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"Tatort"-Autoren berichten
"Belehrungen sind nur Geschwafel"

"Tatort"-Autoren berichten: "Belehrungen sind nur Geschwafel"
Die Szene stammt aus Golchs "Tatort"-Folge "Klingelingeling", die am 26. Dezember 2016 ausgestrahlt wurde. Die Hauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec, 2. v. li.) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, 2. v. re.) ermitteln. FOTO: ARD
Düsseldorf. "Tatort"-Drehbuchautorin Dinah Marte Golch holt sich oft Rat von Experten ein. Zu kompliziert darf es aber nicht sein. Von Saskia Nothofer

Bis zu ein Jahr dauert es, bis die in Berlin lebende Autorin Dinah Marte Golch mit einem Drehbuch fertig ist. "Das muss dann schon eine Figurenkonstellation sein, auf die ich auch so lange Lust habe", so die 42-Jährige. Doch nicht nur die Drehbuchautorin muss Spaß an ihrer Geschichte haben, auch die Zuschauer wollen nicht gelangweilt werden. Denn vor allem juristische Angelegenheiten können schnell ermüdend wirken. "Da wird dann natürlich viel gemogelt", sagt Golch.

Umfangreiche Recherche

Und tatsächlich: Eine Untersuchung des Medienrechtlers Tobias Gostomzyk der TU Dortmund, über die unsere Zeitung berichtete, zeigt, dass "Tatort"-Kommissare in der Realität wohl längst ein Disziplinarverfahren am Hals hätten, denn in jeder Folge brechen sie das Gesetz.

Jedoch nicht unbedingt in den "Tatort"-Folgen von Golch. Fünf Drehbücher hat sie bereits für die ARD-Reihe geschrieben, bei der Recherche sei sie immer sehr sorgfältig gewesen. So habe sie sämtliche Ausbildungsbücher der Kripo gelesen und Mordprozesse im Gericht verfolgt, "um zu sehen, wie es wirklich ist". Auch Experten ziehe sie immer wieder zu Rate. "Ich habe schon mit vielen Polizeireferenten und Rechtsanwälten gesprochen", so die Autorin. Außerdem habe ein Ermittlungsrichter zur Kontrolle auch mal eines ihrer Drehbücher gelesen. Sehr wichtig bei der Konzeption der Mordfälle sei zudem auch der medizinische Rat von Ärzten.

Die Top drei der von der TU Dortmund ermittelten Verstöße bei den Kommissaren sind unzureichende Belehrungen von Tatverdächtigen, verbotene Ermittlungsmethoden und unzureichende Durchsuchungen. Für Golch ist das keine Überraschung. Während in US-Krimis die Belehrungen noch vorkämen, bewerteten hierzulande diese vor allem die Regisseure als viel zu langweilig. "Belehrungen sind nur Geschwafel", hieße es dann, sagt die Autorin, die die gleiche Meinung vertritt. Aber auch die Standard-Alibi-Abfrage "Wo waren Sie gestern Abend?" sei ein leidiges Krimi-Element, das es zu vermeiden gelte.

"Krimi muss glaubhaft"

Verbotene Ermittlungsmethoden können laut Golch durchaus für Spannung sorgen. Wenn sie vorkommen, sei es ihrer Meinung nach aber wichtig, diese auch als solche zu thematisieren. Kollegen des illegal ermittelnden Kommissars könnten diesen zum Beispiel auf seinen Fehler hinweisen, ihm sagen, dass sie damit vor Gericht Probleme bekommen könnten. "Der Krimi muss einfach glaubhaft bleiben", sagt die Autorin. Er sei doch auch umso spannender, je näher der Film an der Realität sei. Betrachte man die diversen "Tatort"-Folgen, gebe es in diesem Zusammenhang aber immense Unterschiede. Einige seien derart entfernt von der Realität, dass der 42-Jährigen sich die Haare sträubten.

"Ein gewisses Tempo"

Dass Durchsuchungen nur mit einem richterlichen Beschluss oder bei Gefahr im Vollzug rechtlich erlaubt sind, haben die meisten regelmäßigen Krimi-Zuschauer mittlerweile vielleicht schon gelernt. Viele Drehbücher haben diesen Aspekt nämlich schon aufgegriffen. Dass es trotzdem das am dritthäufigsten begangene Vergehen der Kommissare ist, kann Golch erklären: "Es geht wie so oft um Spannung. Ein Krimi muss ein gewisses Tempo haben, und man darf auch nicht vergessen, dass es sich um fiktionale Geschichten handelt."

Die Redaktionen der jeweiligen Produktionssender hätten aber keinerlei Einfluss auf den Realitätsfaktor der Drehbücher. Eher achteten sie darauf, dass der Inhalt nicht zu hart ist, um die Ausstrahlung um 20.15 Uhr garantieren zu können, und versuchten, dramaturgische Mängel auszugleichen.

Quelle: RP
 
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