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Anne Will diskutiert die Homo-Ehe
"Seit wann haben wir die Iren als Maß?"

Anne Will und Homo-Ehe: "Seit wann haben wir die Iren als Maß?"
Anne Will (Mitte) und ihre Gäste zum Thema Homo-Ehe. FOTO: Screenshot ARD
Düsseldorf. Die Iren haben sich in einem Referendum für die Homo-Ehe entschieden, und auch in Deutschland ist eine Debatte darüber entbrannt. "Bekommen wir bald irische Verhältnisse?" fragte denn auch Anne Will in ihrer Talkshow – und zeigte dabei, dass sie ihn kann, den politischen Talk. Von Dana Schülbe

Gerade erst wurde bekannt, dass Anne Will auf den Sendeplatz von Günther Jauch am Sonntagabend wechselt. Der Moderator hatte sich immer wieder anhören müssen, dass er politischen Talk nicht wirklich beherrscht. Anne Will zeigte am Mittwochabend, dass sie zu den Könnern dieses Metier zählt – und zwar auch bei gesellschaftlich heiklen Themen wie der Homo-Ehe.

Eingeladen hatte sich die Moderatorin zu nächtlicher Stunde die SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi, den bayerischen Abgeordneten Thomas Goppel (CSU), Frauke Petry von der AfD und Norbert Reicherts, einen homosexuellen, selbstständigen katholischen Priester. Alle Gäste hatten ihren klaren Standpunkt und vertraten diesen vehement – insbesondere die Gegner einiger völligen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare, Petry und Goppel.

Hintergrund: In diesen Ländern gibt es die Homo-Ehe FOTO: afp, DM

Zu Beginn ging es vor allem um rechtliche Fragen. Was genau bedeutet Gleichheit? Gleichsein oder nur gleich vor dem Gesetz? Was ist Diskriminierung oder geht es nur um Differenzierung? Frauke Petry vertrat den konservativen Flügel in ihrer Partei entsprechend und wollte nicht von einer Benachteiligung sprechen. "Ich finde auch das Wort Diskriminierung an dieser Stelle nicht angebracht." Um dann das Argument zu bringen, dass viele Gegner der Homo-Ehe bringen, wenn es um Adoptionsmöglichkeiten geht: Dass ein Kind Mutter und Vater braucht. Und dass eine Familie doch immer noch Vater, Mutter und Kind seien. Das sei für sie Ehe.

Ein Moment, in der Anne Will ihr Können demonstrierte, indem sie eine wirkliche Diskussion in Gang zu bringen wusste. Sie hakte nach, fragte Petry, ob denn dann ein 72-jähriges Paar, dass sich erst im Altersheim kennenlernt, nicht mehr heiraten dürfe und ob sie denn von diesen dann auch noch erwarte, dass sie Kinder bekämen. 

Fotos: Promis und ihre Partner FOTO: dpa, wo bl kde

Auch bei Fahimi hakte Will mehrfach nach, wies darauf hin, dass die SPD selbst auch schon andere Positionen vertreten hat und warum sie sich denn jetzt nicht in der Regierung mit ihrem Ruf nach der Homo-Ehe durchsetze – woraufhin Fahimi ganz folgerichtig erklärte, dass man der kleinere Koalitionspartner sei und ja nicht allein regierte. 

Wie schwierig es denn auch ist, in der Union eine gemeinsame Linie zu finden, machte Goppel deutlich, der vehement gegen die Homo-Ehe argumentierte und somit mit Petry auf einer Wellenlinie lag. Auch er bestand beim Ehe-Begriff auf Vater, Mutter, Kind – und musste sich von Reicherts anhören, dass es nicht darum gehe, wie Ehe zu definieren sei, sondern um gleiche Rechte vor dem Gesetz. Goppel kontert: Es geht um das, was Sie wollen. 

Diese Promis hatten ihr Coming-out FOTO: ap

Überhaupt gerieten die beiden immer wieder aneinander, sodass sich Reicherts, der 1998 ebenso wie sein Lebenspartner in der Gemeinde gekündigt hatte, aber nach wie vor als Priester anerkannt ist, später auch angegriffen fühlte ("Jetzt reicht es!"), als Goppel ihm vorwarf, dass er nicht zurechtkomme mit seiner Lebensweise. Und überhaupt, so Goppel am Ende der Sendung: "Seit wann haben wir die Iren als Maß?"

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