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Start von "Bauer sucht Frau"
Schiefe Grammatik, schiefes Grinsen – perfekte Inszenierung

Fotos: "Bauer sucht Frau" 2015 – Bilder vom Scheunenfest
Fotos: "Bauer sucht Frau" 2015 – Bilder vom Scheunenfest FOTO: RTL / Stefan Gregorowius
Düsseldorf. Zwei Stunden lang suchten am Montagabend zur besten Sendezeit wieder Landwirte aus ganz Deutschland im Auftrag von RTL nach der großen Liebe. Doch zehn Jahre nach der Erstausstrahlung hat das Format seinen Charme verloren. Was bleibt, ist eine sinnlose Aneinanderreihung langweiliger und plumper Versuche, die Akteure der Lächerlichkeit preiszugeben. Von Laura Ihme

Trash-TV funktioniert ja stets nach demselben Muster: Zunächst ist eine Sendung verpönt, bietet höchstens Unterhaltung für die vermeintlich schlechtere Hälfte von Fernsehdeutschland, und wer vernünftig ist, rümpft beim Rumzappen bloß mit der Nase, wenn er auf den bekannten Privatsendern hängenbleibt, um dann schnell in eine seriöse politische Talkshow umzuschalten.

Kurz darauf – so bei der zweiten, dritten Staffel – erfährt die Sendung plötzlich eine Aufwertung: Es gilt dann als ironisch-cool, Trash-TV zu gucken, weil man sich doch so herrlich über die Akteure und den tieferen Sinn des Formats, die Sozialstudie über uns alle, lustig machen kann. Stirbt irgendwann diese Betrachtungsweise einer Sendung, stirbt auch sie – ein trauriges Ende, das – so macht es nach der ersten Folge der elften Staffel den Anschein – auch das RTL-Erfolgsformat "Bauer sucht Frau" nun ereilt. Montagabend lief sie in Spielfilmlänge auf dem Privatsender – und zeigte zwei Stunden lang erwartbare Belanglosigkeiten.

Das wurde aus den Paaren bei "Bauer sucht Frau" FOTO: RTL / Stephen Power

Das fing schon mit der Vorstellung der nach der großen Liebe suchenden Landwirte an: Um direkt das erste Klischee zu bedienen, wonach ein Bauer bei "Bauer sucht Frau" ja unter keinen Umständen ein großer Rhetoriker sein darf, überließ RTL als erstes einem besonders unsicheren Kandidaten das Wort. Swen aus Brandenburg verkündete, dass er Teil der Sendung sei, weil er nach der Einen suche, "die alles mit mir teilen tut auf meinem Hof und das ganze Leben". Schiefe Grammatik, schiefes Grinsen – die Inszenierung war perfekt.

Und doch so erwartbar, schließlich ist es Usus, dass RTL und seine Chef-Kupplerin Inka Bause nie auch nur einen Kandidaten wirklich ernst nehmen. Langweilig, weil längst nicht mehr überraschend und wirklich nicht witzig, sind auch die Titel, die die Autoren den Kandidaten verpasst haben, Alliterationen-Albträume wie "Manfred – der zärtliche Ziegenwirt", "Simon – der sanfte Schweinebauer" oder "Gottfried – der muntere Milchbauer".

RTL-Show: Diese Männer suchen die große Liebe FOTO: RTL

Ansonsten erfüllen die Kandidaten in diesem Jahr fast alle mindestens ein Junggesellen-Klischee: wohnt noch bei Mama, hatte noch nie eine Freundin, kann seine Wäsche nicht selber waschen, lebt von Mikrowellen-Essen. Langweilig. Nur zwei Kandidaten brachten etwas Spannung ins Geschehen: Gregor, 66 Jahre alt, und Herbert, 57 Jahre alt. Letzterer wird wohl mit der kürzesten Suche nach einer Partnerin bei "Bauer sucht Frau" überhaupt in die Geschichte eingehen. Die vier Kandidatinnen im Alter von 49 bis 57 Jahren, die Inka Bause dem Langzeitsingle vorstellte, flogen allesamt durchs Raster. "Das hat mir nicht gefallen. Die Frauen sind zu alt", urteilte Herbert und startete einen neuen Aufruf an Deutschlands Frauen: 35 bis 45 Jahre alt soll seine potenzielle Partnerin sein, schlank und sportlich und einen guten Beruf ausüben. Na denn viel Erfolg, Herbert!

Gregor seinerseits ist der Grapscher im Team der elften Staffel, steht auf große Brüste, und kam Kandidatin Beate gleich sehr nah – inklusive beherztem Griff an ihren Allerwertesten. Obszön geht eben immer. Plump wirkte dagegen der Hinweis darauf, dass es zu den Aufgaben von Schweinebauer Simon gehört, sein Zuchtvieh künstlich zu besamen. Offenbar darf bei RTL kein Format auf Sendung gehen, in dem das Wort "Sperma" nicht mindestens einmal genannt worden ist – auch wenn der Zuschauer dabei nur schwer den Sinn des Ganzen ausmachen kann.

Fotos: "Bauer sucht Frau": Küssen und kuscheln mit RTL FOTO: RTL

Fast genauso stereotyp und deshalb farblos blieben auch die weiblichen Kandidaten der Show. Lediglich Sylvia und Petra, Bewerberinnen um das Herz von Bauer Norbert, sorgten für ein wenig Unterhaltung. Lautstark beschwerte sich Sylvia über den üppigen Ausschnitt der "Dicken im Dirndl" – und zog am Ende doch den Kürzeren: Norbert hat Petra für eine Woche auf seinen Hof eingeladen.

So wie er fällten auch die anderen Bauern nach zwei Stunden Kandidatenvorstellung und Scheunenfest nach und nach ihr Urteil, welche Dame sie auf den Hof begleiten darf. Mehr oder weniger enttäuscht zogen die Verliererinnen anschließend von dannen. Nur bei einer Kandidatin flossen die Tränen: Nicole, die sich schon im vergangenen Jahr um einen Platz an der Seite eines Landwirtes beworben hatte, ging auch dieses Mal leer aus – Thomas aus dem Münsterland entschied sich für ihre Konkurrentin. Vielleicht nimmt RTL das ja zum Anlass für eine neue TV-Show mit dem Titel "Frau sucht Bauer". Das wäre dann wenigstens ein bisschen neu.

Die nächste Folge "Bauer sucht Frau" wird am kommenden Montag um 21.15 Uhr auf RTL ausgestrahlt.

Das wurde aus einigen der Paare bei "Bauer sucht Frau".

Hier sehen Sie die ersten Bilder vom Scheunenfest.

In dieser Bilderstrecke sehen Sie die neuen Bauern.

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