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Berlin
Bettgespräche unter Kapitalisten

Berlin. Die Farce "Zeit der Kannibalen" im Ersten blickt in den Abgrund eines entfesselten, globalen Marktes. Von Elke Vogel

Sie sind gnadenlos. In luxuriösen Hotelzimmern wickeln drei Unternehmensberater zur Gewinnmaximierung alles ab, was ihnen zwischen die Finger kommt: Menschen, Firmen, Produktionsstandorte weltweit. Katharina Schüttler ("Elser"), Devid Striesow ("Ich bin dann mal weg") und Sebastian Blomberg ("Der Staat gegen Fritz Bauer") spielen die zynischen, getriebenen Manager in der Kapitalismus-Farce "Zeit der Kannibalen".

Mit der grandiosen Satire startet die ARD heute die neunteilige Reihe "Filmdebüt im Ersten". Im Wochenrhythmus sind dann außergewöhnliche Regiearbeiten von Nachwuchstalenten zu sehen.

Johannes Nabers packendes Drama "Zeit der Kannibalen" ist ein Beispiel für ein mutiges, radikales Filmexperiment. In seinem Kammerspiel lässt der Regisseur die Figuren in Hotelzimmern und Konferenzräumen aufeinander los - während draußen in einem nicht näher benannten Land irgendwo fern von Deutschland ein immer näher kommender Bürgerkrieg tobt.

Bei der Verleihung des Filmpreises holte "Zeit der Kannibalen" die Bronze-Lola in der Kategorie bester Spielfilm. Preisgekrönt ist auch das Drehbuch von Stefan Weigl, in dem jeder Satz sitzt und trifft.

Öllers (Striesow), März (Schüttler) und Niederländer (Blomberg) wollen Partner in der "Company" werden - mit Mega-Ego und grenzenlosem Ehrgeiz. Als die "Company" unerwartet verkauft werden soll, läuft für die drei Unternehmensberater plötzlich alles aus dem Ruder.

Die Masken der Manager bröckeln - dahinter kommen in der mit herrlich absurden Momenten gespickten Story Menschen voller Neurosen zum Vorschein. "Zeit der Kannibalen" ist ein schwarzhumoriger Film über die Abgründe des Raubtier-Kapitalismus - und sehr gelungen!

"Zeit der Kannibalen", ARD, 22.45 Uhr

(dpa)
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