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Düsseldorf
Das Ende eines "Zombie-Senders"

Düsseldorf. Am Freitag wird der Sender ZDFkultur, der seit Jahren ein Schattendasein fristet, eingestellt. Auch EinsPlus hört auf. Von Joris Hielscher

Das Ende ist so unspektakulär wie nur vorstellbar. Am Freitag bringt ZDFkultur alte Ausgaben der "Hitparade" und der Musikshow "Disco" von 1984, am Abend wird eine sieben Jahre alte Aufnahme einer spanischen Theaterproduktion gezeigt. Und um 23.55 Uhr ist dann Schluss, der Sender stellt nach fünf Jahren seinen Betrieb ein. Es gibt keine Abschiedssendung, keine letzten Worte und nicht einmal ein Best-of. Und das im Fernsehen, das Abschiede so gerne exzessiv feiert - man denke nur an die letzte Folge von "Zimmer frei!".

"ZDFkultur wird uns fehlen, aber klar ist auch: Wir müssen sparen, wenn wir etwas Neues wie das ,Junge Angebot' machen", sagt ZDF-Intendant Thomas Bellut. "Junges Angebot" ist der Arbeitstitel des lang geplanten Jugendkanals von ARD und ZDF, der ab 1. Oktober an den Start geht. Die Besonderheit dabei: Die Formate, die sich vornehmlich an ein Publikum im Alter von 14 bis 29 Jahren richtet, werden ausschließlich im Internet zu sehen sein. Ganz ähnlich wie das ZDF geht die ARD vor: Auch sie stellt am 30. September einen Spartensender ein, und zwar EinsPlus, dessen Programm auf jugendliche und junge Zuschauer ausgerichtet ist.

Während auf EinsPlus Sendungen laufen, die extra produziert werden und die auch im zukünftigen Jugendkanal Zukunft haben dürften, fristet ZDFkultur schon länger ein Schattendasein. Der Spartensender ist zu einer Abspielstation alter Shows und Serien wie den "Wicherts von nebenan" vor allem aus dem öffentlich-rechtlichen Kosmos verkommen - eigene Formate sucht man vergebens. Dabei war der Sender, der aus dem Theaterkanal hervorgegangen ist, 2011 mit großen Erwartungen gestartet. ZDFkultur sollte Pop- und Netzkultur, Konzerte und Festival sowie Theateraufführungen auf möglichst frische Art präsentieren und eine junge Zielgruppe erreichen. Anfangs verzeichnete der Sender durchaus Erfolge. Mit Sendungen wie "Roche und Böhmermann" und "Götter wie wir" sorgte er auch abseits des Nischenpublikums für Aufmerksamkeit.

Doch schon zwei Jahre später, im Februar 2013, kündigte Bellut das Ende des Kultursenders an. Er war dem ZDF schlicht zu teuer geworden. Der Mainzer Sender musste sparen, um, wie von der Politik gefordert, die Rundfunkbeiträge stabil zu halten. Dennoch dauert es ganze dreieinhalb Jahre, bis ZDFkultur den Sendebetrieb einstellt. In dieser Zeit wurde der Anspruch des Senders einkassiert und vor allem auf Programmwiederholungen und aufgewärmte Show- und Filmklassiker gesetzt - innovative Fernsehformate werden stattdessen bei ZDFneo ausprobiert. Trotz dieser Maßnahmen kostet nach Recherchen des Online-Medienmagazin "DWDL" der "Zombie-Sender" jährlich rund zwei Millionen Euro.

Quelle: RP
 
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