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Mainz
Bittere Pille für Wilsberg

Mainz. In dem neuen Krimi geht es um die Unversöhnlichkeit zwischen Homöopathie und Schulmedizin. Von Tilmann P. Gangloff

Ein SEK-Trupp stürmt das Finanzamt von Münster, die Bilder aus einer Helmkamera sorgen dafür, dass man mitten im Getümmel ist. Dabei entpuppt sich der ganze Aufwand als falscher Alarm. Leidtragender sind ein Asylbewerber, der im Amt als Putzmann arbeitet und in dessen verdächtig tickendem Rucksack sich bloß harmloses Spielzeug befindet, sowie Wilsberg-Kumpel Ekki (Oliver Korittke): Der eine verliert seinen Job, der andere kassiert eine Abmahnung. Mit der eigentlichen Geschichte des Films hat dieser Vorfall offenbar nichts zu tun, aber dieser Irrtum ist bei weitem nicht die einzige Finte im Drehbuch, das als vorzüglich gelungene Mischung aus Krimi und Komödie umgesetzt worden ist.

Zunächst scheint es zwischen dem Einsatz und einem Auftrag für Wilsberg (Leonard Lansink) keinerlei Zusammenhang zu geben: Heilpraktiker Seekatz (Folker Banik) beauftragt den Privatdetektiv, seine Frau zu observieren. Die Dame hat eine Affäre, und zwar mit Ekkis Vorgesetztem Grabowski (Vittorio Alfieri), was zur Folge hat, dass der fiese Chef Wilsberg aus der Hand frisst und plötzlich freundlich zu Ekki ist. Zuvor allerdings kommt Seekatz ums Leben, und selbstredend fällt der Verdacht auf die Gattin (Katharina Müller-Elmau). Dass zwischenzeitlich auch ein unzufriedener Patient ins Visier der Ermittler gerät, stellt sich rasch als Irrtum heraus, da das Alibi des Mannes auf äußerst originelle Weise platzt: Er behauptet, zur Tatzeit im Kino gewesen zu sein, doch es stellt sich raus, dass der Film eine 3D-Produktion ist; und der Mann hat nur ein Auge.

Es sind solche Details, die den Charme des Films ausmachen. Darüber hinaus gelingt es ihm, zwei Themen zu kombinieren, ohne die Geschichte überfrachtet wirken zu lassen. Es ist kein Zufall, dass der Putzmann Flüchtling ist, das Asylbewerberheim in desolatem Zustand und das Sicherheitspersonal fremdenfeindlich. Das andere Thema sind der Zwiespalt zwischen alternativen Heilmethoden, vertreten durch den Heilpraktiker, und der Schulmedizin, deren Repräsentant der fiese Geschäftsführer eines Pharmakonzerns ist.

"Wilsberg: Bittere Pillen", ZDF, Sa., 20.15 Uhr

Quelle: RP
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