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ZDF-Film "Letzte Ausfahrt Gera"
Auf Zschäpes Spuren

Beate Zschäpe: ZDF-Film "Letzte Ausfahrt Gera" mit Lisa Wagner
Lisa Wagner als Beate Zschäpe. FOTO: dpa, dna
Berlin/München. Der echte Kommissar heißt Rainer B., ein jovialer Rheinländer Ende 50, Beamter beim Bundeskriminalamt in Meckenheim. Am 25. Juni 2012 begleitete er die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe auf einer langen Autofahrt von der Haftanstalt Köln nach Gera, wo sie ihre Mutter und ihre Großmutter sehen durfte. 

In dem ZDF-Film "Letzte Ausfahrt Gera" spielt Joachim Król den Kommissar B. Darin geht es um diese Fahrt und darum, was Zschäpe (Lisa Wagner) und der Kommissar im Auto gesprochen haben könnten.

Ein jedenfalls offizielles Protokoll gibt es darüber nicht, denn der Kommissar durfte Zschäpe unterwegs nicht vernehmen. Darauf hatte Zschäpe-Verteidiger Wolfgang Heer extra vor der Fahrt schriftlich gedrungen. Es war die Zeit, als Zschäpe noch eisern schwieg. Im Auto wurde dann aber doch geplaudert, und offenbar sehr viel.

Gefragt, wie er den Dialog mit Zschäpe bezeichnen würde, der doch keine Vernehmung sein durfte, sagte der echte Kommissar B. als Zeuge im Münchner NSU-Prozess: "Es ging um die Brille, die Katzen, und darüber hinaus hat sich noch ein bisschen Gespräch entwickelt, das aber Smalltalk-Qualität hatte."

Raymond Ley inszenierte den ZDF-Film

Diesen Smalltalk hat Regisseur und Grimme-Preisträger Raymond Ley teils nacherzählt, teils mit eigenen Ideen angereichert. Eingefügt in die Rahmenhandlung der langen Autofahrt hat er etliche Szenen, die die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion endgültig verwischen.

Da gibt es Zeugenaussagen aus dem NSU-Prozess (nachgespielt), Interview-Fragmente mit Familienangehörigen von Mordopfern des NSU (echt), Statements des Thüringer NPD-Funktionärs Patrick Wieschke (echt), der Linken-Politikerin Katharina König (echt), Szenen aus dem Leben Zschäpes mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt (erfunden) und ein unangenehmes Gespräch des Kommissars mit seinem Chef (erfunden).

Der Film versucht, Zschäpe greifbarer zu machen. Die 41-Jährige muss sich im NSU-Prozess in München als mutmaßliche Mittäterin für alle Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" verantworten. Zschäpes Stimme hat in der Öffentlichkeit noch nie jemand gehört. Auch ihre Aussage im Prozess hat sie ja nicht selber vorgetragen, sondern verlesen lassen.

Schauspielerin Wagner sagt, sie frage sich, ob da nicht ein Geheimnis um jemanden gemacht werde, der bei näherer Betrachtung gar nicht so geheimnisvoll sei. "Wenn sich jemand so einer Situation entzieht, macht er sich sehr spannend." Das ZDF will einige der Lücken schließen. Das birgt Gefahren: Ist die Macht eines Films zu groß, wenn man noch so wenig über jemanden weiß? Was ist Interpretation, was Realität? Regisseur Ley sagt dazu: "Das empfinde ich nicht als Schwierigkeit." Sein Dokudrama habe eine starke dokumentarische Basis, müsse aber auch das Leben vor dem Protokoll, zwischen und nach dem Protokoll ausdrücken.

Der Film dürfte einigen Beteiligten nicht gefallen, aber er ist sehenswert.

"Letzte Ausfahrt Gera", ZDF, 20.15 Uhr

(dpa)
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