| 16.15 Uhr

Berlin
Packende Selbstfindung im Ersten

"Aus der Haut" in der ARD: Packende Selbstfindung im Ersten
FOTO: MDR/UFA Fiction/Michael Kotschi
Berlin. In "Aus der Haut" stellt das Coming-out eines 17-Jährigen die Ehe seiner Eltern auf die Probe. Von Klaus Braeuer

Alles scheint völlig normal zu sein: Eine Familie in einem schönen Eigenheim, der Vater hat gut zu tun, die Mutter auch, beide kümmern sich mehr oder weniger gut um den einzigen Sohn. So sieht es zunächst aus in dem Film "Aus der Haut", der heute (20.15 Uhr) im Ersten zu sehen ist. Doch schon bald ist gar nichts mehr normal.

Der 17-jährige Sohn Milan (Merlin Rose) betrinkt sich sinnlos, steigt in das Auto des Vaters und verursacht einen schweren Unfall - wohl in der Absicht, sich umzubringen. Mutter Susann (Claudia Michelsen) und Vater Gustav (Johann von Bülow) stehen später ratlos an Milans Bett im Krankenhaus und fragen sich, warum er das getan hat. Später zeigt sich: Milan hat mit seinem besten Freund Christoph (Leonard Proxauf) getrunken, herumgealbert und dabei versucht, ihn zu küssen. Was dieser nicht so prickelnd fand - und wütend davonlief.

Als Milan aus der Klinik wieder zu Hause ist, ringt er weiter mit sich, kann kaum aus seiner Haut. Doch dann endlich gesteht er seinen Eltern, dass er schwul ist. Die reagieren ziemlich gelassen: "Endlich wird alles wieder normal." Das stimmt aber nicht ganz, denn nun wird deutlich, dass beide Eltern mit der unverhofften Nachricht und vor allem mit ihrer Ehe hadern: Susann beginnt eine Affäre mit einem anderen Mann, während Gustav allein für sich entscheidet, einen Job in Berlin anzunehmen. Derweil lernt Milan in der Straßenbahn den Fotografen Harro (Manuel Rubey) kennen, schläft mit ihm und verliebt sich in ihn, leider unglücklich.

Autor Jan Barren und Regisseur Stefan Schalter legen im Film großen Wert auf die Glaubwürdigkeit und das Beziehungsgeflecht der drei Familienmitglieder untereinander. Es zeigt sich, dass ihr Zusammenleben auf einer wackligen Basis steht. Alle drei Schauspieler agieren durchweg glaubhaft, und vor allem Merlin Rose nimmt man mit seinem leidenschaftlichen Spiel die Figur des zerrissenen jungen Mannes voller Selbstzweifel und Scham ab. Manchmal muss man eben buchstäblich aus der Haut fahren, damit alles endlich richtig laufen kann.

"Aus der Haut", ARD, 20.15 Uhr

(dpa)
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