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ARD-Film "Das Leben danach"
Der schwere Kampf gegen das Trauma

Bilder aus dem Film zur Loveparade
Bilder aus dem Film zur Loveparade FOTO: WDR/Alexander Fischerkoesen
Köln. Der ARD-Film "Das Leben danach" thematisiert die Folgen für die Überlebenden der Loveparade 2010. Von Helge Toben

Im Sommer 2010 starben 21 junge Menschen in dichtem Gedränge bei der Loveparade in Duisburg. Die Schuldfrage ist auch sieben Jahre nach der Katastrophe noch längst nicht geklärt - um sie geht es in dem Film "Das Leben danach" aber nicht. Das Drama des Westdeutschen Rundfunks kümmert sich um die traumatisierten Überlebenden.

Die - fiktive - 24 Jahre alte Antonia steht im Mittelpunkt, die das tödliche Chaos der Loveparade bis heute nicht vergessen und verarbeiten kann. Sie trägt eine zerstörerische Wut in sich. Gepaart mit Schuldgefühlen und Trauer nimmt sie fast keine Rücksicht mehr auf andere - und auf sich selbst. Antonia wird in ihrer tiefen Zerrissenheit sehr überzeugend dargestellt von Jella Haase, bekannt aus der Komödie "Fack ju Göhte".

Der Film beginnt an einer Gedenkstätte am Veranstaltungsgelände. Die Filmemacher taten gut daran, den Ort nicht zu sehr wie den echten Gedenkort aussehen zu lassen, denn Antonia lässt dort ihrer Wut freien Lauf. Auf der Flucht vor der Polizei nimmt ein Taxifahrer sie mit: Der Mathematiker Sascha (Carlo Ljubek), der behauptet, auch im Gedränge gewesen zu sein. Später fragt er Antonia: "Warum zertrampelst du die Gedenkstätte?" Antwort: "Weil die tot sind und ich lebe. Wir sind die Kaputten, die nichts auf die Reihe kriegen." Es dauert nicht lange, und Antonia findet heraus, dass Sascha im Gedränge nicht dabei war - und irgendwie doch. Denn er war einer der Gutachter, die im Vorfeld der Techno-Parade das Konzept als sicher eingestuft hatten - ein ebenso fataler wie tödlicher Irrtum. So hat die Loveparade auch ihn aus der Bahn geworfen. Er verlor seinen Job an der Uni. "Ich war nicht gut genug", sagt er.

Die Figuren sind frei erfunden, doch haben die Drehbuch-Autoren Eva und Volker A. Zahn zuvor viele Gespräche mit Betroffenen geführt. Dass die Loveparade-Katastrophe für viele dieser Traumatisierten nach wie vor eine große Rolle spielt, ist nicht ausgedacht. So berichten Überlebende, dass sie für eine Rückkehr in einen Alltag entweder Jahre brauchten oder es ihnen bis heute nicht gelungen ist. Manche meiden etwa nach wie vor größere Menschenansammlungen oder Linienbusse.

Der Film lotet mehrfach Abgründe aus. Etwa, als Antonia am offenen Sarg eines Bekannten steht, der Selbstmord begangen hat. "Du siehst eigentlich ganz glücklich aus", sagt sie zu ihm. Oder bei der Geburtstagsfeier für ein Kind, das bei der Loveparade starb. Es war der kleine Bruder von Antonias bester Freundin. Antonia war mit ihm zu der Techno-Parade gegangen - und hatte ihn im Gedränge verloren. Das jüngste Todesopfer der realen Loveparade war 17 Jahre alt.

Eine drastische Szene ist auch der Sex mit dem erst 14 Jahre alten Sohn Saschas. Hoffnung und Liebe haben es sehr schwer in diesem Film, der aber auf Humor nicht verzichtet. Das Normale ist, dass fast nichts mehr normal ist. Regisseurin Nicole Weegmann gelingt es dabei, neben der zerstörerischen Wut Antonias auch ihre verletzlichen Seiten herauszuarbeiten, etwa wenn ihre beste Freundin wegzieht. Der Film endet schließlich dort, wo er begonnen hat: im Tunnel. Und nicht ohne Hoffnung.

"Das Leben danach" gebe einen tiefen Einblick davon, wie Antonias Wut "und der bislang vergebliche Schrei nach Aufklärung und Gerechtigkeit in sich erstarren, abkapseln und auf Dauer unerträglich werden können", lobte die Jury des Bernd Burgemeister Fernsehpreises im Sommer in München in der Begründung für die Nominierung. "Schuld und Erlösung kämpfen in allen Figuren miteinander, ohne je pathetisch zu werden. Der Film schafft es, dem Zuschauer diese Figuren sehr nahezubringen." "Das Leben Danach" sei ein mutiger und unbequemer Film, "der es dem Zuschauer nicht einfach macht".

"Das Leben danach", Das Erste, 20.15 Uhr

(dpa)
 
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