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"Haushalts-Check" in der ARD
Kaffeekapseln sind "Mogelpackung deluxe"

13 Fakten über Kaffee
13 Fakten über Kaffee FOTO: Corinna Kuhs
Düsseldorf. "Was ist der beste, leckerste und nachhaltigste Kaffee?" lautete das Thema des "Haushalts-Check" in der ARD mit Yvonne Willicks. Sie verriet das Geheimnis eines perfekten Kaffees. Von Jessica Balleer

Insgesamt 162 Liter Kaffee konsumieren die Deutschen durchschnittlich pro Jahr. Laut einer Studie der "Harvard University" verlängert der maßvolle Kaffeegenuss sogar die Lebenserwartung. Gleich zu Beginn der Sendung huldigten die Befragten ihrem Lieblingsgetränk: "Das Erste, was ich morgens mache", "Ohne, habe ich Kopfschmerzen" und "Ich liebe den Kaffeeduft".

Wie man den besten Kaffee zubereitet

In der Kölner Kaffeerösterei von Maren Ernst stellte Yvonne Willicks unterschiedliche Zubereitungsarten vor. Auf den hinteren Plätzen landeten die "French-Press", die "Filterkaffee-Maschine" und der "Kaffee-Syphon". Platz eins teilten sich der Handfilter und die "Aeropress". Beim Filter ist entscheidend, dass er chlorfrei gebleicht ist und gewaschen wird, damit der Geschmack nicht beeinträchtigt und Papierstaub entfernt wird. Je fließender Kaffee gebrüht wird, desto weicher wird er. Beim Handfiltern sollte er 30 Sekunden aufquellen und das Wasser kreisförmig nachgegossen werden. Bei hartem Wasser sollte auch dieses gefiltert werden – für den optimalen Genuss.

Größe und Farbe der Kaffeebohne entscheidend

Testbohnen aus dem Discounter offenbarten Defizite im Röstbild: Unterschiedliche Farben und Größen waren Anzeichen für mindere Qualität. Viele verbrannte Bohnen waren ebenfalls zu sehen. Testsieger hingegen war der "Bio Fairtrade-Kaffee", der mit gleichmäßig großen, hellen Bohnen das beste Röstbild abgab. Wer vorgemahlenen Kaffee nutzt, sollte auf schonende "Langzeit-Röstverfahren" achten. Günstige Massenware im Discounter werde laut des ARD-Checks oft in schnellen Röstverfahren (zwei bis acht Minuten) bei hohen Temperaturen geröstet. Dabei entwickelt er Säure und verliert Aroma.

Kapselmaschinen im Trend – Teuer ist nicht besser

Vollautomatisierte Kapselmaschinen sind im Trend. In den vergangenen Jahren stiegen die Verkaufszahlen um 1500 Prozent. Bei der Dekra Stuttgart prüfte Yvonne Willicks drei Kapselmaschinen: die "Expressi" (70 Euro), die "Nespresso Inissia" (90 Euro) und "Tassimo Bosch" (109 Euro). Veränderungen des Wassers in Geruch und Geschmack wurden bei dem teuersten Produkt festgestellt. Rauchgeschmack entstand laut der Dekra durch Kunststoffteile. Auch bei der Handhabung und Bedienung überzeugten die günstigeren Modelle. Wegen der Gebrauchstauglichkeit, des großen Wassertanks und der Haptik siegte die günstigste Maschine.

Kaffeekapseln als "Mogelpackung deluxe"

Unökologisch und energieintensiv lautete das niederschmetternde Urteil zu Kaffeekapseln. 40.000 Tonnen Verpackungsabfall fallen bei der Herstellung an, das entspricht dem Gewicht von 33.000 Kleinwagen. Zudem stimme das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht: In vielen Fällen sei beispielsweise kein Vollmilchkonzentrat enthalten, sondern "milchähnliche Erzeugnisse", Verdickungsmittel und Wasser. Neben schlechter Qualität, war auch die Füllmenge bei 51 von 56 geprüften Kapseln geringer als angegeben. Willicks nannte sie eine "Mogelpackung deluxe". Und riet auch von angeblich verrottbaren Kapseln ab: Ihr Test ergab, dass sie sich auch nach zwölf Wochen im Komposthaufen nicht zersetzt hatten. Willicks Tipp: Wiederbefüllbare Kapseln für das "umweltreine" Gewissen.

Was die Fairtrade-Siegel bedeuten

Welche Bedeutung haben die Fairtrade-Siegel? Aufklärung gab der "Haushalts-Check" auch hier: "UTZ certified" bedeutet nur, dass nachhaltiger Anbau gewährleistet wird, nicht aber der faire Handel. "Fairtrade" hingegen gibt Kleinbauern die Chance, auf dem Weltmarkt Bohnen zu stabilen Preisen zu verkaufen. Außerdem soll es gewährleisten, dass es keine Kinderarbeit auf den Plantagen gibt. "fair+" ist noch eine Stufe höher, hier werden Zuschläge für eine besonders hohe Kaffee-Qualität gezahlt.

Coffee to go – 2,8 Milliarden Pappbecher

Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe schockte mit Blanken Zahlen zum Coffee-to-go-Becher: Pro Tag werden allein in Berlin 500.000 Pappbecher benutzt. In Deutschland sind es 7,6 Millionen täglich – und jährlich etwa 2,8 Milliarden (!). Problematisch beim Recyceln sei vor allem die Kunststoffbeschichtung auf der Innenseite der Becher. Eine Alternative wären Mehrweg-Becher. Das aber lehnen viele Städte und Unternehmen aus hygienischen und finanziellen Gründen ab.

Das Fazit

Der Kaffeegenuss ist und bleibt individuell. Das persönliche Geschmacksempfinden ist entscheidend dafür, ob man italienischen Kaffee aus der Maschine oder die hippe, handgefilterte Alternative mit fair gehandeltem Kaffee bevorzugt. Gegenargumente gibt es nur gegen Kapselsysteme, die oft Mogelpackungen sind und höchst schädlich für die Umwelt.

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