| 09.14 Uhr

Arte-Film "Töchter"
Familiäre Ersatzbeziehung

Berlin. Manchmal ist die Beziehung zwischen Eltern und Kindern völlig zerstört, wie im Arte-Film "Töchter".

Agnes (Corinna Kirchhoff) ist Deutschlehrerin, eine Frau in den Fünfzigern, blond und etwas verhärmt aussehend. Kein Wunder, denn ihre Tochter Lydia ist schon vor einigen Jahren verschwunden. In Berlin wird nun ihr Studentenausweis gefunden, bei einem toten Mädchen, das aber zum Glück nicht Lydia ist. Agnes wendet sich an die Polizei, die ihr rät, wieder nach Hause zu fahren. Doch Agnes macht sich in der Hauptstadt auf die Suche. Sie mietet sich einen Wagen (mit dessen Automatikschaltung sie nicht klarkommt), nimmt sich ein Hotelzimmer (in dem sie nicht schlafen kann) und fährt ziellos durch die Stadt (in der sie sich überhaupt nicht zurechtfindet).

Dann trinkt sie eines Abends etwas zu viel und hat einen Unfall. Eine junge Frau läuft ihr ins Auto. Dieser ist zum Glück nichts passiert. Es ist Ines (Kathleen Morgeneyer), die mal Medizin studiert hat und jetzt obdachlos ist. Die beiden einsamen Frauen klammern sich sofort aneinander. Sie fahren durch die Nacht, hören im Auto klassische Musik, zitieren Heinrich Heine ("Ich hab' im Traum geweinet") und trinken Wein aus der Flasche, quatschen und streiten sich. Im Hotelzimmer kommt es sogar zu Zärtlichkeiten und Handgreiflichkeiten. Später findet Agnes heraus, dass Ines (die im selben Alter sein müsste wie Lydia jetzt) sich schon öfter vor einen Wagen geworfen hat, um "gerettet" zu werden.

Regisseurin Maria Speth sagt in einem Statement des Senders über ihren Film, Agnes und Ines würden ihre familiären Verletzungen mit sich tragen, als sie sich begegnen. "Als Mutter und als Tochter. Mit der Chance, sich in diesen Rollen anders zu erfahren. Oder sich zu wiederholen." Mittelpunkt sind also zwei zutiefst verzweifelte und völlig vereinsamte Frauen, denen diese Verlorenheit förmlich auf der Stirn geschrieben steht.

Zu sehen sind graue Bilder einer grauen Stadt. Jegliche Emotionen sind auf Eis gelegt. So bleibt stets eine seltsame Distanz, eine Identifikation mit einer der Hauptfiguren ist kaum möglich, man quält sich regelrecht durch diesen sehr ambitionierten Film. Eine Entwicklung der Figuren ist nicht wahrnehmbar, deren Handeln bleibt ungreifbar, auch mangels Vorgeschichte.

"Töchter", Arte, 21.45 Uhr

(dpa)
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