassungsbruch, sprach von einer "Arroganz der Macht", woraufhin Henniges irgendwann sagte: "Das ist Wahlkampf. Können wir bitte wieder mit den Flüchtlingen weitermachen?" Und tatsächlich unterbrach ihn Will irgendwann, da er ihr auch nicht die Frage beantworten wollte oder konnte, was er denn tun würde, wenn er zu entscheiden hätte.

Bemerkenswertester Gast

Will hatte mit Henniges und Greve schon zwei Gäste da, denen man gespannt zuhörte. Noch interessanter waren aber die Aussagen von Ulf Küch, weil man bislang auch wenig davon gehört hatte, wie denn die Polizei mit der Situation klar kommt. Meist hörte er sich die Diskussion zurückhaltend an, nickte hin und wieder, erklärte dann sachlich die Lage. Auch die Polizei sei nicht ernst genommen worden von der Politik, sagte er. Er hätte sich auch gewünscht, dass man früh mit ihnen gesprochen hätte. Und er wehrte sich gegen Falschmeldungen, die verbreitete würden. Klar, habe es mehr Kriminalität gegeben, aber Geschichten wie angebliche Vergewaltigungen durch Flüchtlinge seien einfach nicht war. Und er richtete sich dann direkt an AfD-Mann Hampel: "Da müssen sie mal einfach wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen." Man könne sich ja in der nächsten Polizeidienststelle erkundigen, wie die Lage tatsächlich ist.

Satz des Abends

"Das ist keine Flüchtlingskrise, die wir haben, das ist eine Verwaltungskrise." – Diana Henniges

Erkenntnis

Es geht tatsächlich, sachlich über Probleme zu diskutieren, die eine solch große Zahl von Flüchtlingen mit sich bringt, ohne gleich Stimmung zu machen wie es etwa auf den "Pegida"-Demonstrationen geht. Jan Greve dürfte damit vielen Menschen aus der Seele gesprochen haben, weil er deutlich machen konnte, dass man sich nicht gegen Flüchtlinge an sich wehrt. Überhaupt brachte die Sendung viele neue Einblicke, sodass sie sich von den meisten Talks, in denen es um das Thema ging, deutlich absetzte. 

Die gesamte Sendung können Sie sich in der ARD-Mediathek anschauen.

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